Immer wieder musste das Eröffnungsevent von „Die komplette Palette“ verschoben werden. Behördendinge galt es zu erledigen – Bürokratie first! Vielleicht hatte das aber auch sein Gutes, denn auf diese Weise konnte Immo, wortgewandter Macher des Ganzen, noch ordentlich kreativ werden. Pissrinnen bauen und LED-Beleuchtung justieren. Kaltgetränke mit Blick auf den Sonnenuntergang schlürfen und die Spots für seine Videodokumentation pimpen.

Morgen isses aber endlich soweit: Ab 15 Uhr könnt Ihr Euch selbst ein Bild davon machen, wie aus einfachen Europaletten im Hemelinger Hafen ein „Schutzraum für kulturelle Aktivitäten aller Art“ geworden ist. Ich war schon vorher neugierig genug, Immo über das Projekt auszufragen.

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Für alle, die heute zum ersten Mal etwas von „Die komplette Palette“ hören: Was issn das eigentlich?

Das ist eine temporäre Bühne auf www.bay-watch.de im Hemelinger Hafen.  

„bay-watch“, aha. Blondinen mit ordentlich Holz vor der Hütte gibt´s da vermutlich nicht, was statt dessen?

Experimentelle Architektur, Permakultur-Beete, die Weser, einen entrückten Ort in der Stadt und doch ganz weit draussen. Gelebte Alternative zum ganz normalen Wahnsinn. Inspirationsquelle für den Alltag. Es gibt Wasser, Wein und Bier. Schnaps schenken wir bewusst nicht aus, denn unsere Gäste sollen bei Bewusstsein bleiben und der Heimweg ist auch nicht ohne…

Du bist ja nun echter Experten: Was kann ne Palette, was ein normales Stück Holz nicht kann?

Eine Europalette = elf Bretter, neun Klötze und 78 Nägel. Das kann als Lego-Baustein für Erwachsene einiges möglich machen.

Wie viele sind denn inzwischen verbaut und vor allem: Wo hast Du die alle aufgegabelt?

Unser Material: ca. 150 Europaletten, 300 qm Bauschilder, hunderte Meter Balken und Bretter. Darunter sind Sachspenden von Firmen und Privatleuten, Leihgaben von Paletten Concept und von Nehlsen, von deren Recyclinghof hier im Hafen wir ca. 3 Tonnen Altholz ausgeliehen haben.

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DKP steht nach Deinen Worten auch für „Deutliches Kontrast Programm“. Kontrast wozu?

Kontrast zur kommerziellen Druckbetankung. Hier geht es um bewusstes kuturelles Erleben, ein Miteinander, ein Füreinander. Es gilt, mehr zu geben als man selber nimmt, damit alle mehr davon haben. Das wird in unserer Gesellschaftsform nicht mehr gelebt, wer Veränderung möchte, muss bei sich selbst beginnen, daher mein Credo: #machsdirselbst

Der Hemelinger Hafen ist ja nun nicht unbedingt ein Ort, des man bislang als Location zum Feiern und Staunen auf´m Schirm hatte. Warum dieser Standort?

Mit Hilfe der ZwischenZeitZentrale hat André Sassenroth im September 2014 diese Brachwiese für zwei Jahre zur Nutzung als Kunstprojekt zugesprochen bekommen, das bot mir den Rahmen um ein solches Experiment zu wagen.

Spende sonst Ende – Du überlässt den Besuchern selbst, was sie für Getränke vor Ort ausgeben wollen. Sind die Bremer großzügig genug?

Das wird sich zeigen. Die bisherigen grösseren Spenden kamen aus Berlin und Zürich, die BremerInnen haben bei den Spendenkonzerten mit kleineren Beträgen ausgeholfen, aber ich bin mir sicher, dass die Begeisterung über den Ort, die Bühne und das Programm die Scheine in der richtigen Grösse in die Spendenbox wandern lassen wird. Mensch kann auch über Paypal oder ein Spendenkonto spenden.

Am 4. Juni geht´s offiziell mit ner dicken Packung Musik bei Euch los. Erzähl mal, womit man genau belohnt wird, wenn man sich aufs Rad setzt und zu Euch rausfährt.

Mit einem bunten, knackigen Salat: eine Live-Funk-Band, Bremer Rap, südamerikanischen Klängen, einem Liedermacher, japanischem Rap und einer Sooper Looper Performance meinerseits, d. h. Musik und Text auf Zuruf.

Und wie geht´s danach weiter?

Alle zwei bis drei Wochen steigt hier ein Event, wenn sich alle an die Spielregeln halten. Bis zum September möchte ich insgesamt 3 komplette Paletten abfeiern, im August findet eine Musik-Workshopreihe mit einheimischen und schutzsuchenden Schulkindern aus Hemelingen statt, deren Ergebnis dann auf der Abschlusspalette live präsentiert wird.

Danach wird die komplette Palette wieder abgebaut, um schon bald an einem neuen Ort wieder aufgebaut zu werden, denn sie ist als mobiler Bausatz konzipiert.

Die Komplette Palette
Arberger Hafendamm
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