Ich wohne jetzt seit ungefähr neun Jahren in Köln, weil ich „irgendwas mit Medien“ mache. Und da Kölner ja aufgeschlossen sind, fragt man mich zu allem möglichen, auch woher ich komme. Nahezu jedes Mal ist die einzige Kenntnis von Bremen meines Gegenübers, dass es wohl irgendwo an der A1 auf dem Weg nach Hamburg liegt. Meinen anschließenden Überzeugungsmonolog habe ich trainiert und Teil der Dramaturgie ist der letzte Satz: „Das Bier in deiner Hand kommt übrigens von dort“. Funktioniert meistens. Wie viele Leute ich dabei von Bremen überzeugen konnte, weiß ich nicht. Mich jedenfalls überzeugt Bremen mehr denn je: Ich vermisse den Wind, das Licht, den Werdersee und den Deich. Auch die nachts schier endlose Hastedter Fleetrade, wenn man doch nur noch ins Bett möchte.

Aufgewachsen bin ich Hastedt. Als Student bin ich in die Neustadt gezogen, was man in Köln als Schäl Sick (Anm. d. Red.: falsche Seite) bezeichnen würde. Um in die Bremer City zu kommen, musste man von der Neustadt am Werdersee vorbei. Und den finde ich fast noch idyllischer als die Weser.

Wenn ich aus Köln anreise, komme ich meistens am Bahnhof an. Dann ist der übliche Weg führt mich erst auf eine Bratwurst zu Kiefert, dann durch die Sögestraße zur Domsheide und weiter ins Viertel – spätestens jetzt hat mich der Charme der Stadt wieder gepackt. Auch wenn mir hier früher viel mehr bekannte Gesichter begegneten und ich mehr Dönerläden kannte: den kleinen Burgerladen zwischen Sielwallkreuzung und Sparkasse gibt es aber immer noch. Für nur 1,50 Euro hab ich mir da früher Energie für nächtliche Züge durch die Eule, Lagerhaus oder Calavera geholt.

Mein Abitur habe ich im Woody’s gemacht. Horst’s geblöktes „Waswillstu?“ klingelt mir immer noch im Ohr. Meine kleinlaute Antwort: „Hefeweizen“. Als Student musste ich dann ins Stubu umziehen, etwas anderes hatte wochentags halt nicht auf. Die Playlist kannte ich irgendwann auswendig. Klingt nach einseitiger Kultur, stimmt aber nicht. Bremen hat mehr: Ich finde beispielsweise die Shakespeare Company und die Glocke toll. Und ich kann es noch immer nicht fassen, dass ich in der Bremer Stadthalle mal James Brown, die Supremes und die Temptations auf einem einzigen Konzert gesehen habe. Unfassbar. Die Gage zahlt man wahrscheinlich heute noch ab.

Irgendwann, als ich schon nach Köln gezogen war, hatte ich aufgrund einer Fernbeziehung die besagte A1 und Bremen satt. Ich fand Köln cooler. Das ging für ein paar Jahre so. Mittlerweile habe ich meine Liebe für Bremen wiederentdeckt und weiß ganz sicher, dass ich irgendwann zurückkomme. Das geht in Köln übrigens vielen Exilbremern so.

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Foto: privat

 

Florian ist in Hastedt aufgewachsen. Nach dem Abitur zog es ihn in die Neustadt, weil die Uni gleich um die Ecke war. Dort studierte er Kulturwissenschaften und entwickelte sein Interesse an Musik und Medien weiter. Im Jahr 2007 ging er nach Köln, um seinem persönlichen Interesse auch beruflich nachzugehen. Seitdem arbeitet er „irgendwas mit Medien“ in der Rheinmetropole. Privat zaubert er gerne an der Gitarre oder ist sportlich auf dem Mountainbike unterwegs.