Die Volkshochschule Bremen bietet allen Interessierten ein vielfältiges Angebot. Ob man sich für Gemüseanbau im Hochbeet, den Sportbootführerschein interessiert oder man einfach nur mal wieder sein Plattdeutsch auffrischen möchte: Die VHS bietet für alle Altersgruppen unter der Woche und am Wochenende tolle Angebote an. So kann man zwischen zahlreichen Kursen, Exkursionen und Vorträgen aus fünf Themengebieten wählen:

  • Unter der Rubrik Mensch, Gesellschaft und Politik bietet die Volkshochschule all das an, was die Menschen an einem gesellschaftliches Miteinander interessieren könnte. Es werden Vorträge und Kurse zu aktuellen Themen, Arbeit, Ethik, Politik und (inter-)kultureller Begegnung thematisiert. So leistet die VHS ihren Teil zur Wissensvermittlung in einer demokratischen Gesellschaft.
  • In der Rubrik Gesundheit, Umwelt und Outdoor werden unter anderem Angebote und Vorträge im aktiven Sport und Reisen, Heilmethoden, Ernährung und naturnahen Erlebnissen, von der Gartenarbeit bis zu den Naturwissenschaften, angeboten.
  • Unter Kunst, Kultur und Gestaltung werden Kurse und Workshops zur Fotografie, Literatur, Tanz und Theater sowie Kunst und Handwerk angeboten. Auf eine persönliche Anekdote aus diesem Themenbereich komme ich später noch zu sprechen.
  • Unter Beruf, EDV und Medien werden Themen der beruflichen Weiterbildung, IT-Kenntisse, Rhetorik und Kommunikation angeboten.
  • Last but not least kommen natürlich Sprachen bei der Volkshochschule nicht zu kurz. Mann kann sich in über 30 unterschiedlichen Sprachen aus dem Aus- und Inland unterrichten lassen. Zudem kommt das Angebot Deutsch als Fremdsprache zu erlernen, um die Integration von Nicht-Muttersprachlern in die Deutsche Gesellschaft zu erleichtern.
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Die Kursübersicht im Eingangsbereich.

Wie angekündigt, habe ich im Zusammenhang mit der VHS an einem Sonntagnachmittag ein Angebot der besonderen Art angetragen bekommen. Es war einer dieser Sonntage, die man am besten kuschelig auf dem Sofa bei einem guten Buch mit Kakao und Keksen verbringt. Oder man lädt liebe Freunde zu Kaffee und Kuchen ein und verbringt eine gemütliche Zeit mit guten Gesprächen.

Das Angebot

Ich entschied mich für die zweite Variante und so standen am frühen Nachmittag Angela und Joshua vor meiner Haustür. Die kommenden Stunden verbrachten wir bei Kaffee und Kuchen, angeregten Gesprächen und Kerzenschein am Nachmittag. Dann kam kurz vor dem Abschied die Offerte: Joshua müsse am morgigen Montag kurzfristig auf Geschäftsreise und wäre somit für seinen Zeichenkurs an der VHS am Abend verhindert. Angela ebenfalls. Er müsse aber an diesem Termin das Modell bezahlen und möchte mich deshalb bitten, das Geld für ihn zu überbringen. Im Gegenzug dafür könnte ich seinen Platz im Kurs einnehmen.

„Hmmh, tja…“, sagte ich und fragte mich, wann ich denn zum letzten Mal einen Zeichenstift in der Hand hatte und ob ich dem Anspruch überhaupt gerecht werden könnte. Die Antwort musste lauten: „Noch nie, du Träumer, lass das bloß sein!“. Noch während dieses Echo in meinem Kopf verhallte, hörte ich mich laut sagen: „Ja, klar mach ich das, wird bestimmt interessant!“.

