Eigentlich sollte das hier ausschließlich ein Artikel über das 29. Bremer Weinfest werden. Zudem, und um dem Beitrag einen weiteren Mehrwert zu geben, möchte ich die bereits in der Überschrift enthaltene Forschungsfrage auf ihre Richtigkeit prüfen, um das daraus resultierende Wissen mit der Nachwelt zu teilen. Geben viele Tröpfchen ein Köpfchen? Bekommt man vom Durcheinander verschiedener Weinsorten einen Kater? Oder ist es ein Gerücht, das sich hartnäckig hält?

In vielen wissenschaftlichen Modellen wird angenommen, dass die äußeren Umstände nach Möglichkeit immer gleich bleiben (ceteris paribus). Die örtlichen Gegebenheiten werden sich hier jedoch immer wieder ändern. Seht es mir also nach, wenn ich von einer strikt wissenschaftlichen Diskussion abweiche.

Erstes Tröpfchen

Es war Weinfest in der Stadt. Das 29. Weinfest um genau zu sein. Seit 29 Jahren trifft sich in den Wallanlagen alljährlich die Creme de la Creme der Weinanbieter aus ganz Deutschland und bietet den guten Rebensaft aus heimischen Gefilden und aller Welt an. Ein solches Fest bietet also die Möglichkeit, gute Weine zu testen und die eine oder andere neue Flasche in das heimische Weinregal einzuordnen.

Ich hingegen ordnete erst einmal an, wer was mitbringen sollte, da ich eine lustig-bunte Meute erbarmungsloser Weinfetischisten zum Vorglühen eingeladen hatte. In heimischer Atmosphäre bei guter Musik schon einmal den einen oder anderen guten Tropfen zu verkosten und Meinungen auszutauschen hebt die Stimmung und löst die Zunge. Und so mäanderte die Truppe wenige Stunden später gut gelaunt zum Hillmannplatz.

Wir halten für die Prüfung der Forschungsfrage fest: Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits drei unterschiedliche Weine, teilweise auf Eis, probiert. Mir ging es ziemlich gut. Ich meine mich schwach daran zu erinnern, dass ich auf dem Weg zum Fest in den Wallanlagen die eine oder andere alte Eiche ausgerissen hätte. Aber ich mag mich täuschen…

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Das Weinfest war gut besucht. Überall sah man fröhlich und angeregt plaudernde Gäste.

Zweites Tröpfchen

Schon aus einiger Entfernung sahen wir das bunte Treiben: Lichterketten in den Bäumen, Tische ganz in Weiß eingedeckt und wo man hinsah, gab es gut gelaunte Gesichter. Natürlich gab es auch schon ein paar lachende, rote Wangen und ich sah einige beseelte, feuchte Augen in der Dunkelheit funkeln – ischa Weinfest. Hell erleuchtete Stände, an denen Wein in allen Variationen angeboten wurde, führten aufgereiht wie an einer Perlenkette vom Loriotplatz die Contrescarpe entlang bis zum Hillmannplatz.

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Buntes Treiben auf dem Hillmannplatz. Die unzähligen Glühbirnen und Lichterketten tauchten alles in ein warmes, angenehmes Licht.

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Hier konnte man der Bäckerei bei der Herstellung der knusprigen Brez’n zusehen.

Zudem gab es überall herzhafte Leckereien. Ob salzige, frisch gebackene Brez’n oder ein herzhafter Flammkuchen – wer Hunger hatte, konnte sich hier bestens verpflegen. Für ausreichend Entertainment-Programm war gesorgt und so spielten abwechselnd vier Bands Töne von Jazz und Swing oder griffen auch mal beherzt in die Tasten des Akkordeons.

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Das lustige Jazz-Trio „Sax & Schmalz“ in Aktion. Sie zogen über das Fest und unterhielten die Gäste.

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Ein Teil des unglaublichen Power-Teams, mit dem ich an diesem Abend das Weinfest besuchte. Nur welcher Schelm mir im Laufe des Abends heimlich diese Fliege anbrachte, werde ich hoffentlich noch herausfinden.

Laue Temperaturen, gut gelaunte Menschen, der Duft von Essen in der Luft und Kerzen überall luden uns ein und so bestellten wir eine weitere Auswahl an Weinflaschen. So konnte jeder mal den Tropfen des anderen probieren. Ein System, welches ich durchaus empfehlen kann, wenn man mit einer größeren Gruppe unterwegs ist.

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Gut gelaunt bei Kerzenschein: Die Gäste waren allerseits gut gelaunt und die fröhliche, friedliche Stimmung steckte mich direkt an.

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Die Kerzen überall tauchten alles in ein angenehmes Licht.

Wir halten für die Prüfung der anfänglichen Frage fest: Kurz vor Verlassen dieses wunderbaren Festes hatte ich noch einmal vier unterschiedliche Weine probiert. Mit den anfänglichen drei Weinsorten machte das nach Adam Ries nun sieben unterschiedliche Weinsorten, die ich an diesem Abend durcheinander getrunken hatte. Auf dem Weg nach Hause merkte ich die Wirkung des Alkohols zusammen mit der frischen Luft schon ein wenig. Es war Zeit für das Bett. Der Ausschank endete eh um Mitternacht. Beseelt und auf Federn gehend, schwebte ich dann stets circa zwei Zentimeter über dem Boden nach Hause.

Drittes Tröpfchen

Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich, nachdem ich zu Hause angekommen war, noch nicht genug intus hatte. Ich hatte Durst.

So komme ich nun zu dem letzten Getränk, welches ich an diesem Abend zu mir nahm, bevor ich müde und verdient in einen wohligen Schlaf fiel. Es war circa 1 Liter Wasser. Einen Teil davon vermengte ich zudem noch vorsorglich mit einer Tablette Aspirin.

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Wasser, Elixir des Lebens: Es bewirkt wahre Wunder, wenn man zu lange zu wenig davon hatte.

Manche mögen mir nun vorwerfen, dass ich meine Diskussion der Forschungsfrage abrupt abbreche und schummeln würde. Allerdings lebe ich schon etwas länger auf diesem Planeten und die Erfahrung hat mich gelehrt, dass man nach soviel Durcheinander gut daran tut, den Körper ausreichend mit Wasser zu versorgen. Dem sonntäglichen Frühlauf am Deich stand somit nichts mehr im Weg.

Um aber die obige Frage trotzdem zu beantworten: Es kommt bei Wein nicht auf die Anzahl der Sorten, sondern immer auf die Gesamtmenge an. Zudem ist die Versorgung des Körpers mit Wasser immens wichtig, da Alkohol dem Körper eben dieses entzieht. Wer also ab und an ein Glas Wasser zwischendurch trinkt, macht nichts falsch.

Alles in Allem war es ein gelungener Abend mit einem wunderschönen Fest mitten im Herzen Bremens. Es hat, wie auch schon in den Jahren zuvor, alles gepasst und so kam die gewohnte Weinfest-Stimmung auf. Der nächste Termin für das 30. Jubiläums-Weinfest steht schon fest: Es ist der 04.09.2016 am altbekannten Ort in den Wallanlagen. Ich hoffe, wir sehen uns dann dort.

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