Die Aufregung ist groß, die Verwirrung noch größer. Du hast Abitur, Weltreise und übel bezahlte Ferienjobs hinter dir. Du hast am Ende der Welt gegen wilde Kannibalen gekämpft und in Afrika die Welt gerettet, doch jetzt bist du plötzlich Student an der Universität Bremen und musst dich Herausforderungen wie Studienverlaufsplänen, Mensa-Essen und (per Mail) unerreichbaren Dozenten stellen. Das ist nicht immer leicht. Besonders als Studienanfänger – auch liebevoll Erstie genannt – irrt man oft durch die kafkaesken Korridore der Uni, auf der Suche nach Raum 5140B oder schlicht dem Klo – in der stillen Hoffnung, nicht plötzlich den magischen Wasserhahn zur Kammer des Schreckens zu finden. Damit ihr als Ersties im Biotop Uni nicht sofort verlorengeht, verhungert oder gar einen gefährlichen Basilisken trefft, haben wir von Lovebremen einen Survival-Guide für das sichere Überleben in der Uni zusammengestellt. Unsere Tipps für den perfekten Start in den Uni-Alltag.

Der Campus der Universität Bremen

Die gute Nachricht: Die Universität Bremen ist eine Campus-Uni. Das heißt, alles was ihr braucht, gibt es auf dem Campus. Institute, Hörsäle, Seminarräume, Essen, Toiletten oder einen guten Rat: Auf dem Campus sind die Wege kurz, ihr könnt zu Fuß alles erreichen. Es gibt sogar Hinweisschilder. Was es nicht immer gibt, sind Hinweise und Hilfestellungen, um den richtigen Raum zu finden. Wo wir auch schon bei der schlechten Nachricht sind.

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Der Ausschuss vom Studienfach Englisch veranstaltet zu Ehren der Ersties und den Irrwegen des Gebäudes eine Campus-Rallye durch das GW2.

Eines der größten Gebäude der Uni, das Geisteswissenschaften 2 (kurz GW2), bietet im Erdgeschoss nicht nur eine empfehlenswerte Mensa und ein leckeres Café, sondern auch ein exotisches Labyrinth wirrer Raum-Nummern, das manch Studenten an ein lebensbeneinendes Hogwarts der 80er Jahre erinnert. Wenigstens die Kammer des Schreckens blieb bis heute unauffindbar.

Grund für die wirre Architektur ist zum Teil die Gründungsgeschichte der Uni: In den revolutionären ersten Tagen der Uni – Anfang der 70er – waren abgeschlossene Räume nicht vorgesehen. Wissen sollte zirkulieren, Veranstaltungen nebeneinander stattfinden, die Grenzen zwischen Fächern aufgehoben werden. Doch die Zeiten wandelten sich, pragmatische Überlegungen überwiegten gegenüber ideologischen. Wände wurden hochgezogen, wo früher nie welche geplant waren. So entstand ein modernes Labyrinth, in dem selbst erfahrene Dozenten sich manchmal verirren.

Mein Survival-Tipp: Am Aufzug orientieren, der aus dem Erdgeschoss in alle Stockwerke führt (das tun die Treppenhäuser – wie in Hogwarts – nicht zuverlässig). Andere Gebäude, wie das moderne MZH (Mehrzweckhaus) oder das marode GW1, wirken zum Teil zwar nicht weniger kafkaesk, aber die Räume sind meiner Meinung nach einfacher zu finden. Doch trotz allem Genörgel: Die Uni ist schön, auf ihre unperfekte Art und Weise. Wuselnde Studenten und Dozenten, ein langer Boulevard von Sportturm bis Mensa und der Hauch einer eigenen kleinen Welt, die sich irgendwo hinter Riensberg und Bürgerpark auftut.

Überzeugt euch am Besten selbst: Wenn ihr das Spektakel mal von ganz oben sehen wollt, fahrt im MZH (das große Gebäude rechts neben der Glashalle) mit dem Aufzug einfach in den obersten Stock und blickt vom Balkon auf den Campus.

Die Sache mit akademischer Pünktlichkeit

In der Uni fangen viele Veranstaltungen pünktlich unpünktlich an. Beginnt eine Vorlesung nach Stundenplan um 12h, so beginnt sie eigentlich um viertel nach 12. Dieses Phänomen der akademischen Zeitverschiebung wird auch akademisches Viertel genannt. Abgekürzt werden die 15 Minuten oft mit „c. t.“ – eine Abkürzung, die dem lateinischen „cum tempore“ entstammt, was soviel wie „mit (zusätzlicher) Zeit“ bedeutet. Steht im Stundenplan jedoch „s. t.“, was für „sine tempore“ und damit „ohne (zusätzliche) Zeit“ steht, so beginnt die Vorlesung pünktlich pünktlich. Und ja, manchmal ist der Sprachduktus der Uni ganz schön bourgeois.