Nachdem ich wusste, wann und wo ich zu sein hatte, verabschiedeten sich die beiden. Auf der Türschwelle sagte Joshua dann noch mit einem Grinsen zu mir: „Ach ja, übrigens, Thema morgen ist Aktzeichnen, ne?“ und ging. Das war dann in diesem Zusammenhang das erste Mal, dass ich mit leichter Röte im Gesicht dastand und mich für meine vorlaute Klappe schämte. Versteht mich nicht falsch, mit Nacktheit habe ich normalerweise überhaupt kein Problem. Im Gegenteil: Ich winke sogar noch sehr nett, wenn mein Nachbar mich nach dem Duschen am Fenster sieht und mir in diesem Moment aus versehen das Handtuch von den Lenden rutscht. Aber aus irgendeinem Grund war dieses Thema des Aktes bei mir mit einer gewissen Ehrfurcht behaftet und ich genierte mich.

Der Akt

Montagabend, 18:45 Uhr. Ich stehe bewaffnet mit Zeichenblock und Bleistift im Foyer der Volkshochschule. Um mich herum hektisches Treiben. Ein Kommen und Gehen der Kursteilnehmer und Dozenten. Ich lese mir die Kursangebote auf dem Infobildschirm durch. „AutoCAD für Anfänger, Schach für Fortgeschrittene, Plattdeutsch (Niveau A2), Aktzeichnen“. Während ich den letzten Eintrag lese legt mein Herz einen Takt zu und mir wird auf einmal flau im Magen – ich bin aufgeregt. Beschwingt nehme ich die Treppe in den dritten Stock, um meiner Nervosität entgegenzuwirken.

Oben angekommen treffe ich vor dem Seminarraum Valerie, eine weitere Kursteilnehmerin, wie ich annehme. Da ich nicht angekündigt bin, versuche ich ihr meine Situation zu erklären. „Der Joshua schickt mich mit dem Geld.“ und „Ich hab das ja noch nie gemacht.“. Ich komme mir ziemlich dämlich vor. Keine Ahnung, wie man in diesen Künstlerkreisen spricht, aber Valerie gegenüber habe ich mich auf jeden Fall als Amateur mit diffusen Beweggründen bewiesen. „Ich kenne keinen Joshua.“, sagt Valerie, schaut mich misstrauisch an, wendet sich dann ab und entledigt sich ihrer Fahrradklamotten. Die Nase schnaubend verziehe ich mich in mein Taschentuch, bevor ich mich mit weiteren Erklärungsversuchen unmöglich mache. „Ohwei, ein souveräner Auftritt sieht anders aus.“, denke ich.

Endlich kommt Kursleiter Theo und schließt den Raum auf. Drinnen angekommen spricht er mit Valerie und den anderen Kursteilnehmern, die mich, etwas überrascht über meine Anwesenheit, sehr nett begrüßen. Erst jetzt bemerkt Theo meine Anwesenheit und wir stellen uns einander vor. Ich komme dazu, zu erklären, dass ich der Arne mit dem Geld vom Joshua sei und an seiner Stelle dem heutigen Kurs beisitzen möchte. „Kein Problem“, sagt er und weist mir einen der Zeichentische zu.

In der Mitte des Raums steht an der Wand ein Chaiselongue, um das sich die sechs Kursteilnehmer mit ihren Zeichentischen positionieren. Theo begrüßt alle Anwesenden zu dem heutigen Kurs mit dem Thema „Akt“, wünscht uns allen gutes Gelingen und eine ruhige Hand. Valerie schreitet zeitgleich in die Mitte und entledigt sich nun auch noch ihrer übrigen Kleidung. Sie ist allem Anschein nach das Modell.

Überrascht und etwas unsicher schaue ich sie an und danach mit etwas Röte im Gesicht auf meine Finger, die auf meinem Zeichenblock ruhen. An diesem Abend werden vier verschiedene Posen zu jeweils 20 Minuten angeboten. Zwischendurch erklärt Theo anhand von einigen Beispielen, welche Möglichkeiten der Darstellung der Zeichner im Akt hat. Valerie setzt sich für die erste Pose auf das Chaiselongue und überschlägt ihre Beine.

