Als ich von SUP-Yoga gehört habe dachte ich sofort: Super, das möchte ich unbedingt mal ausprobieren. Im nächsten Moment schlich sich die Erinnerung an meine letzte Begegnung mit einem Surfbrett in meine Gedanken: Klassenfahrt an die Ostsee, Windsurfen. Ich lag mehr im Wasser, als dass ich auf dem Brett stand… Egal, entschied ich, ich werde mich der wackeligen Herausforderung stellen.

Fragt ihr euch, wovon ich eigentlich rede und was dieses SUP-Yoga ist? SUP-Yoga (oder auch Stand-up-Paddle-Yoga) ist Yoga auf einem Surfbrett. Und zwar auf keinem „normalen“ Surfbrett, sondern auf einem aufblasbaren Board, das dicke, runde Kanten hat und dadurch auf dem Wasser mehr Stabilität bietet. SUP-Yoga ist eine besondere Herausforderung, bei der man schnell seine Grenzen spürt: Die Muskeln sind permanent gefordert und das Gleichgewicht muss stets ausbalanciert werden. Gleichzeitig bringt das sanfte Schaukeln des Brettes und die beruhigende Wirkung des Wassers eine ganz neue Erfahrung in die Yogapraxis. Ein optimales Training für Balance und Atmung (Pranayama). Für die Yogapraxis auf dem Wasser benötigt ihr außer Badeklamotten keine besondere Ausrüstung. Das Board ist die Yogamatte. Falls ihr, wie ich, keinen Badeanzug besitzt oder euch im Bikini nicht ganz wohl fühlt, tut es auch der improvisierte Badeanzug aus HotPants und Trägershirt.

Die Bremer Bäder bieten seit Ende des letzten Jahres SUP-Yoga im OTeBad an. Die Kurse werden von zwei freien Yogalehrerinnen geleitet. Felicitas Scheel macht die Stunde am Mittwochmorgen, ich testete die Abendstunde bei Susanne Tuppeck.

So sieht eine SUP-Yogastunde aus

Die Stunde findet in einer kleinen Schwimmhalle (Nichtschwimmer-Tiefe) statt, die vom restlichen Badegeschehen abgetrennt ist und eine ruhige Atmosphäre bietet. Die mukkelige Raumtemperatur verrät mir schon beim Betreten der Halle, dass ich auf keinen Fall frieren und mich eher über eine Abkühlung im Wasser freuen werde. Die Boards bekommen noch ein bisschen Luft, „Haiflosse“ dran – und dann ab ins Wasser damit. Mein erstes Anfreunden mit dem Board: raufklettern, sitzen und dann laaaaaangsam aufstehen. „Geschafft!“ Jetzt nur noch stehen bleiben. Muskeln anspannen, aber gleichzeitig nicht verkrampfen. „Und darauf soll ich von einer Asana in die nächste fließen?“ In meiner Vorstellung noch unmöglich.

Als alle Teilnehmerinnen auf ihrem Board sind, starten wir in entspannter Rückenlage. Beine hüftweit auseinander, Füße fallen nach außen, Arme mit etwas Abstand zum Körper. Alle Muskeln von den Zehen bis zum Kopf werden nacheinander ein paar Atemzüge ganz fest angespannt, Zitronengesicht und dann alles entspannen. Einen ruhigen, tiefen Atem finden und dann in den aufrechten Sitz (Dandasana, Stockhaltung). Es folgen ein paar Übungen zur Kräftigung der Oberschenkel und Bauchmuskeln: Rücken gerade lassen, abwechselnd das rechte Bein anheben, dann das linke. Nach einer Runde den Oberkörper weiter nach hinten absenken. Nach einigen Wiederholungen alles langsam rückwärts, bis wir wieder gerade sitzen.

Aus dem Sitzen nach vorne auf das Board kommen, in den kraftvollen Stand und dann ein paar Sonnengrüße zum Aufwärmen: Einatmen, ausatmen, Hände vors Herz. Einatmen, Berghaltung (nach hinten neigen), Rücken gerade und nach vorne in die tiefe Vorbeuge, mit dem rechten Bein nach hinten in den Sprinter (Ausfallschritt, Rücken lang & gerade), Brettstellung, Knie-Brust-Stirn, Kobra, über das Brett in den herabschauenden Hund (Adho Mukha Svanasana), mit rechts nach vorne in den Sprinter, in die tiefe Vorbeuge, halbe Tischposition und mit geradem Rücken nach oben, zurück in die Berghaltung. Ausatmen, Hände vors Herz. Und einmal alles mit links.

