Nach einem Jahr so alleine in ihrer Wohnung dachte Charlotte, dass es doch schön wäre, eine WG aufzumachen. Gemeinsam abhängen auf der Couch vorm Fernseher, ausartende Spiele-Abende mit Streit und Schadenfreude, konspirative Gespräche bei Wein und Kerzenschein in der Küche und einem artgerechten Putzplan mit Zeiger zum Weiterschieben. Auf die Annonce in der Zeitung hatten sich viele gemeldet, jedoch pochte Charlottes Herz gleich etwas schneller, als Friedrich schüchtern lächelnd auf der Türschwelle stand, um sich vorzustellen. Und siehe da: Zum einjährigen Geburtstag zieht das Friedrich morgen bei  der Französin ein und neben Gainsbourg steht nun auch Nietzsche auf dem Klingelschild.

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So, und was heißt dieses Liaison nun für uns aufgeweckte Bremerinnen und Bremer? Phantastisches: Zwei unterschiedliche Angebote werden künftig in der Friedrich-Ebert-Straße 33 unter einem Dach zu finden sein. Am heutigen Samstag feiert das Café Friedrich Nietzsche in den Räumlichkeiten der Bar °Charlotte Gainsbourgh seinen Einzug in der Bremer Neustadt, ab 2. November nimmt es dann offiziell Betrieb auf. Wenn sich heute ab 15 Uhr die Türen öffnen, wird auch schon mal ein bißchen Geburtstag gefeiert: das Charlotte Gainsbourg wird nämlich ein Jahr alt.

Ich habe bei einem guten Kaffee die Chance genutzt, mit den Betreiberinnen Janine und Jule zu sprechen und mehr über die neue WG zu erfahren.

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Im °Charlotte Gainsbourgh konnten sich die Gäste bislang im stilvollem Ambiente, bei einem guten Glas Wein oder einem kühlen Bier angeregt unterhalten oder einfach mal abschalten. Das Friedrich Nietzsche ist zukünftig unter der gleichen Adresse zu finden. Wird das nicht zu eng in der Wohngemeinschaft?

Friedrich mag es gemütlich. Er fläzt sich gerne bei einem leckeren Kaffee und einem guten Buch auf die Couch und ist tagsüber recht aktiv. °Charlotte hingegen liebt es, sich auch schon mal bis in die Nacht hinein, bei einem vollmundigen Glas Rotwein, dem geselligen Beisammensein hinzugeben. Wichtig ist den beiden, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise, die Gemütlichkeit unter einem Dach zu zelebrieren. Und die beiden haben vereinbart, dass sie erstmal einen Winter lang schauen, wie das Zusammenleben so ist. Aber unter uns: Friedrich scheint das Fräulein Charlotte schon ziemlich zu mögen…

Wie läuft das ab? Wann öffnet mir Friedrich und wann Charlotte die Tür?

Friedrich erwartet seine Gäste von Mittwoch bis Samstag, zwischen 11 und 19 Uhr. °Charlotte, wie bisher gewohnt, Dienstag bis Samstag ab 19 Uhr. Keine Sorge, niemand muss beim Gastgeberwechsel vor die Tür und frieren – bleibt einfach sitzen, wenn °Charlotte die Bewirtung übernimmt. 

Was tischt Herr Nitzsche denn auf, wenn ich zu Besuch komme?

Unser Denker und Grübler ist absolut Kaffeeverrückt und wünscht sich schon seit langer Zeit, dass auch andere seinen Kaffee kosten können. Er wird für erstklassige Kaffeevarianten sorgen, die mit viel Liebe zubereitet werden. Dabei ist es ihm wichtig, auf jeden seiner Gäste besonders einzugehen und im schnellen und hektischen Alltag für Entschleunigung zu sorgen. Außerdem möchte er ein wenig Wissen vermitteln und ist immer für ein aufklärendes Gespräch zu haben.

Und was passt besser zu Kaffee als eine süße Verführung? Dafür kreiert er verschiedene Leckereien: Von leckeren Rezepten von Großmutter bis hin zu Eigenkreationen, die von seinen vielen Reisen inspiriert sind. Lasst euch überraschen und keine Angst: In Punkto Unverträglichkeiten und verschiedener Ernährungsstile ist Friedrich besten vorbereitet.

Hängt tagsüber dann ein anderes Schild über dem Eingang?

Schon ganz bald wird ein schicker „Friedrich“ Schriftzug das Fenster zieren, dann ist der von °Charlotte nicht mehr so alleine. Ansonsten wird lediglich die draußen stehende Tafel gewechselt, so könnt ihr auch vom Weiten sehen, dass ich da bin.

Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

Och, das ging ganz schnell und unkompliziert. Wir haben Christoph vom °Charlotte in diesem Sommer zufällig kennengelernt. Als er uns von seiner Bar erzählte und seinen späten Öffnungszeiten, kam schnell die Frage in uns auf, ob der Raum nicht auch für ein Café geeignet wäre. Die wichtigsten Fragen waren schnell geklärt und in der Woche darauf lernten wir Max vom °Charlotte kennen. Schnell waren wir uns alle einig, dass die Idee einer Doppelnutzung der Räumlichkeiten total interessant ist. Die Vorteile lagen auf der Hand und so wollten wir einen männlichen Gegenpart kreiren, der von Frauen betrieben wird, wenn es einen weiblichen Part gibt, der von Männern geführt wird.

Wie haben sich Charlotte und Friedrich kennengelernt?

Friedrich schwärmt immer noch davon, als wäre es gestern gewesen: Eine laue Spätsommernacht geht zu Ende. Vogelgezwitscher und die weiche Morgensonne treiben Friedrich an die frische Luft auf die noch fast leeren Straßen der Bremer Neustadt. Eine Schreibblockade hat ihn wachgehalten. So schlenderte gedankenverloren durch die ihm noch wenige vertraute Umgebung, um auf andere Gedanken zu kommen.

Ein paar letzte Nachtschwärmer huschten kichernd aus einem nicht weit entfernten Eingang. Während er näher kam fiel ihm auf, dass noch nicht alle weg waren.Vor dem Laden, der eine Bar zu sein schien, stand eine kleine Bank. Auf ihr saß eine junge Frau. Sie hatte die Augen geschlossen und lächelte. Der Moment erschien ihm magisch. Heimlich wanderte sein Blick immer wieder zu ihr herüber, seine Schritte wurden langsamer, während er näher kam. Doch Charlotte bemerkte ihn gar nicht. 

Zurückhaltend und kaum hörbar räusperte er sich: „Entschuldigung haben sie noch geöffnet? Wäre es möglich einen frisch gefilterten Kaffee zu bekommen?“ Sie blickte zu ihm auf. Sein leicht schüchternes Lächeln gefiel ihr!

Fotos: Stefan Harms