Kennt Ihr das Brill No. 6? Ja genau: Der Laden, der von außen so aussieht, als wäre er abgebrannt. Direkt gegenüber der Sparkasse am Brill, dort, wo früher das Modegeschäft Leffers seinen Sitz hatte, zwischen Bettenhaus Wührmann und Bettenhochburg Motel One, hat eine Café-Bar aufgemacht. Oder, für Ur-Bremer: Dort, wo der Hängeboden drin war. Wisst Ihr jetzt, wo? Perfekt. Denn das solltet Ihr Euch merken.

Ich weiß nicht, warum ich mich bislang noch nie in den Laden getraut habe (gut, vielleicht lag es daran, dass ich mir nicht ganz sicher war, ob die Brandschäden behoben sind). „Oh man, jeder sagt mir, dass die Fassadenoptik irgendwie verbrannt aussieht!“, ruft Sarkan und lacht. „Ich finde, das sieht echt cool aus, außerdem war das scheißeteuer.“ Aber gebrannt hat es in der Bude tatsächlich noch nicht. Höchstens der Schnaps im Rachen.

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Sarkan ist der Inhaber vom Brill No. 6, einer Mischung aus Café, Bar und Lounge, die den Namen ihrem Standort zu verdanken hat. „Es war immer mein Traum, eine eigene Bar zu haben“, sagt der studierte Tourismusmanager (der irgendwann auch mal ein Hostel in Bremen aufmachen möchte). Auf die Location ist er aber gekommen, weil er als Immobilienmakler arbeitet. „Ich habe sie gesehen und dachte: Alter, das kannst du nicht einfach verkommen lassen.“ Also hat er die Räume gepachtet, die Ärmel hochgekrempelt und angefangen, alles auf Vordermann zu bringen. Ein Jahr später, im November 2015, war sie dann fertig: seine erste eigene Café-Bar.

Das Überraschendste: Was von außen aussieht wie ein Coffee-To-Go-Shop, ist in Wirklichkeit drei Stockwerke hoch. Unten, im Eingangsbereich, ist alles hell gestaltet, hier gibt es Kaffee, Tee und andere Getränke; außerdem Suppen von Suppito und hausgemachte Sandwiches mit eigenen Dips. Kleinen Appetitmacher gefällig? Bitteschön: Avocado-Frischkäsecreme-Sandwich mit Hähnchenfilet – mhmhm. „Wir versuchen, bei dem Großteil unseres Angebots auf Bio und Nachhaltigkeit zu achten.“

Richtig gemütlich wird es aber ein Stockwerk höher. Über eine schmale Treppe geht es hinauf, und schon steht man in der Bar, oder besser: vor der Bar. Und hinter der Bar, da finden sich diverse Alkoholika, aus denen am Abend diverse Cocktails geschüttelt und gerührt werden, und ausgewählte Sorten Whiskey, Rum und Gin. Manches wie Monkey 37 und Siegfried ist bekannt, die unbekannteren Marken sind die Lieblingsalkoholika von Sarkan, der auf seinen Reisen durch Lateinamerika, Afrika und Spanien jede Menge Inspiration gesammelt hat. Das sieht man auch am Look der Location – so richtig in eine Schublade stopfen lässt der sich nämlich nicht. „Ich wollte was Kosmopolitisches machen“, betont Sarkan. Und kosmopolitisch heißt in diesem Fall: verdammt cool.

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Denn nicht nur die Raucher-Lounge in der dritten Etage, für die Sarkan eine Wand rausgerissen und den Bereich zu einer Art Galerie gemacht hat – hat eine stylische Sixties-Optik. Auch der Rest der Bar bietet allerlei Hingucker: Trompeten, die zu Lampenschirmen werden.

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Tische, deren Platten aus alten Weinfassdeckeln und historischen Nähmaschinen-Untergestellen bestehen (auf einem von ihnen hat Sarkan übrigens die ersten Seiten seiner Diplomarbeit geschrieben). Andere sind beispielsweise aus alten Tresoren gefertigt.

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An der Wand, in goldenen Rahmen, die er aus Häusern zusammengetragen hat, die er als Immobilienkaufmann gehandelt hat: alte Fotos, und historische Unterlagen des Gebäudes.

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Dazu stehen allerlei Vintage-Möbel rum. Etwas aus dem Rahmen fallen die Kissen, die aus alten Jeans gefertigt wurden. Von wem? „Von meiner ehemaligen Grundschullehrerin“, sagt Sarkan lachend. Ok, das hat was.

Was im Winter dank der großen Fensterfront mit Überblick über den Brill schon ziemlich cool ist, wird im Sommer bestimmt richtig gut: Die Fenster lassen sich komplett zur Seite schieben. Natürlich könnt Ihr mit Eurem Besuch noch so lange warten. Aber ich geh bestimmt vorher wieder hin!

Brill No. 6, Öffnungszeiten: Mo bis Donnerstag 11 bis (je nach Auslastung) 2 Uhr, Freitag und Samstag Open End. Hat keine Website, aber Facebook.