Übers Wetter zu reden, gilt gemeinhin als Smalltalk-Thema der Hilflosen und Kommunikationsunbegabten. Wer im Fernsehen berufsbedingt übers Wetter redet, muss derlei Vorwürfe allerdings nicht fürchten, treibt doch fast jeden von uns die Neugierde um, ob am nächsten Tag die Mittagspause draußen in der Sonne verbracht werden kann oder die Regenjacke rauszulegen ist. Auch ich spitze immer die Ohren, wenn Radio- oder TV-Wetterfrösche auf ihre Studio-gewordenen Holzleitern kraxeln, um die Vorhersage zu verkünden.

Ähm, naja, fast immer. In einem bestimmten Fall werfe ich mich seit einigen Monaten nämlich resigniert rücklings in die heimischen Sofakissen und stöhne lauthals flehend ein „Ohh neee, bitte schalt weg. Ich kann das nicht mehr ertragen“ in Richtung des Mannes. Der grinst verstehend, schaltet aber nicht um, sondern gibt Radio Bremen jedes Mal die Chance, mir ein Versöhnungsangebot in Form eines traditionell vorgetragenen Wetterberichtes zu machen. Auch ich hoffe insgeheim auf zwei Minuten, die mich erleichtert aufatmen und ein „Okay, Schwamm drüber. Ich verzeihe Euch diese humorverwirrte Eskapade“ seufzen lassen. Bisher vergeblich. Er sprengt einfach Woche für Woche meine Klamauk-Toleranzgrenze…

… der Wetterbericht am Ende von buten un binnen!

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Da hüpfen blonde Moderatorinnen zu  kindlichen Pfützenliedern durch Pfützen. Da wird die Rückkehr von Claudio Pizzarro mit einer platten „Pizza-roh“-Pointe in Form von… ja, ganz genau,… einer rohen Pizza gefeiert. Wer regelmäßig das Regionalmagazin einschaltet, weiß wovon ich rede.

Ich mag es lustig. Ich mag es ironisch. Ich mag es wortwitzig. Echt jetzt! Aber beim buten un binnen-Wetter bleibt mir regelmäßig das Lachen im Halse stecken. Vielmehr frage ich mich: Kommen sich die Protagonisten dabei nicht selbst etwas merkwürdig vor? Aber vielleicht ist es auch ganz anders und sie sitzen morgens mit ihrem Team händereibend in der Redaktion und sinnieren darüber, welcher Witz einem echt echt heißen Sommertag Ende August angemessen ist.

„Wasser. Irgendwas mit Wasser. Abkühlung eben.“
„Also ins Freibad, oder? Vielleicht was Lustiges im Dialog mit einer Quietscheente?“
„Ja, voll die gute Idee. Oder wir tun so, als würde jemand total mutig zum ersten Mal vom Zehner springen, aber am Ende sieht man, dass es gar nicht der Zehner ist. Hihihi!“
„Mist, ich seh gerade, Freibad hatten wir ja letztens erst. Weißt Du noch, als wir unter Wasser unseren Kameramann aufforderten, nicht wieder ins Becken zu pinkeln?“
„Ach jaaaaa! (kicher) Das war echt witzig, hehe.“
„Jahaaa. Das war´s. Aber was machen wir heute, um das zu toppen?!“
„Am besten was mit Wasser zum Trinken. Das ist doch immer gut: Viel trinken an einem heißen Tag.“
„Stiiiiiiimmt. Das ist gut. Wir müssen jemanden total viel Wasser anbieten. Immer wieder. Am besten beim Moderieren.“
„Ja, aus Plastikbechern, So viele, dass man sie gar nicht halten kann.“
Allgemeines Gejohle.
„Gnihihihi, genau! Und dann läuft ihm alles quer übers Hemd *kicher*“

Solche Szenen stelle ich mir in etwa vor, wenn ich so etwas abends über die Mattscheibe flimmern sehen (Bild anklicken und Video anschauen):

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Dabei bin ich mit buten un binnen ansonsten echt gut Freund gerade. Wochenserien, längere Themenstücke, Wer kennt wen – ich finde, in der letzten Zeit hat sich einiges verbessert. Wie beim Weser-Kurier übrigens auch. Dort gehen die Veränderungen noch viel deutlicher in eine Richtung, die ich zeitgemäß und ansprechend finde. (Was beide Beobachtungen mit den veränderten Personalien in den jeweiligen Chefredaktionen zu tun haben, mag jeder für sich beantworten.)

Bleibt also die Frage: Warum bloß diese Kalauer beim Wetter? Warum dieser Schenkelklopfer-Stil? Bin ich die einzige, die das stört, und hagelt es ansonsten Medienpreise und applaudierende Leserbriefe für das Format? Man munkelt ja, dass es Menschen gibt, die den Sanifair-Spot oder das aktuelle Image-Video von Niedersachsen  gar nicht mal übel finden. Vielleicht ist das einfach alles eine Ebene der Selbstironie, die sich mir nicht mehr erschließt? Was meint Ihr?