Bremen? Beck´s Town, sagen viele. Dass eines der meistgetrunkensten Biere der Welt von der Weser kommt, ist natürlich kein Geheimnis. Aber längst gibt es abseits des Massenmarkts auch in Bremen eine spannende Craftbeer-Szene. Einer der ersten, der selbstgebrautes Bier angeboten hat, war Tobias Grebhan. 2014 eröffnete er eine Mikrobrauerei im Schnoor, seit Mitte 2016 produziert er im größeren Stil in Horn. Nun macht er in der Feldstraße 19 sein eigenes Lokal auf: Im TwoBeers gibt es Grebhan’s Bier erstmalig vom Fass – neben 40 weiteren Sorten in Flaschen. Aber das ist nicht die einzige Besonderheit.

Der erste Schluck – bam! – ein Schlag ins Gesicht. Nr. 13 steht auf dem schlicht gehaltenen Etikett der Bierflasche, außerdem: Doppel-Hopper. Neun Prozent Alkohol, das schmeckt man nicht, aber man merkt es wenig später. Und: wahnsinnig viel Hopfen. Alex grinst. „Schmeckst Du den Unterschied?“ Klar schmecke ich den. Mein Porter zuvor war süßlich, milde, und damit schon deutlich anders als die herkömmlichen Pils, die ich mir mal zum Feierabend gönne. Aber: lecker!

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Alex ist 32 Jahre alt, Service-Chef bei TwoBeers und absolut bierverrückt. Jetzt sagt ihr: Na klar, wer ist das nicht? Aber bei Alex hat die Bierbegeisterung eine Zahl. 672. Sie steht auf seinem Handydisplay, wenn er die App Untapped öffnet. In ihr können Bier-Fans speichern, welche Sorten und Marken sie bereits getrunken haben. Bei Alex sind es 672 verschiedene, die er mit Untapped dokumentiert hat. Die echte Zahl dürfte bei mehr als 1000 liegen, schätzt er.

Nun ist Alex – Gott bewahre! – kein Alkoholiker. Alex ist Genießer. Er trinkt sein Bier nicht wegen des Pegels, sondern wegen des Geschmacks. Wegen des Aromas. Wegen seiner Neugierde. Er stürzt es auch nicht herunter, sondern er schwenkt erst das Glas, nimmt dann einen tiefen Zug durch die Nase und schließlich einen kleinen Schluck, den er noch ein wenig im Mund wandern lässt. Mit anderen Worten: Alex ist genau der Richtige für Bremens erstes Craftbeer-Lokal.

Dort, wo es am 13. Januar eröffnet, in der Feldstraße 19, ist seit mehr als 20 Jahren Gastronomie angesiedelt. Zuletzt servierte hier die mittlerweile geschlossene Feldküche Speisen, an kleinen braunen Tischen auf hellem Holzboden. Von dem Look ist nicht mehr viel geblieben: Über ein halbes Jahr lang wurde hier renoviert, gerissen und geschuftet. Der Holzboden ist jetzt schwarz, die kleinen Tischchen sind hohen Sitzgelegenheiten gewichen, 35 Sitzplätze gibt es. Über ihnen hängen Edison-Glühbirnen in unterschiedlichen Formen und Größen. Die Wand ist teilweise unverputzt und gibt den Blick frei auf den schönen roten Klinker des Altbaus. Und direkt, wenn man das Lokal betritt, fällt der Blick auf die goldenen Zapfhähne an der verkachelten Wand, aus denen fünf Sorten Grebhan’s Bier frisch fließen.

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Denn darum geht es: Bier. In all seinen Geschmacksformen, von süß bis sauer, von mild bis herb. Aus Schottland, Belgien, England, Amerika, und aus vielen kleinen Brauereien in Deutschland. Und passend zu den Bieren gibt es im TwoBeers auch Speisen. Während anderswo ein Wein zum Essen empfohlen wird, ist es hier das passende Bier. Oder andersrum: Das passende Essen zum Bier.

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Um das wöchentlich wechselnde Angebot kümmert sich Koch Timo. Der 29-Jährige hat zuletzt auf Helgoland in einer Sterne-Küche gearbeitet, gebürtig stammt er aus der Nähe von Solingen. Klar, das alle seine Messer in der TwoBeers-Küche – die er sich übrigens nach seinen eigenen Vorstellungen einrichten konnte – aus Solingen kommen. Manche stammen aus kleinen Manufakturen, andere tragen seinen Namen als Gravur. „Die Aromen der verschiedenen Biere inspirieren mich“, schwärmt Timo. Herauszufinden, wie er die einzelnen Geschmackskomponenten durch seine Kochkünste noch betonen kann, macht die neue Aufgabe für ihn besonders spannend. Dabei muss er sich immer wieder neu auf das Bier einlassen – schließlich wechselt das Ausschank-Angebot ebenfalls regelmäßig.

