Wegen eines Jobs bin ich 2006 nach Bremen gezogen. Als mir 2008 eine interessante Tätigkeit in Bremerhaven angeboten wurde, war ich in der Zwickmühle: Im lieb gewonnenen Stadtteil bleiben und die sozialen Kontakte behalten? Oder für den interessanten Job nach Bremerhaven ziehen? Ich habe beschlossen: Es muss beides gehen! Und es funktioniert, auch wenn ich seit 2008 über 200.000 km auf der A27 zwischen Bremen und Bremerhaven zurückgelegt habe. Deshalb gehe ich fest davon aus, dass ich gefragt werde, wenn der Abschnitt der A27 zwischen den Abfahrten „Bremen Überseestadt“ und „Bremerhaven Süd“ mal einen Beinamen bekommen soll. Fair wäre es, habe ich als regelmäßiger Kunde lokaler Tankstellen und Reifenhändler doch einen bedeutenden Beitrag zur bremischen Wirtschaft geleistet.

Auto statt Bahn

Endlose Wiesen mit Gänsen, Fischreihern, Rehen, Kühen und allem, was zu einer ländlichen Idylle so dazugehört.Für mich ist das Pendeln nach Bremerhaven in Ordnung. Und ich denke, das liegt zum großen Teil daran, dass ich eine echte Wahl hatte. Theoretisch hätte ich mich auch für einen Umzug entscheiden können, aber ich lebe ganz bewusst in Bremen. Das lässt mich den langen Arbeitsweg, von mindestens einer Stunde bis an meinen Schreibtisch, mit einer positiven Grundhaltung antreten. Auch wenn Schnee, Vollsperrungen oder der morgendliche Stau mich des Öfteren sogar zwei Stunden für eine Richtung kosten, könnte ich mir tägliches Bahn fahren nicht vorstellen. Zum einen würde das von Tür zu Tür immer deutlich länger dauern und zum anderen genieße ich es morgens für mich allein in Ruhe meinen Kaffee zu schlürfen, Musik zu hören, meinen Privatkopf vom Privaten zu befreien und in einen Arbeitskopf zu verwandeln und die ersten Termine und Aufgaben gedanklich durchzugehen. Meine Route ist dafür ideal. Die Fahrt durch die Wesermarsch auf der A27 ist sehr idyllisch – Morgenstimmung pur. Endlose Wiesen mit Gänsen, Fischreihern, Rehen, Kühen und allem, was zu einer ländlichen Idylle so dazugehört. Blöd ist, dass auf der kompletten Autobahnstrecke keine Tankstelle oder Raststätte beheimatet ist, aber auch darauf habe ich mich mit der Zeit eingestellt. Eine Fahrt mit dunkelroter Tankanzeige reicht in der Regel aus, um zukünftig in der Zivilisation zu tanken.

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Stadtleben mal zwei

Ein Vorteil, in der einen Stadt zu leben und in der anderen zu arbeiten, besteht meines Erachtens darin, dass man von beiden Städten etwas mitbekommt. Bremerhaven habe ich mit den Jahren wirklich lieb gewonnen, da ich schrecklich gern am Meer bin und maritimes Flair sehr mag. Die Seestadt hat von Natur aus einen echten maritimen Charakter, den andere Städte mühsam versuchen aufzubauen. Und sie hat inzwischen allerhand zu bieten: die Strandhalle, von der aus der Blick auf die Wesermündung und die nahe Nordsee grandios ist, die Sail, tollen Fisch in allen Variationen, einen riesigen Containerhafen und die letzte Kneipe vor New York.

Dennoch hat es Bremerhaven schwer bei mir, weil ich vor einigen Jahren mein Herz an Bremen verloren habe. Deshalb freue ich mich jeden Abend erneut, wenn ich das Ortseingangsschild passiere und wieder daheim in der Hansestadt bin.