Manche von Euch kennen das: Eigentlich möchte man sich ehrenamtlich einbringen, für Flüchtlinge engagieren, Obdachlosen helfen oder sich anderswie mehr Zeit nehmen für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Doch an der Zeit scheitert es meistens (oder daran, dass man sie sich freischaufeln muss), und dann ist wieder ein Jahr um und man blickt an Silvester in den feuerwerksfunkelnden Nachthimmel und denkt sich: Morgen mach ich’s besser. Und aus morgen wird morgen wird morgen wird nie.

Auch Jens Stangenberg kennt dieses Gefühl, von früher. Doch dann hat der 51-Jährige sein Leben gescannt, hat es gedreht und gewendet und überlegt, was eigentlich fehlt – neben der Tatsache, dass seine beiden Kinder aus dem Haus sind. Das war 2009, und dieser „Lebensscan“, wie er es nennt, hat vieles verändert. Für ihn, aber auch für Bremen: Durch seine Initiative ist Serve the City an die Weser gekommen. Seit 2011 engagieren sich dabei Ehrenamtliche in Kurzzeitprojekten – und präsentieren die Stadt Bremen von ihrer herzlichen Seite. Am Freitag, 15. April, startet die neuntägige Aktionswoche zum sechsten Mal.

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Helfen ohne Verpflichtung

Das Prinzip ist einfach: neun Tage lang krempeln die Bremer die Ärmel hoch, nehmen Pinsel zur Hand oder Hammer und Nägel, spielen Fußball mit Flüchtlingen oder bringen ihnen die deutsche Sprache bei, spielen Gitarre im Seniorenheim oder bringen Grünflächen in den Stadtteilen auf Vordermann. Kurzum: sie tun Gutes. „Uns geht es darum, durch gemeinsames Tun soziale Barrieren zu überwinden und Begegnungen zu schaffen“, sagt Stangenberg. Mitmachen können dabei alle, die dazu Lust haben – unabhängig von Alter, Herkunft und Religion.

Das ganze Jahr über planen Stangenberg und sein Team die neuntägige Projektwoche. Sprechen Projektleiter an, sammeln Spenden, gestalten Flyer und organisieren schließlich die Aktionen. Von denen gab es mittlerweile mehr als 250 an der Zahl in Bremen, bei denen sich über 800 Leute engagiert haben. Und so manches Projekt, das eigentlich nur für kurze Zeit angelegt war, ist mittlerweile zum regelmäßigen Angebot geworden – wie etwa die Initiative Fahrräder für Flüchtlinge.

Serve the City: Weltweite Aktion

Ihren Ursprung hat die Idee in Brüssel: Dort wurde die Aktion vor 2005 von einem amerikanischen Pastor und 74 Freiwilligen gestartet. Mittlerweile findet Serve the City weltweit in mehr als 100 Städten statt, unter anderem in Lissabon, Madrid, Paris, Dublin. Alle Projekte haben zum Ziel, Menschen zum kurzzeitigen Ehrenamt zu motivieren. In Deutschland war Bremen die erste Stadt, die mit Serve the City begonnen hat.

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Bereits mehr als 120 Freiwillige

Dass es an der Weser viele hilfsbereite Menschen gibt, zeigen auch die Nachfrage in diesem Jahr. Viele Projekte sind bereits vollbesetzt, mehr als 120 Freiwillige haben sich schon für eine oder mehrere Aktionen eingetragen. Viele kennen die Initiative bereits aus den vergangenen Jahren. „Jeder zweite Teilnehmer war schon einmal dabei“, freut sich Stangenberg. Serve the City dient dabei nur als Rahmen: Hier laufen alle Projekte zusammen. Jede Hilfsaktion jedoch hat einen eigenen Träger – wie etwa die Freiwilligenagentur Bremen oder die Flüchtlingshilfe Bremen – und ein Team, das sich um sie kümmert. 60 Einrichtungen waren in den vergangenen fünf Jahren bereits Teil der Aktionswoche. Jede ihrer Aktionen wird auch dokumentarisch begleitet: Teams filmen und fotografieren, Stangenberg selbst sitzt in diesen Tagen nächtelang am PC und schneidet das Material zu Filmen zusammen. Die werden beim großen Abschlussfest im Kukoon gezeigt. Stangenberg: „Das ist einer der schönsten Abende im Jahr für mich.“

In diesen Projekten sind noch Plätze frei

Na, neugierig geworden? Dann solltet Ihr Euch schnell mal auf der Website von Serve the City umschauen: Hier seht Ihr auf einem Blick, wo noch Plätze zur Verfügung stehen, und könnt beispielsweise auch nach Stadtteilen filtern. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Einsatz im Interkulturellen Kräutergarten oder im Garten der Religionen? Oder wollt Ihr lieber an Fahrrädern herumschrauben, Gruppenräume streichen oder mit Flüchtlingen Minigolf spielen? Wer gerne tanzt, kann auch an einem Bauchtanz-Vormittag mit geflüchteten Frauen teilnehmen. Beim Seniorennachmittag geht es um Musik und Spaß mit älteren Menschen, beim Probetag bei der Tafel um die Versorgung von Bedürftigen mit Lebensmitteln und beim Interkultur-Cup ums Fußballspielen. Ihr seht: Es gibt wahnsinnig viele Möglichkeiten, sich einzubringen, und dabei auch noch Spaß zu haben!

Serve the City 2016: So könnt Ihr mitmachen

Um mitmachen zu können, müsst Ihr Euch kurz einen Account auf der Seite des gemeinnützigen Vereins anlegen und könnt Euch dann bei den jeweiligen Aktionen eintragen, die Euch interessieren. Kurzentschlossene können auch zum großen Eröffnungsabend am Freitag, 15. April, um 19.30 Uhr ins Kulturzentrum Kukoon kommen und dort nicht nur die Aktion näher kennenlernen, sondern sich auch noch spontan als Teilnehmer anmelden. Am Sonntag, 24. April, findet dort um 18 Uhr auch der Abschlussabend statt.

Ihr seht: Ehrenamt kann so einfach sein. Damit aus morgen nicht wieder morgen und wahrscheinlich nie wird, rafft Euch auf und helft mit einer kleinen Zeitspende, diese Stadt so leben- und liebenswert zu erhalten, wie sie ist. Und, positiver Nebeneffekt: Dieses Jahr an Silvester könnt Ihr dann ganz zufrieden gen Nachthimmel schauen. Und dabei vielleicht schon mit neuen Freunden anstoßen, die Ihr bei Eurem Kurzzeit-Engagement kennengelernt habt.

Und so sah das Ganze im vergangenen Jahr aus (auf dem YouTube-Kanal findet Ihr noch viele weitere Einblicke):

Unter www.servethecity-bremen.de findet Ihr alle nötigen Informationen, Projektlisten und Unterstützungsmöglichkeiten. Bei Facebook erhaltet Ihr zudem laufend neue Infos zu den einzelnen Aktionen. Wer keine Zeit hat, aber sich ehrenamtlich einbringen möchte, kann sich unter anderem an die Freiwilligenagentur wenden und dort beraten lassen.

 

 

Fotos: Serve the City