Einkaufen, essen, klönen: Markthallen haben etwas Nostalgisches. Wir dürfen uns freuen, denn Bremen bekommt wieder eine Markthalle – und zwar mitten in der Stadt: In der alten Kassenhalle der Bremer Bank werden künftig keine Kredite mehr über die Theke gehen, sondern Slow Living-Produkte und Lebensmittel wie Gemüse, Fleisch, Fisch und Backwaren, die von regionalen Händlern stammen. Nachdem „Manufactum“ bereits am 22. September einen Teil des Gebäudekomplexes beziehen wird, eröffnet später mit der „MARKTHALLE ACHT“ ein Treffpunkt für alle, die auf Regionalität setzen. (Pssst! Unter anderem wird es ein Wiedersehen mit einem „alten Bekannten“ geben. Dazu unten mehr…) Doch die Markthalle, die noch im Herbst in dem denkmalgeschützten Gebäudekomplex eröffnen soll, möchte weit mehr sein als nur ein Ort zum Einkaufen. Das hat meine Neugierde geweckt, daher hab ich schon mal auf der Baustelle vorbeigeschaut.

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Die Arbeiten laufen bereits auf Hochtouren, als ich an diesem sonnigen Nachmittag mit Mirjana Boric über die Baustelle am Domshof 8-12 laufe. Die Handwerker sind gerade dabei, Parkett und Rohre zu verlegen, den Marmorboden der alten Kassenhalle aufzuarbeiten und die Glasfassaden auf Vordermann zu bringen.

Der Bremer Investor Thomas Stefes (STEFESpro) und seine Frau Mirjana wollen hier am Domshof einen kreativen Genussort schaffen. Die „MARKTHALLE ACHT“ möchte ein Treffpunkt für ernährungsbewusste Menschen sein, die Wert auf hochwertige Lebensmittel der Region und Spezialitäten aus aller Welt legen, erläutert Mirjana, die das Konzept und die Umsetzung gemeinsam mit STEFESpro entwickelt. „Mit der Markthalle Acht möchten wir den Bremern die Möglichkeit bieten, ökologisch bewusst einzukaufen und an Ort und Stelle genießen zu können.“

Raum zum Experimentieren lassen

Im Mittelpunkt der MARKTHALLE stehen nachhaltig produzierte Produkte. „Das Motto lautet: Weniger, dafür besser“, betont Mirjana, die sich im Rahmen der Planung auch Inspiration bei anderen Markthallen geholt hat. „Wir sind doch von dem Überangebot total überfordert“, findet sie. Mit der neuen Anlaufstelle im Domshof soll deshalb vor allem die Tradition der klassischen Markthalle wieder aufgelebt werden. Dazu gehören ausgewählte Hersteller und Erzeuger aus Bremen und dem Umland, die künftig in der Innenstadt ihre Produkte anbieten. Neben Gemüse, Fleisch, Fisch, Backwaren, Gewürzen und Ölen können das auch Weine und andere Spezialitäten sein. Vorstellbar seien außerdem kleine Manufakturen, die etwas zum Thema Esskultur beitragen, erklärt Mirjana. „Brutal lokal eben.“

lovebremen-blog-magazin-markthalle8-Upcycling

Das Thema Nachhaltigkeit spielt auch bei der Inneneinrichtung der Markthalle eine große Rolle: So wird ein Großteil der Einrichtung aus wiederverwendeten Materialien wie Holz, Metall, ausgedienten Möbeln und sogar alten Fahrzeugteilen bestehen – klassisches Upcycling eben. „Wenn nachhaltig, dann bitte auch in jeder Facette“, so meine Gesprächspartnerin. Für Farbe und Frische in den Räumlichkeiten soll eine begrünte Pflanzenwand sorgen. Ebenso wird es in dem historischen Gebäude eine Fläche geben, die für Veranstaltungen aus den Bereichen Kultur, Musik und Lesungen gedacht ist.

Man habe außerdem bewusst Experimentierflächen für junge Unternehmer und Kreative gelassen, die sich mit ihren Ideen zu moderaten Kosten ausprobieren können. „Die Produkte und Menschen sollen für sich sprechen“, betont Mirjana. „Authentisch, ehrlich, original – das ist den Menschen ganz viel wert.“ Etwa 20 Anbieter werden ab Herbst in dem linken Teil des Gebäudekomplexes auf rund 1.200 Quadratmetern zu finden sein. Der linke und rechte Bereich des Domshofs 8-12 sollen durch eine gläserne Passage verbunden werden.

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Ein „alter Bekannter“: der Kiefert-Pavillon

Begegnung ist ein wichtiges Stichwort für Mirjana Boric und ihren Mann Thomas Stefes, denn die „MARKTHALLE ACHT“ soll außerdem ein Genussort sein, an dem Menschen unterschiedlichster Couleur zukommen kommen. „Wir möchten die Markthalle auch wieder zu dem machen, was sie seit jeher für die Menschen war: Ein Ort der Begegnungen und des Austausches“, fasst Stefes das Konzept zusammen. An die Tradition soll auch ein „alter Bekannter“ anknüpfen: Nachdem er fast 70 Jahre vor dem Bremer Hauptbahnhof stand und für so manche Kindheitserinnerung sorgte, zieht der Kiefert-Pavillon nun in die Mitte der Markthalle. Um die Stände herum werden Tische platziert sowie eine lange Tafel – quasi das Herzstück der Markthalle, an der Menschen zusammen essen und ins Gespräch kommen sollen. Insgesamt sind etwa 150 Sitzmöglichkeiten vorgesehen – auch ein paar Außenplätze an der Seite zum Domshof.

lovebremen-blog-magazin-markthalle8-Begegnung

In der denkmalgeschützten Kassenhalle des historischen Bankhauses zieht Hauptmieter Manufactum mit einem Verkaufsraum und angrenzendem Gastro-Betrieb ein. An dieser Gebäudeseite wird es eigens zwei Eingangstüren zum Verkaufsraum von Manufactum geben, verrät Mirjana. Euer Weg ins Warenhaus der guten Dinge mit handgemachten Produkten aus dem Bereich Food, Living, Interior und Fashion wird also ein leichter sein.

Ein erster Mieter hat übrigens bereits das Obergeschoss am Domshof 8-12 bezogen: Eine Kindertagesstätte, die Platz für 40 Kinder bietet. Betreiber ist der Verein Familienbündnis, den die Sparkasse und die Bremer Heimstiftung gegründet haben. Die KiTa sei vor allem für Eltern gedacht, die in Büros und Geschäften in der Innenstadt arbeiten, erläutert Thomas Stefes: „Der Ort mitten in der City ist einzigartig.“

lovebremen-blog-magazin-markthalle8-PflanzenwandIllustrationen: Sabrina Krämer