31. Juli 2016: Lena strahlt mir verschwitzt und überglücklich aus meiner Facebook-Timeline entgegen. „Es ist vollbracht. Das tollste Gefühl überhaupt. Mit Freudentränen ins Ziel“ steht über dem Foto. Wahnsinn, denke ich so bei mir. Hat sie es echt durchgezogen.

Ein Jahr zuvor: Lena strahlt mir gut frisiert und fröhlich über unseren Besprechungstisch hinweg an. „Mein lieber Scholli, die geht aber unerschrocken voran“ denke ich so bei mir. „Ganz schön selbstbewusst und quirlig für eine Bewerberin.“ Ein bisschen vorlaut ist sie fast schon, aber das, was sie sagt, ist konstruktiv und anpackend. Genau was ich in diesem Moment suche: Jemanden, der mich bei meinen beruflichen Projekten in den letzten Monaten meiner Schwangerschaft nicht kleinlaut mit Fragen überschüttet, sondern eigeninitiativ nach Antworten sucht. Ich mache Nägel mit Köpfen. „Du hast den Job.“

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Lena beginnt in dieser Zeit aber nicht nur einen neuen studentischen Nebenjob, die damals 22-jährige startet auch ihre persönliche Sport-Mission. „Ich fange gerade mit meinem Training für den Triathlon an.“ Triathlon? Wohooo! Ich sinniere über meine aktuelle Bewegungsstatistik und tröste mich damit, dass eine Schwangerschaft die beste Ausrede dafür ist, neben Yoga nichts anderes zu machen.

Ferner frage ich mich, welche der drei Sportarten mir wohl am wenigsten liegen würde. Eindeutige Antwort: Schwimmen. Lena geht´s ähnlich. Und genau deshalb packt sie diese Disziplin im Oktober erst recht umfassend an. Jeden Dienstag, wenn sie mein Büro verlässt, packt sie zuhause ihre Schwimmsachen und düst ins OTeBad zum Training der Triathlöwen Bremen. Zu einer Zeit, wo ich derzeit lieber in die Jogginghose steige. Allerdings nicht, um laufen zu gehen…

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Dass sie es tatsächlich tut – ins Nass springen und an ihrer Kraultechnik arbeiten – kann ich bei Instagram verfolgen. „Durchhalten ist alles“ – aus Lenas Motto ist inzwischen nämlich der Name eines Blogs, einer Facebook-Seite und eines Instagram-Accounts geworden. Ein Trick, um sich selbst dem öffentlichen Druck auszusetzen, nicht aufzugeben? Ein Weg, sich mit anderen motivierend auszutauschen? Ein Tagebuch, das sie später ihren Kindern als digitalen Beweis unter die Nase halten kann? Von allem ein bisschen, nehme ich an.

Ein professionelles Rennrad und chice Laufschuhe sind außerdem bei der Schwachhausenerin eingezogen. Die H&M-Basic-Shirts wandern im Kleiderschrank nach hinten, die Schublade mit den High-Tech-Sportklamotten erhält hingegen regelmäßig Nachschub. Die ersten Unternehmen schicken Testprodukte, aus einem bunten Alltagsaccount bei Instagram wird ein reiner Sportkanal. Tagsüber Uni oder Büroalltag bei mir, in der freien Zeit Training, Training, Training. Lena zieht´s durch. Und mein Respekt wächst und wächst.

 

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Es wird Dezember, mein Bauch ist nicht mehr zu übersehen, und sowohl Lena als auch ich schließen fürs Erste die Bürotür, um uns 2016 anderen Dingen zu widmen; Sie ihrer Masterarbeit, ich meinem Familienzuwachs. Beides wächst und gedeiht in den nächsten Monaten prächtig. Während ich im Rückbildungskurs versuche, meine Muskeln überhaupt mal wieder zu spüren, ist Lena in Topform. Und meldet sich für den 23. swb-Silbersee-Triathlon Ende Juli an.

Trainiert weiter.

Legt sogar eine Trainingswoche in St. Peter-Ording ein.

Und wird kurz vor ihrem ersten Triathlon von mir angerufen, ob sie spontan einen Job für die Jugendherberge in Winterberg übernehmen könnte. Spontanität ist nämlich Lenas zweiter Vorname, wie ich aus unserer gemeinsamen Zeit in meinem Büro weiß. Der DJH-Einsatz ist am letzten Juli-Wochenende – wie der Triathlon. Das weiß ich in diesem Moment allerdings nicht. Lena sagt sofort für Freitag und Samstag zu, ohne mir ein Sterbenswörtchen zu verraten, dass am Sonntag der große Tag ist. Coolness overload!

Am 30. Juli hängt sie also gemeinsam mit Gästen der Jugendherberge todesmutig in einem Steinbruch und kraxelt über Schluchten. Interessante Methode, Anspannung loszuwerden: einfach anderweitig für Nervenkitzel sorgen. Spät abends kehrt sie nach Bremen zurück.

Am nächsten Tag dann der riesen Erfolg: Lena läuft am Silbersee in Stuhr durchs Ziel. Wie viele Glückshormone ihr an diesem Tag durch die Blutbahnen und welche Gedanken ihr durch den Kopf schießen, ist auch für sie schwer zu beschreiben. Sie tut es dennoch auf ihrem Blog. Vielleicht geht es Euch nach dem Lesen des Artikels wie mir: Man will so einen Rausch auch erleben und am liebsten gleich im Sportgeschäft seines Vertrauens nach einer professionellen Ausrüstung schauen. In jedem Fall freut man sich mit dem sportlichen, stets gut gelaunten Blondschopf, dass ein Jahr voller Schweiß und besiegter Schweinehunde so phänomenal endet.

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Morgen startet Lena beim GEWOBA-City-Triathlon in der Überseestadt. Mit an ihrer Seite: ihre ehemalige Dozentin Michaela Treppmann, die ihre Studentin Lena mit dem Triathlon-Virus 2015 infizierte. Weiter geht´s dann am 3. September in Köln beim Carglass Cologne Triathlon – aus alter Heimatverbundenheit.

Pläne fürs kommende Jahr gibt es auch: nach der Sprint-Distanz in diesem Jahr („Volkstriathlon“) möchte Lena die olympische Distanz (1,5 km schwimmen, 40 km Rad und 10 km laufen) schaffen. Und ihr langfristiger Traum? „Mitteldistanz starten: 1,9 km schwimmen, 90 km Rad und 21 km laufen. Aber dafür gibt es noch kein Zieldatum.“ So wie ich Lena kenne, passiert das aber schneller als mein Lütter überhaupt Fahrradfahren kann…

Wer Lena morgen in der Überseestadt anfeuern möchte, sollte um 14.35 Uhr vor Ort sein. Sie startet mit der Nummer 472. Meine Daumen sind kräftig gedrückt!