Mein liebes Bremen,

ich hoffe sehr, dass es Dir gut geht. Das hoffe ich wirklich. Du wirst jetzt sicher denken, dass ich mich nur so alibimäßig bei Dir melde, weil ich den Brief schon mit einer Standardfloskel beginne. Aber das ist nicht so. Und nur weil wir lange nichts mehr von einander gehört haben, heißt das nicht, dass ich nicht an Dich denke. Das tue ich nämlich sicher viel öfter, als du Dir vorstellst. Auch deswegen schreibe ich Dir heute.

Ich gebe ja zu, dass ich zuletzt etwas nachlässiger war. Es ist halt schon blöd, wenn man an verschiedenen Orten lebt, die dann noch mehrere hundert Kilometer von einander entfernt sind. Du an der Weser und ich aktuell an der Spree. Das war früher irgendwie einfacher. Klar, wir haben uns schließlich auch jeden Tag in der Neustadt gesehen. Und ich für meinen Teil denke gerne an diese Tage zurück, sehr gerne. Und ich muss ehrlich sagen, dass Du mir fehlst. Deine hanseatische Kantigkeit, Dein Wir-Gefühl, Deine Zuneigung gegenüber zugezogenen Lokalpatrioten wie mir. Ich weiß zwar nicht, wie es Dir geht. Vielleicht warst Du ja auch froh, dass ich nach meinem Studium wieder gegangen bin. Wobei… Ich habe gehört, dass mein ehemaliger Studiengang in ein paar Jahren geschlossen werden soll. Ich hoffe mal, dass Du doch nicht irgendwie sauer bist und das eine Trotzreaktion ist. Wobei, wirklich trotzig warst Du ja nie. Eher ein bisschen introvertiert. Du musst jetzt aber auch nichts dazu sagen, ist schon in Ordnung. Wir verstehen uns.

Aber erzähl Du doch mal: was treibst Du so? Gibt es dienstags noch die wilden Nächte im Tower? Und die Auszeit in der Neustadt? Hast Du noch Kontakt zu Thomas Schaaf, dem Meister-Trainer von 2004 – und zu Bürgermeister a.D. „Uns Henning“ Scherf, dem man nachsagte, er könne über Wasser gehen? Und wie hat sich eigentlich Dein Verhältnis mit der Überseestadt entwickelt? Als ich gegangen bin, war das ja noch alles ganz frisch in der Mache. Ohh, Du siehst, ich habe so viele Fragen. Wüde mich echt freuen, da mal ein Update von Dir zu bekommen.

LOVEBREMEN-Torben-Studium

Damals im Studium…

LOVEBREMEN-Torben-Dom

… heute beim Weihnachtsmarktbesuch.

Bei mir ist zuletzt auch so einiges passiert. Nach unserem Abschiedsabend bin ich ja nach Baden-Württemberg gezogen. Jetzt lebe ich in Berlin. Das ist auch aufregend. Aber lange nicht so schön wie bei Dir. Auch wenn es sich etwas nach Klischee anhört, die Jahre mit Dir waren doch sehr prägend und haben bleibende Erinnerungen hinterlassen. Ein großer Teil meines Lebens tagsüber spielte sich in zwei Parallelstraßen ab. Zum einen in der Großen Johannisstraße. Da habe ich in einer Wohngemeinschaft gelebt und in der Tequila-Bar regelmäßig Fußball geschaut, wenn ich es nicht ins Stadion geschafft habe. Die Kneipe im Haus, das Kleeblatt, war zumindest für einen Absacker gut. Gleich nebenan, am Neustadtswall, habe ich vier Jahre studiert. Und wenn ich nicht gerade an der Hochschule war, dann im Südbad, oder im Modernes, oder in der Shakespeare Company, oder danach im Falstaff. Oder in der Sonne der Wallanlagen. Ich war immer gerne auf dieser Seite der Weser. Und weißt Du noch, wie ich immer wie ein Blöder um den Werdersee gerannt bin? Damals habe ich für einen allerersten Halbmarathon trainiert. Den habe ich dann ja auch geschafft. Mehr schlecht als recht, aber überglücklich.

Ach, wenn ich Dir so schreibe und in Erinnerungen schwelge, würde ich am liebsten gleich zu Dir fahren. Weißt Du was: Was hältst Du von einem Wiedersehen? Ich meine so ganz entspannt und ohne großes Aufsehen. Dafür persönlich. Es ist doch eigentlich längst überfällig. Ich lese gerade, dass Du am ersten Oktoberwochenende auch einen Halbmarathon organisierst. Das wäre doch eine prima Gelegenheit. Was hältst Du davon: Ich melde mich dazu an, komme aber schon ein, zwei Tage früher. Dann haben wir etwas Zeit für uns – und noch ein tolles Event zum Wochenendabschluss. Wäre das was? Ich könnte ja auch noch ein paar Freunde mitbringen? Die müsstest Du auch noch von früher kennen. Oh, das wäre so großartig. Was denkst Du?

Du kannst gar nicht glauben, wie sehr ich mich schon auf das Wiedersehen freue. Wir müssen dann auch unbedingt dahin gehen, wo wir früher so viel Zeit verbracht haben. Ich bin aber natürlich auch für neue Sachen offen. Lass mich einfach wissen, worauf Du gerade Lust hast. Zeige mir gerne ein paar unentdeckte Ecken. Die gibt es sicher noch. Und bis dahin lass es Dir bitte gut gehen und genieße den Sommer.

Ich habe Dich immer noch sehr lieb – und das ist keine Floskel.
Fühle Dich gedrückt, Dein Torben

 

LOVEBREMEN-Torben-Bremen

 

Torben Brinkema ist Diplom-Journalist und Geschäftsführer von Absolut Ausland. An der Hochschule Bremen hat er studiert, heute lebt und arbeitet er in Berlin.