Von Pastinaken-Stampf und roter Grütze

In der Campus-Mensa der Universität Bremen gibt es täglich neue Menüs und Gerichte, teils zu sehr erfreulichen Preisen. Von bürgerlichem Kräuterbraten über Falafel-Teller bis hin zum traditionellem Weihnachtsessen mit Entenbrust, Rotkohl und Kroketten bietet die Mensa häufig Abwechslung und leckere Speisen, die häufig für drei Euro und weniger zu haben sind. Vor einigen Jahren wurde die Mensa sogar für ihre Küche ausgezeichnet. Manchmal schwebt noch immer der Hauch von ausgezeichnetem Essen durch die große Halle der Mensa. Genau so oft erinnern jedoch nur die ausgefallenen Namensbezeichnungen daran: Hinter einem „Mediterranem Zuccini-Ratatouille mit frischem Basilikum“ verbirgt sich oft eine Tomatensauce, die genauso mediterran schmeckt wie ein „Herbstlicher Eintopf“ mit Steckrüben. Dafür gibt es täglich vegetarisches Essen und eine Auswahl an leckeren Salaten und Suppen.

Wer der großen Mena ausweichen will, muss in der Regel den einen oder anderen Euro mehr bezahlen. Die Mensa im GW2 bietet jedoch auch täglich frische Küche zu fairen Preisen. Und wer bis zum Nachmittag was Warmes zwischen die Zähne bekommen möchte, kann sich an verschiedenen frittierten Köstlichkeiten im Café Zentral erfreuen: Dort gibt es lecker Currywurst, Pommes und Burger – sowohl vegetarisch als auch aus Tier. Zu finden am Ende des Boulevard, im Gebäude der Mensa.

Ansonsten kann man sich in der Glashalle bei Onkel Walter – dem hiesigen Pendant zu Tante Emma – von Frikadelle bis Mate fast jeden Traum einer fixen Snack-Pause erfüllen.

Ein Formular, die tickende Uhr und Du.

Jeder Student, der nach Bremen zieht, muss sich per Gesetz binnen zwei Wochen beim Stadtamt melden. Zum Glück gibt es direkt auf dem Campus das bsu – ein kleines Stadtamt, ausgelegt auf die Bedürfnisse von Studenten, wissenschaftlichen Mitarbeitern und allen Anderen, die mit der Uni zu tun haben. Wenn ihr euch im bsu in der Stadt Bremen melden wollt, hier mein Tipp: Nehmt Zeit mit. Viel Zeit. Vor Allem im Oktober. Reiht euch am Besten eine Stunde vor Öffnungszeit brav in die Warteschlange. Und bekommt dann lecker 150 Euro als Begrüßungsgeld, wenn ihr euren Erstwohnsitz erstmals nach Bremen umlegt.

lovebremen-blog-magazin-campus-uni-bremen-1Die Mär von wichtigen Literaturempfehlungen

Einst sagte ein kluger Mann: „Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn wir vergessen, was wir gelernt haben.“ Wenn ihr am Ende mancher Vorlesung die Powerpoint-Folien-langen Literaturempfehlungen seht, erinnert euch einfach daran, warum ihr das Studium eigentlich macht. Mit Sicherheit nicht für eure Dozenten. Also: Seid fleißig und brennt, aber nehmt nicht jede Empfehlung jedes Dozenten bierernst. Dann Ende des Tages lieber mit Kommilitonen ein ernstes Bier trinken. Oder zwei, nicht ganz so ernst.

Suff is in the air: Studenten-Partys und lange Nächte

Es ist Abend in einer Eckkneipe im Viertel, mittlerweile bist du beim vierten Bier angelangt. Du fühlst dich gebildet nach deinem ersten Tag in der Uni, auch wenn du das, was du heute gelernt hast, im Rausch des Alkohols wieder vergessen hast. Aber es zählt ja das, was übrig bleibt, denkst du dir, während du den letzten Schluck Bier im Glas betrachtest. Doch wohin jetzt? Als Student willst du endlich auch das wilde Leben kennenlernen. Die gute Nachricht: Das Bremer Nachtleben öffnet dir dafür weit die Pforten.

Besonders in den ersten Wochen des Semesters ist das Viertel – wie Bremer das Gebiet von Ostertorviertel und Steintorviertel nennen – ein perfekter Ort, um neue Leute kennenzulernen oder elegant abzustürzen. Jeden Donnerstagabend gibt es zum Beispiel in der Lila Eule die Studentennacht, wo du zu Rock, Indie, allem Möglichem und Charts die Vibes der vielleicht ältesten Studenten-Absteige Bremens spürst. Oder du verirrst dich in einer der unzähligen Kneipen, Straßenecken und Bars des Viertels – für Studenten immer eine gute Idee, finde ich.

Abseits des Viertels kann man jeden Dienstagabend im Tower die Studentennacht bei Rock und Charts genießen, jeden Freitagabend bei Hemd und Charts im La Viva. Wer die flirty Erstie-Stimmung nicht zwischen zwei Vorlesungen oder in der Cafeteria vom GW2 erfährt, der bekommt sie auf jeden Fall auf einer der unzähligen Erstie-Party zu spüren.

Du siehst: So lang der Korridor zum Stein der Weisen ist, so viele Türen gibt es unterwegs, die sich als Student zu öffnen lohnen. Denn wie ein anderer kluger Mann einst sagte: „Würde sich der Mensch niemals irren, er fände nichts.“ In dem Sinne: Viel Erfolg beim Verirren! Es lohnt sich.