Die Bremer Stadtmusikanten sind auf ihrer märchenhaften Flucht niemals in der Hansestadt angekommen, rund 11.000 Flüchtlinge auf ihrer alles anderen als märchenhaften Reise in den letzten zwölf Monaten hingegen schon. Allein in Walle inklusive der Überseestadt leben derzeit rund 1.300 Menschen aus Länder wie Syrien, Irak, Afghanistan oder auch Eritrea in eigens eingerichteten Unterkünften. Eine Begebenheit, die Niklas Stürken alltäglich begleitet, denn er führt eine Druckerei im Schuppen 2, in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Zeltunterkünften im Bremer Westen. Für die Menschen, vor allem für die Kinder, die dort ihre Zeit verbringen und sich beschäftigen müssen, wollte er etwas Sinnvolles auf die Beine stellen. Am liebsten etwas Gedrucktes. Als er seine Tochter zuhause beim konzentrierten Ausmalen von Bildern beobachtete, kam ihm die naheliegende Idee: Ein Malbuch sollte es sein!

Drucker standen bereit, aber er brauchte noch einiges mehr zur Realisierung des Projektes, zunächst den kreativen Inhalt. Dafür zapfte er sein Netzwerk an und nahm als erstes Kontakt zur GfG auf. Sofort begeisterte er Hayat Derfoufi  mit seinem Vorhaben – nicht zuletzt, weil sie Flüchtlinge in ihrer Freizeit unterrichtet – und gewann sie als Koordinatorin und Gestalterin für das Projekt. Hayat aktivierte sogleich ihre Kontakte zu Illustratoren. Schon bald fand sich ein Kreis aus am Ende 12 GrafikerInnen und IllustratorInnen in den Räumen der GfG zum Brainstorming zusammen.

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Bei den Workshops mit dabei und prägend für das spätere Konzept war Wael Hallak. Der Syrer lebt seit 6 Monaten in Deutschland und berichtete dem Malbuch-Team von seinem Alltag in Deutschland. Dabei stellte er vor allem die Unterschiede zwischen Deutschland und seiner Heimat dar. „Integration“, so waren sich alle schnell einig, müsse das Oberthema des Buches sein.  Gleichzeitig entstand der Wunsch, Geflüchteten die Stadt Bremen und das, was sie ausmacht, näherzubringen.

LOVEBREMEN-Blog-Magazin-Malbuch-Fluechtlinge-Entstehung

Anna-Maria Mücke, Ole BergmannJo Bub, Julia Preckel, Ann-Kathrin Radtke Anna SchillingSebastian BüschingJohannes EllmerWladimir SchwabauerMarten WindlerAsja Beckmann und Pia van Nuland steckten ihre kreativen Köpfer mehrfach zusammen und entwickelten ausgehende von den Erzählungen Waels Motive, die nicht nur zum Ausmalen einladen, sondern auch spielerisch deutsche Vokabeln und Wissen über die typischen Merkmale von Bremen vermitteln.

Tierische Toleranz als Vorbild

Das Malbuch erzählt die Geschichte der Stadtmusikanten auf ihre ganz eigene Weise weiter: In diesem Fall erreichen sie nämlich die Hansestadt, finden Freunde und erleben Monat für Monat ein anderes Bremer Abenteuer. Niemand stört sich sich dabei daran, dass der Esel groß ist, der Hahn Federn hat oder der Hund nur bellen kann – in Bremen sind in dieser Geschichte alle Tiere gleich!

Von einer heißen Schokolade auf dem winterlichen Marktplatz im Januar, über die Sommeraktivitäten im Bürgerpark, bis hin zum Laternenlauf im November werden die Highlights der Hansestadt individuell von je einem Illustrator bebildert und mit deutschen Worten beschriftet. Alle Motive folgen dabei der gleichen Kernbotschaft: Freundschaft, Spaß und Gleichheit verbinden die vier Tiere unterschiedlicher Herkunft. Zusätzlich haben die Kinder aber auch die Möglichkeit, ihre eigenen Erlebnisse zu verewigen: jeweils eine Seite vor jedem Monat ist leer und darf selbständig gefüllt werden.

Drucker gab es also, den Entwurf des Buches gab es auch. Nun brauchte es noch eine Menge Papier und erste Abnehmer. Aber wir wären nicht in Bremen, wenn sich nicht auch dafür schnell und lautlos Förderer gefunden hätten: Die AOK Bremen spendete 1000 Hefte und erwarb zusätzlich 500 Hefte für ihre eigenen kleinen Klienten. Die Hansa GmbH & Co AG spendete währenddessen das Papier für den gesamten Druck. Chapeau!

Das schöne Resultat: 1.500 Hefte sind bislang in vier verschiedenen Unterkünften in Bremen-Ost, -West und -Nord verteilt worden. 50 Exemplare lagen Einschulungspaketen für Flüchtlingskinder bei, und digital wurde das Malbuch an alle ehrenamtlichen Helfer in Bremen sowie an Kindergärten, die angefragt hatten, zum selber ausdrucken geschickt.

Und nun seid Ihr dran, das Projekt zu unterstützen!

Für eine kleine Spende von mindestens 5,50 Euro könnt Ihr Euch eines der derzeit 70 im öffentlichen Verkauf befindlichen Exemplar des Malheftes sichern. Der Erlös geht zu 100% an Bremer Flüchtlingsinitiativen. Ihr bekommt die Hefte an folgenden Orten:

Ihr braucht kein Malbuch? Dann habt Ihr noch eine andere Möglichkeit, etwas Gutes für das Projekt zu tun: den Flüchtlingskindern Buntstifte spenden, denn die brauchen sie, um mit den Stadtmusikanten auf kreative Reise zu gehen.