Die Temperaturen in der Halle und die Sonnengrüße (obwohl sie sehr langsam sind) heizen ordentlich ein und meine Brille möchte nicht länger auf meiner Nase sitzen bleiben. Kurze Pause und Brillenrettung. Danach folgen weitere Durchgänge, in denen wir in verschiedenen Asanas länger verweilen und die Muskeln stärken und dehnen. Zuerst bleiben wir in der Planke/Brettstellung (chaturanga dandasana): Kraftvoll geerdet, Energie zur Mitte ziehen, sanft nach unten schweben und mit angewinkelten Ellbogen auf halbem Weg für zwei Atemzüge halten. „Das gibt ordentlich Trizeps-Mukkis.“ Danach geht’s an die Dehnung der Hüftbeuger (Chandrasana): Im Sprinter (Ausfallschritt) legen wir das hintere Knie ab und drücken die Hüfte nach vorne. Zum Schluss kommen wir aus dem Sprinter nach vorne und bleiben einige Atemzüge im Stuhl/Blitz: Beine kraftvoll gebeugt, Bauch anspannen, Becken nach vorne kippen (kein Hohlkreuz!), Schulterblätter zusammen, Brustkorb öffnen und Arme neben den Ohren strecken.

Während des Sonnengrußes bin ich so auf die Haltungen und mein Gleichgewicht konzentriert, dass ich sogar zwischendurch vergessen habe, dass ich auf dem wackeligen Brett stehe. (Auch hier alles nur wieder Kopfsache!) Dann geht es wieder nach unten, vom Sitzen ins Liegen und Beine hoch in den Schulterstand (Sarvangasana) „Achtung! Weit genug vorne liegen, weil es vom Schulterstand in den Pflug (Halasana) geht und die gestreckten Beine hinter dem Kopf abgesetzt werden. Wenn man daneben tritt, kann man schon mal vom Brett kippen.“

Aus dem Pflug Hände flach nach unten aufs Board, unter den Po und Beine gerade nach vorne abgelegen, in den Fisch (Matsyasana): Auf die Unterarme stützen, Oberkörper anheben, Herz und Kehle öffnen und Kopf nach hinten leicht ablegen. Einige Atemzüge halten und dann in die Gegenbewegung: sitzende Vorwärtsbeuge, um den Rücken zu strecken. In den Tisch (Purvottanasana): Hände etwa eine Handbreit hinter dem Gesäß, Fußsohlen flach aufsetzen, Becken und Beine vom Boden abheben. Von da kurze Bauchentspannungslage. Kobra. Danach in den Bogen (Dhanurasana) und zurück in die Kindeshaltung. Aufrichten ins Sitzen: Drehsitz (Marichyasana), mit einem ausgestreckten oder angewinkelten Bein. Nochmal ins Stehen. Diesmal seitlich auf dem Board, was um einiges wackeliger ist. Beine weit gegrätscht, sicheren Stand finden, Po anspannen und dann erst zur rechten, danach zur linken Seite dehnen. (Sobald sich der Kopf einschaltet, wird es wackelig.) Zurück auf den Rücken, lang aufs Brett: Endhaltung (Shavasana). Einfach nur daliegen, entspannen, Wärme, Wasserplätschern und das leichte Schaukeln des Brettes.

Mein Fazit

Es war warm, anstrengend und hat viel Spaß gemacht. Ich hätte nie gedacht, dass ich trotz des Geschaukels und der kleinen Stimme im Kopf „Ah, ich falle runter“ so gut Abschalten kann und ganz bei mir bin. Ein paar Yogastunden solltet ihr schon vorher gemacht haben, damit ihr wisst, von welcher Haltung die Rede ist und ihr euch voll und ganz auf die Körperspannung und Stabilität auf dem Brett konzentrieren könnt. Die Stunde vergeht leider viel zu schnell. Und es ist nochmal eine ganz andere Erfahrung der Yogapraxis. Abkühlung könnt ihr euch jederzeit holen, Arme oder Beine ins Wasser halten oder einfach ganz rein springen. An alle Yogis und Yoginis: unbedingt mal ausprobieren!

Die zweite Staffel (27.03. – 20.06.) hat schon begonnen, aber ihr könnt jederzeit mit einem Einzelticket an einer Stunde teilnehmen. Alle Infos zu den Kursen findet ihr hier.

 

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