Irgendein Abend vor einigen Wochen: Mein Daumen schubst mal wieder in gewohnter Weise Instagram-Fotos über das Display meines Smartphones. Altbremer Häuser, hmm… Selfies am Strand, huii… neuerworbene Flohmarktschätzchen, soso… krabbelnde Babybeine, süß… Männer, die ehrenamtlich Tier füttern… äh, Moment mal, was? Ehrenamtliches Tierefüttern? Ich schaue auf den Geotag, den Bastian seinem Foto hinzugefügt hat: Kinder- und Jugendfarm Bremen.

Irgendein Sonntag kurze Zeit später: Dieses Mal sind es Zeige- und Mittelfinger, die mein Trackpad streicheln und damit die Facebook-Timeline über das Notebook flimmern lassen. Ein paar reißerische Schlagzeilen, ein paar provokante Statusmeldungen, eine fast in Vergessenheit geratene Veranstaltungsinfo und plötzlich: noch ein tierisches Foto. Wieder von einem Mann, Andreas nämlich. Wieder von einer Farm: der Stadtteilfarm Borgfeld. Wieder Fütterdienst.

Wächst da etwa ein Trend heran: Bremer, die auf Ziegen starren und dabei Gutes tun? Ist das, was früher der Umzug aufs Land war, heute der Ausflug auf eine Stadtteilfarm? Ich hab bei Bastian mal nachgehorcht.

BASTIAN // füttert auf der Kinder- und Jugendfarm Bremen

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„Es ist die perfekte Art, abzuschalten. Für ein, zwei Stunden ist man weit weg vom Alltag.“ Wenn Bastian Bullwinkel über das spricht, was er meist zwei- bis dreimal im Monat am Wochenende tut, dann möchte man auch sofort auf der Kinder- und Jugendfarm in Bremen-Habenhausen anrufen und ehrenamtliche Hilfe anbieten. Rund 60 tatkräftige Helfer, denen es nicht ums Geld, sondern um die gute Tat und den Kontakt zu Tieren geht, tun das bereits. Die einen unterstützen bei den Bienen, andere backen unter der Woche, wieder andere füllen die Landwirtschaftsgruppe mit Leben. Bastian gehört zu denen, die am Wochenende die Tierfütterungen übernehmen.

Tierisches Ehrenamt statt hartgekochtes Frühstücksei

Seit Oktober schält er sich samstags oder sonntags früher als viele andere von uns aus dem Bett bzw. verzichtet auf Fußballspiele oder einen gemütlichen Familienkaffeekltasch, um auf der Farm in Habenhausen Ziegen, Schafe, Hängebauschschweine oder auch Hamster vor einem knurrenden Magen zu bewahren. Wie kam´s dazu, möchte ich wissen. „Ach, ich habe eigentlich schon immer gern etwas Ehrenamtliches getan“, erzählt er mir. „Während meines Studiums in Bremen habe ich bei der Inneren Mission in der Kleiderkammer und bei der Zeitschrift der Straße ausgeholfen. Als ich anschließend in Hamburg wohnte, war ich unentgeldlich in einer Suppenküche tätig. 2016 bin ich dann zurück nach Bremen gekommen und hatte Lust, wieder einen Teil meiner Freizeit  für die gute Sache zu nutzen, aber es sollte etwas ganz anderes sein als bislang. Ich habe in der Freiwilligenbörse gestöbert und bin darüber bei den Tieren gelandet.“ Es klingt eine unumstößliche, bewundernswerte Selbstverständlichkeit durch seine Aufzählung. Für den 31jährige ist es keine große Sache, was er tut – vermutlich auch, weil sie ihm ordentlich Spaß macht.

Aber wie könnte es auch keinen Spaß machen, eine Institution zu unterstützen, die mitten im urbanen Leben einen naturverbundenen Erholungsort schafft, der für alle Altersgruppen, aber vor allem für Kinder, wohltuend ist? An die 100 Tiere tummeln sich auf der Kinder- und Jugendfarm: Hühner, Enten, Gänse, Kaninchen, Meerschweinchen, Hängebauchschweine, Ziegen, Schafe, Esel, Ponys, Pferde…  Hier werden Kindern- und Jugendlichen Frei- und Erlebnisräume geboten, in denen sich die Themen Natur und Umwelt authentisch vermitteln lassen. Dass ein solches Landidyll weit weg von Spielekonsolen und Plastikspielzeug die Kreativität und Phantasie fördert, versteht sich von selbst.

Pate werden – vielleicht für ein Hängebauchschwein?

Wie glücklich können sich die Kinder schätzen, die einen Platz im farmeigenen Kindergarten, Hort oder Spielkreis bekommen haben. Ein Abenteuerspielplatz mit Tieren – welcher Zwerg träumt nicht davon? Aber auch Familien wie meine, die leider zu weit entfernt sind, als dass eine permanente Betreuung in Habenhausen sinnvoll wäre, haben eine tolle Möglichkeit, am Landidyll teilzuhaben: Man kann Tierpatenschaften übernehmen und das jeweilige Tier dann natürlich immer wieder besuchen. Die „eigene“ Gans gibt es für 75 Euro im Jahr, ein Hängebauchschwein für 200 Euro oder ein Pony für 1.250 Euro (für Ponys gäbe es auch Teilpatenschaften).

Helping hands? Gerne!

Zwischen einer und eineinhalb Stunden ist Bastian bei seiner Fütterrunde unterwegs. Die genauen Termine regelt ein „Dienst“plan, auf dem sich die Ehrenamtlichen ein paar Wochen im Voraus eintragen. Ob noch helfende Hände gebraucht werden, frage ich Bastian. „Ja, durchaus. Wer Lust  hat, Teil des Wochenendfütterungs-Teams zu werden, kann sich per Mail bei der Farm (info@jugendfarm-bremen.de) melden. Die Interessierten werden dann zur nächsten Einführung eingeladen.“

Falls Ihr also auf Eurer Liste mit guten Vorsätzen für 2017 „Etwas für andere tun“ stehen habt, dann heuert doch auf der Kinder- und Jugendfarm an. So viel Landluft mitten in der Stadt zusätzlich zu einem guten Gefühl bekommt ihr woanders nicht so einfach!