Wie schön, dass man in Bremen die meisten Wege zu Fuß zurücklegen kann. Denn: Pro Tag werden im Bundesland Bremen 16 Fahrräder gestohlen. Wenn ich das jetzt auf die Einwohnerzahl von 550.000 hochrechne, komme ich auf 1 Prozent aller Einwohner, die pro Jahr zu den Gelackmeierten gehören. Das ist wenig. Vor allem für die gefühlte Statistik: Mir wurden in Bremen bereits vier Räder gestohlen. Wohlgemerkt: Alle angeschlossen, zwei davon mit der Crème de la crème aus der Schlösserproduktpalette. Das meines Sohnes (großes Pfui: Kindersachen klauen ist das Letzte!) mit eingerechnet. Damit gehöre ich wohl eindeutig zu den Fahrradbesitzern, die Murphy’s Gesetz extremen Wahrheitsgehalt verleihen.

Die Bremer Polizei hat seit 2004 eine spezielle Ermittlungsgruppe („EG24“) eingerichtet, die sich aktiv um diese Delikte kümmert. Zitat der Polizei-Website:

Die Beamten führen Ermittlungen durch, kontrollieren u.a. auch auf Flohmärkten und „Hinterhofwerkstätten“, überprüfen den Kleinanzeigenmarkt, sammeln Informationen und werten diese aus (z.B. bezüglich Tatorten und –Zeiten sowie Tätern und Absatzwegen).

Das klingt ja erstmal sehr umtriebig. Fakt ist jedoch, dass Bremen in der landesweiten Statistik bei der Diebstahl- sowie Aufklärungsquote ziemlicher Spitzenreiter, respektive Schlusslicht ist. Dazu eine kleine Anekdote, als mein Sohn und ich vor einem Jahr sein gestohlenes Rad bei einer Dienststelle melden wollten. Es war 16:45 Uhr. Die Dienststelle ist werktags bis 17 Uhr geöffnet. Der anscheinend einzige Beamte vor Ort öffnete uns die Tür und fragte uns noch vor dieser, was unser Anliegen sei. Ach, Fahrrad weg? Ja. Nee. Also, das jetzt aufzunehmen, das dauert schon so fast ne halbe Stunde, und gleich sei ja Feierabend hier. Da sollten wir doch bitte morgen Vormittag wiederkommen. Dass der Sohn enttäuscht war, weil er vormittags in der Schule sitzt und so gerne einmal mit echten Polizisten geredet hätte, damit die sein Fahrrad wiederfinden, brauche ich nicht hinzuzufügen.

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Diese nicht gerade serviceorientierte Erfahrung ließ mich dann den letzten Diebstahl auch gar nicht mehr zur Anzeige bringen. (Was natürlich auch nicht gut ist, aber immerhin die Statistik aufbessert.) Wer Interesse an diesem Schrotthaufen von Rad hatte, ist mir komplett schleierhaft. Null verkehrssicher, eine ständig abspringende Kette – dieses Rad, so war ich mir sicher – ist unstehlbar. Als ich einige Tage später im Gebrauchtradladen „Gianellis Garage“ in der St. Jürgen-Straße ein neues Gebrauchtes (bereits registriert) erstand (ähnlich unklauenswert phänotypisch), traf ich eine ältere Dame und wir kamen beim Warten ins Schnacken. Ja, also sie kenne einige Freundinnen, denen das Rad gestohlen worden sei. Ach, das sei schon mein vierter Radverlust? Na, da wisse sie, woran das läge: Ich zöge das an. So universell, spirituell. Ich hätte eine stillschweigende Verbindung zu meinen Rädern und dem Kosmos, dass diese mir abhanden kommen MÜSSEN. Fast hätte ich zum Abschied Ommm gesagt.

Vorteil beim zu Fuß Gehen ist, dass man nicht in den Straßenbahnschienen verunfallt (gefühlte Beobachtungsstatistik: mindestens zwei Radler pro Tag) und viel mehr Leute trifft unterwegs. Und die BSAG verdient auch noch dran. Insofern profitiert Bremen also schon davon – auf eine murphyeske Weise…