Serviert werden die kreativen Gerichte auf handgebrannten Tellern und Schalen. Neben zu Beginn etwa neun Gerichten auf der Wochenkarte gibt es auch ein kleines Snack-Menü. Die Zutaten für die Speisen sollen möglichst aus der Region kommen. „Ich habe bereits auf Höfen gearbeitet“, sagt Timo. „Mir ist es wichtig, dass die Qualität stimmt.“ Aus seinem eigenen Garten darf er sich laut Vorschrift leider nicht bedienen: Der 29-Jährige wohnt im Blockland mit zwölf anderen auf einem alten Bauernhof, hat acht Hühner und pflanzt so viel wie möglich selbst an. „Das ist mein Ausgleich zum geschäftigen Treiben im Viertel.“

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Die Idee zu dem für Bremen neuen Konzept eines Craftbeer-Lokals hatte Tobias Grebhan. Er wollte nicht mehr länger nur in kleinen Kesseln brauen – die Nachfrage in seinem Laden im Schnoor war groß, die teilweise exotischen Sorten oft schnell ausverkauft. Und eigentlich wollte er sich auch mehr dem Brauen und weniger dem Verkauf widmen. Mit dem Umzug seiner Mikrobrauerei Grebhans Bierhandwerk in eine größere Location in Horn hat er nun wesentlich mehr Kapazitäten: ein Maisch-, ein Läuterbottich und vier Lagertanks mit 600 Liter Fassungsvermögen stehen dort – Platz wäre aber locker für das Dreifache an Equipment. Jede Flasche füllt er selbst per Hand ab und liefert sie anschließend ins TwoBeers, dessen Leitung seine Schwester Anja Grebhan übernimmt, oder in den Craftbeer-Laden Brolters im Viertel. 1000 Hektoliter Bier produziert Grebhan im Jahr, mehr als 80 Sorten hat er bereits kreiert.

Vor seinem Start in die Craftbeer-Szene hat der 45-Jährige in der Psychatrie und Forensik gearbeitet. Sein Vater aber machte ihn neugierig: Er ist Braumeister und hat unter anderem für Beck´s gearbeitet. Er griff Tobias Grebhan schon in der heimischen Küche unter die Arme, als dieser seine ersten Experimente mit Aromahopfen, Malz und mehr machte – und führte in zu der Methode, die das Bier heute noch prägt: „Wir kräusen unser Bier nach drei bis vier Tagen noch einmal auf“, erklärt Tobias. Konkret bedeutet das, dass noch einmal etwa 60 Liter gebraut und zur Nachgärung in den Lagertank gegeben werden.

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„Tobias ist ein wahnsinnig kreativer Brauer“, lobt Alex, der seinen neuen Chef noch aus dem Schnoor kennt. Und er muss es wissen, schließlich hat sich der gebürtige Brasilianer aus Belo Horizonte, der 2010 zum Studieren nach Bremen gekommen ist, schon durch die halbe Craftbeer-Welt probiert – und kann zu vielen Hopfen- (es gibt mehr als 100!) und Biersorten etwas erzählen. Dass die Craftbeer-Szene in Bremen wächst, hält Alex für besonders wichtig. „Bremen war – im Vergleich zu meiner Heimatstadt – immer etwas langweilig, was die Szene angeht. Aber was hier seit einigen Jahren passiert, zeigt eine gute Tendenz: Es geht voran.“ Der studierte Computerwissenschaftler wollte anfangs eher nach Berlin ziehen. Jetzt will er selbst daran arbeiten, dass Bremens Szene noch spannender wird.

Dann hebt er sein Glas zum Anstoßen.  Nummer 13. Und mehr als 50 weitere Biere, die ich noch testen muss. TwoBeers, ich werde wiederkommen: Auf unsere gemeinsame Zukunft. Cheers!

TwoBeers eröffnet am Freitag, 13.01.2017, um 17.30 Uhr. Das Craftbeer-Lokal hat montags bis samstags ab 17.30 Uhr geöffnet, warme Küche gibt es bis etwa 22 Uhr. Einmal im Monat findet ein Craftbeer-Tasting mit passenden Speisen statt. Folgt TwoBeers doch einfach auf Facebook, um auf dem Laufenden zu bleiben! Wer noch einmal lesen möchte, wie wir selbst einmal LOVEBREMEN Bier gebraut haben, klickt hier.