Das Ergebnis

An den Füßen hat sie Lederstiefel, denen ich meine volle Aufmerksamkeit widme. Meine Aufgeregtheit gegenüber der Situation legt sich und ich fange an zu zeichnen. Der Kursleiter geht während wir zeichnen von Tisch zu Tisch und gibt Tipps. Nach zehn Minuten beugt sich Theo mit kritischem Blick über meinen Zeichenblock und bemerkt „Sie wissen schon, dass wir hier heute einen Akt zeichnen, oder?“ Ich schaue auf Valeries minuziös schattierte Lederstiefel auf meinem Zeichenblock. „Nutzen Sie das Modell, die Schuhe sind heute nachrangig.“.

Ein Schalter legt sich in diesem Moment bei mir um und ich konzentriere mich nicht auf Valerie. Ich sehe nur noch das Modell. Das Lexikon sagt, dass die „Abbildung des unbekleideten Körpers (…) eine schwierige künstlerische Aufgabe“ darstelle und „oft als Übung für Proportionsstudien“ diene. Beides trifft nach 20 Minuten voll und ganz auf meine Bemühungen zu und ich erkenne, dass meine Zeichnung nur ungenügend der Realität entspricht.

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Modell sitzend.

Theo spricht das Ergebnis mit mir durch und erklärt, dass ich mir einen Fixpunkt, zum Beispiel das Chaiselongue, für die Proportionen suchen soll. Nach einer kurzen Pause nimmt Valerie eine Pose an der Wand ein. Es geht weiter. Meine Nervosität ist einer Konzentriertheit gewichen. Ich versuche mich für die Proportionen an der Schranktür zu orientieren.

Modell stehend an der Wand.

Modell an der Wand.

Das Ergebnis sieht aus, wie eine Interpretation einer Hammerwerferin aus der Deutschen Demokratischen Republik. Zudem habe ich ihre Füße abgeschnitten und ein Arm ist länger als der andere. Aber schon besser als das Erste – ich übe ja noch. Bei der folgenden Pose gebe ich mir mehr Mühe und achte genau auf den Verlauf von Körper, Schattierungen und Feinheiten.

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Rückenansicht auf dem Chaiselongue

Das Ergebnis gefällt mir persönlich schon besser. Theo sagt, dass ich doch bitte Einrichtungsgegenstände im Hintergrund weglassen und nur das Modell zeichnen soll. So konzentriere ich mich bei der Abschlusspose fast nur noch auf das Modell. In meine Arbeit versunken bemerke ich nicht, dass sich Theo unbemerkt von hinten anschleicht. Als er laut ausruft „DAS ist es! Keine weitere Silhouette, nur noch Schattierungen!“ steche ich mir beinahe den Bleistift in die linke Hand.

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Es ist ein Hauch von Ausdruck und Tiefe zu erkennen, meint Theo.

Ja, den Bauch habe ich so gut wie vergessen, aber wie Theo schon bemerkte, wirkt das Bild mit einem gewissen Ausdruck. Das habe ich aber auch erst bemerkt, als ich mir den Zeichenblock nach einer Weile wieder angeschaut habe.

Auf dem Heimweg dachte ich noch einmal kurz über meine anfängliche Nervosität nach. Die war nun vollkommen einem gewissen Stolz über meine ersten Zeichnungen gewichen. Ich dankte Joshua in Gedanken für sein Angebot. Nur Wenige können schließlich von sich sagen, jemals an einem Akt-Zeichenkurs teilgenommen zu haben.

Eines steht fest: Dieses Erlebnis war nur der Auftakt zu meiner Entdeckungsreise in den überaus interessanten Kosmos der Volkshochschule. Wer weiß, vielleicht werde ich mich demnächst endlich meinem Dänisch-Kurs widmen oder Aristoteles Theorie des Glücks aufgreifen. Ein Glück ist jedenfalls, dass die Volkshochschule Bremen jedem offen steht und mit ihrem vielfältigen Angebot Wissen vermittelt, Horizonte erweitert und somit zu einer Verbesserung des Bremischen Lebens beiträgt.

Jetzt seid Ihr dran: Schaut Euch gerne einmal das Themenspektrum der Volkshochschule an und stöbert ein bisschen. Es gibt garantiert das eine oder andere Angebot, welches Euer Interesse weckt.

Und keine Scheu – dazu gibt es nämlich keinen Grund. 😉