Beim Gedanken an Poledance huscht vielen gleich ein Bild von leicht bekleideten Damen, Striptease und Rotlichtmilieu durch den Kopf. Bei uns war das bis vor Kurzem auch so – doch dann habe ich mich gemeinsam mit Claudia selbst sportlich an der Stange ausgetobt. Und siehe da: der Nischensport, der heutzutage in den (Fitness)studios angeboten wird, hat so gar nichts mit laszivem Räkeln an der Stange gemein. Poledance ist eine Kombination aus Flexibilität, Stärke, Tanz und Akrobatik. Und damit ein ästhetischer und höchst anspruchsvoller Sport, der dem Körper viel Kraft und Beweglichkeit abverlangt und auch bei Männern nicht weiblich aussehen muss. Glaubt Ihr nicht? Dann schaut Euch mal die Videos der PoleSports-Meisterschaften hier oder hier an.

Poledance als Freizeitsportart erfreut sich mittlerweile einer großen Beliebtheit und auch in Bremen wird das Angebot positiv angenommen. Das Fitnesskonzept PoleSports wurde 2009 von Alexandra Gaßner gegründet und im selben Jahr erstmals als Pole Dance/Pole Fitness Unterricht in Bremen angeboten. Auch wir wollen uns der Herausforderung stellen und einmal an die Stange hüpfen (leichter gesagt als getan!) und melden uns für ein Probetraining an.

Die Vorbereitung auf das Training bedeutet für uns erstmal, auf die Jagd nach geeigneter Kleidung zu gehen, da sich Hotpants und kurze Oberteile nicht in unserem Kleiderschrank und Sportsortiment tummeln. Auf den letzten Drücker waren wir mit knapper Kleidung ausgestattet, haben zwei Stunden vor dem Training nichts mehr gegessen und das letzten Mal einen Tag vorher Bodylotion benutzt – für einen sicheren Halt an der Stange ist viel Hautkontakt notwendig.

Und so stehen wir dann am Samstag in unseren Hotpants zwischen der Trainerin, Sharlin Krys und sechs weiteren Mädels (Trainingslevel 1–3) und staunen schon beim Aufwärmen nicht schlecht, als die meisten in den Spagat rutschen. Nach dem Warm-Up gibt es für die Mädels freies Training und für uns eine Einführung in die ersten Übungen: eine einfache Vorwärtsdrehung um die Stange. Die rechte Hand nach oben, mit ihr die Stange umfassen, um die Stange rumgehen, aus dem Gehen Schwung holen, mit der linken Hand ebenfalls die Stange umfassen, mit der rechten Kniekehle an die Stange klemmen und dann drehen – autsch! „Und nicht vergessen, Becken nach vorne drücken und Füße zusammen.“ Froschhaltung. Das Ganze geht auch rückwärts. Und sogar etwas einfacher. Die nächste Übung: die Stange hochklettern. Unterarm im rechten Winkel fest an die Stange drücken, rechten Unterschenkel um die Stange wickeln – aua Schienbein – mit dem linken Arm weiter oben festhalten, linkes Bein vorne um die Stange schlingen und dann nach oben ziehen… ähem, wie bekomm ich jetzt die Beine weiter hinterher???

Während wir mit den ersten Übungen, schwitzig-rutschigen Händen, ungewohnten Haltungen, roter heißer Haut und spürbar ersten blauen Flecken schon leicht überfordert sind, machen die anderen um uns herum grazil ihre Figuren an der Stange: kopfüber, vertikal, waagerecht – alles sieht so spielerisch aus. Da können wir am Ende einfach nur noch staunend daneben stehen und haben euch die tollen Posen mit der Kamera eingefangen. Zum Abschluss des Trainings gibt es für alle noch eine Runde Dehnung der beanspruchten Muskeln. (Was aber den Muskelkater am nächsten Morgen nicht verhindert ;-))

Wie bei den meisten Sportarten gilt auch hier: von nix kommt nix. Ohne Übung keine Fortschritte! Einmal die Woche reicht das Training nicht aus, um weiter zu kommen. Zur Unterstützung neben den Kursen ist zusätzlich Krafttraining und Dehnen angesagt. Kaum zu glauben, aber laut Aussage der Mädels hat dieser Sport Suchtpotenzial!

Unser Fazit:
Ihr braucht keinen perfekt durchtrainierten Körper, denn ihr kommt irgendwann automatisch dazu. Was ihr benötigt, ist Lust auf Bewegung, Motivation, Selbstdisziplin und eine Portion Ehrgeiz, um an diesem Sport Spaß zu haben. Grundsätzlich kann sich jeder in Poledance versuchen. Eine Grundfitness und gute Körperbeherrschung ist vorteilhaft, aber das kann eine untrainierte Person auch erreichen. Auch was das Alter betrifft, gibt es keine Einschränkung. Manchmal machen ältere Damen den jüngeren noch etwas vor! Blaue Flecken, Muskelkater und Schmerzen muss man am Anfang allerdings weg stecken können.

Seid ihr jetzt neugierig geworden und habt auch Lust, euch an die Stange zu schwingen? Dann probiert doch einfach mal einen Anfänger-Intensiv-Workshop aus, den PoleSports einmal monatlich anbietet. Der Kurs dauert zwei Stunden und beinhaltet Mobilisations-, Kraft- und Stretchingübungen und natürlich Poledance Technik und Choreographie aus dem Einsteigerlevel. Nach diesem Kurs wisst ihr, ob ihr PoleSports weiter betreiben möchtet.

Wir werden auf jeden Fall nochmal an einem Workshop teilnehmen. Und wer weiß, vielleicht ergreift uns auch noch die Sucht…?