Wusstet Ihr, dass die englische Übersetzung für Pilze Sammeln „mushroom hunting“ heisst? Klingt irgendwie fast nach Großwildjagd, aber für mich kennzeichnet das Idiom die Sache.

Du gehst in in den Wald. Immer der Nase nach. Und es riecht! So gut, gerade im Herbst. Okay, wir alle können bei der Fahrradtour reife Brombeeren von den Hecken abpulen, aber so echte Pilze? Für die eigene Pfanne? Da ist der Jagdtrieb schnell geweckt – doch besser keinen Giftigen dazwischen bekommen…

Als zwar passionierte Pilzsammlerin, dennoch mit Wissenslücken gerade bei Lamellenpilzen, habe ich ein vom NABU angebotenes Pilzseminar besucht. Meine Funde waren bislang eher konservativ, sozusagen von klein auf gelernt: Röhrlinge, wie Maronen und Steinpilze. Doch selbst hier können Anfänger einen Fehlgriff tun, was man spätestens beim Essen merkt: Ein Gallenröhrling versaut das ganze Gericht. Zur Zeit stolpert man im Wald über wirklich viele unterschiedliche Exemplare. Von über 5.000 Arten sind prozentual gesehen nur wenige giftig bis tödlich. Sind nun also Anzeichen von rot, gelb oder lila am Pilz wirklich immer Warnzeichen?

Unterholz

Karina Skwirblies ist ausgewiesene Pilzexpertin und Pilzsachverständige in Bremen. Sie leitet fürs NABU im Herbst Pilzseminare. So treffen sich an Wochenenden im September/Oktober um 10h pilzwütige Menschen (von 6-75 Jahren) bei der Dreptefarm in Wulsbüttel mit ihr. Und bei unserem Treffen wurde schnell klar: Hier muss man sich noch nicht auskennen, denn Karina kennt jeden Pilz und prüft ihn, bevor er in den Korb wandert. Die meisten Teilnehmer hatten jedoch schon Vorwissen, sie wollten ihr Pilzsammelspektrum einfach etwas verfeinern und ausbauen.

Gemeinsam stapfen wir los, durch den Düngel. Und beim Anblick der unglaublichen Pilzvielfalt kommt schnell der Gedanke auf: Oh menno. Wir sind hier mit 13 Leuten unterwegs. Da schnappt sich doch jeder gegenseitig die besten Funde weg?!

Pilzkorb

Nach kurzer Zeit ist der Korb schon gut gefüllt.

Das war mitnichten so. Die Gruppe lief in Mehr-Quadratmeter-Abständen durchs Unterholz und jeder fand etwas anderes. Sehr häufig: Die Krause Glucke. Ein schmackhafter Speisepilz, der aussieht wie ein Badeschwamm. Oder Maronen. Perlpilze, die sehr oft sehr anders aussehen. Einer fand sogar einen Pfifferling, was unglaublich selten in dieser Region ist.

erdstern

Nicht essbar, aber sehr pittoresk: Der Erdstern.

Zwischendurch gemahnt uns Karina zum Pausieren. Wir zeigen und diskutieren. Sie hat immer Antworten. Milchling, das lila Ding da. Schleierlinge, höchst gefährlich! Och guck mal hier, das ist das Hexenei einer Stinkmorchel – kurz mal aus Versehen draufgelatscht und sofort gerochen. Bäh!

Oder hier: ein Erdstern. Nein, nicht essbar, aber wirklich hübsch. Selbst bei Zweiflern am eigenen Fund hat Karina die Pilzkennerworte parat: Wattiger Stiel, rötliche Färbung, geriefte Manschette… So empfiehlt sie auch, den Pilz immer herauszudrehen, denn die Knolle gibt Aufschluss bei der Bestimmung. Dennoch: Laien sollten nicht allein mit einem Buch losziehen, denn oft trägt die Witterung dazu bei, dass viele Exemplare erheblich anders aussehen als abgebildet – hier braucht es Kennerwissen.

Die Tour dauert drei Stunden und ist total spannend. Kinder (gerade jüngere) mitzunehmen, ist nicht unbedingt von Vorteil – auch wenn es nur 3 km Wegstrecke sind, lässt irgendwann die Konzentration nach. Doch die letzte Dreiviertelstunde lässt sich abkürzen und ggf. früher gehen. Zwischendurch verschwinden immer mal wieder TeilnehmerInnen im Wald und sind nur durch lautes Rufen wieder zum Treffpunkt zu bewegen.

Ein tolles Programm für Pilzliebhaber und solche, die es noch werden wollen. Drei Stunden im Wald, während andere noch ihren Kater ausschlafen. Es ist Herbst! Geht raus und labt diesen!

Pilzefertig

Das bleibt dann zu Hause nach dem Säubern für die Pfanne übrig.

Wann die nächsten Seminare stattfinden, erfahrt Ihr beim NABU.