Nach dem erfolgreichen Auftakt unserer Bier-Themenwoche durch das Instagram-Techtelmechtel mit Frisi habe ich mich gefragt, wie es wohl dazu kam, dass das Bier überhaupt erfunden wurde.

Vereinzelten Aufzeichnungen zufolge wurde ein bierähnlicher Trank vor rund 10.000 Jahren im heutigen Orient erfunden. Dort wurde Gerste gesammelt und in unterirdische Lager gebracht. Als aus Versehen Wasser darauf tropfte, quoll die Gerste auf und Enzyme sorgten dafür, dass aus der Stärke in den Körnern Malzzucker wurde. Man kannte bis dato nur Honig zum Süßen von Speisen. Die durch Zufall entstandene Brühe schmeckte überraschenderweise angenehm süß. Eine Urform des Bieres war erfunden.

Bier trinken mit dem Strohalm im alten Mesopotamien

Bier trinken mit dem Strohalm im alten Mesopotamien. ©Deutscher Brauer-Bund

Ein wenig später begab es sich im südlichen Mesopotamien, dass man einem Kranken das Brot in Wasserkrügen zu Brei aufweichte, damit er es besser zu sich nehmen konnte. Man ließ den Krug mit dem Brot einige Tage stehen und natürliche Hefesporen aus der Luft folgten ihrer Bestimmung. Die Kondition des Patienten war sowieso nicht gut und seine Erfahrung mit dem entstandenen Alkoholbrei praktisch nicht vorhanden. So fand man wenig später einen lallenden Sumerer mit verklärtem Blick und einem Lächeln auf den geröteten Wangen in seiner Kammer vor. Es muss ihm wohl gefallen haben, denn als er wieder genesen war, machte er sich sofort an die Erforschung und Herstellung des köstlichen Göttertranks.

Die Herstellung des Bieres wird heute nicht mehr dem Zufall überlassen

Hierzulande gibt es das Deutsche Reinheitsgebot, das die Zutaten für den Brauprozess vorschreibt. Demnach sollen für die Herstellung nur Hopfen, Malz, Hefe und Wasser verwendet werden. Die Brauereien überwachen heute jeden einzelnen Prozess der Bierherstellung mit ausgeklügelten Messverfahren. Gleich geblieben ist der malzige Geruch, der Brauereien typischerweise umgibt.

Immer der Nase nach wollte ich den Gerüchen am Ort des Geschehens nachgehen und so passte es sehr gut, dass mich die Freie Brau Union in Walle zu einer Brauereibesichtigung einlud.

Die markante Silhouette der Freien Brau Union in Walle ©Carsten Heidmann/Brau Union

Die markante Silhouette der Brau Union in Walle. ©Carsten Heidmann/Brau Union

Die Räumlichkeiten haben Tradition. Bereits Anfang des letzten Jahrhunderts wurde in den Kesseln Bier für durstige Bremer gebraut. Leider wurden nach und nach viele kleine Brauereien, darunter auch die Union Brauerei, von großen Braukonzernen aufgekauft und geschlossen. Umso mehr freut es mich nun, dass die Freie Brau Union nach viel Fleißarbeit und Herzblut seit November 2015 wieder eigene Biere in ihren Kesseln anstellt.

Der Unions-Braumeister und Bier-Sommelier Carsten Eger führte uns am besagten Tag durch die heiligen Hallen. Er begrüßte alle Teilnehmer in der großen Eingangshalle. Zu meiner Überraschung roch es dort in keiner Weise nach Brauerei. In meiner Fantasie hatte ich mich schon knietief im Kessel stehen sehen, zum Schaufeln des ausgekochten Suds. Die Augen tränend vom heißen Dampf und die Kehle zugeschnürt vom beißenden Hopfengeruch. Aber das Gegenteil war der Fall – und ich war ein wenig überrascht.

Carsten führte uns in den Nebenraum, in dem sich ein Verkaufstresen, zwei große Sudkessel und das Malzlager der Union befand. Ich nahm einen angenehm strengen Geruch nach Getreide wahr. Als ich die Augen schloß, sah ich mich als Kind durch trockene Kornfelder laufen – ein Hauch von Spätsommer durchfuhr mich.

Carsten Eger informiert über die Herstellung von Bier.

Carsten Eger informiert über die Herstellung von Bier.

Carsten setzte sich zwischen die beiden Sudkessel und verriet uns, was alles in ein gutes Bier gehört. So werden Basismalze und Spezialmalze verwendet, die für einen guten Körper des Bieres sorgen, einen bestimmten Geschmack oder eine Färbung ergeben. Meist verwendet man eine Mischung aus verschiedenen Malzen, die jeweils ihre Eigenschaften in den Sud einbringen. Zudem wird für eine bitter-frische Note noch Hopfen hinzugegeben. In Zeiten von hervorragender Hygiene vor allem als Geschmacksveredler im Einsatz, konnte der Hopfen durch seine Inhaltsstoffe das Bier früher vor ungewollten Infektionen schützen.

Carsten Eger vor der Infotafel "Die Welt des Bieres"

Carsten Eger vor der Infotafel „Die Welt des Bieres“.

Nach der Einführung in die Theorie der Rezeptur wurden wir zurück in die große Eingangshalle geführt. Hier hing eine große schwarze Tafel, anhand welcher Carsten uns die Welt der Biere vorstellte. Im Vorfeld hatte ich gedacht, dass es aufgrund der langen Braukultur etliche Sorten gäbe. Dass es dann so komplex werden würde, hatte ich nicht geahnt.

In der wonnig-warmen Sudhalle.

In der wonnig-warmen Sudhalle.

Im Anschluss wurden wir ins Innerste der Brauerei geführt: Die Gär- und Sudhalle. Hier findet die eigentlich Herstellung der Biere statt. Als ich die Tür dahin öffnete, kniff ich instinktiv ein wenig die Augen zusammen. Ein lauwarmer Geruch aus Hopfen, Malz und Reinigungsmitteln waberte mir entgegen. Carsten erklärte uns, dass eine absolute Hygiene bei der Bierherstellung oberste Pflicht sei. Verunreinigungen könnten zu ungewollten Geschmackserlebnissen im Bier führen.

Die eigentliche Bierherstellung

Das Malzgemisch (auch Maische) wird mit dem Hopfen zusammen ausgekocht. So bekommt man den Malzzucker. Die resultierende Bierwürze wird herunter gekühlt und bei einer bestimmten Temperatur wird die Hefe hinzugegeben. Diesen Prozess nennt man „Anstellen“. Je nachdem ob es ein ober- oder untergäriges Bier werden soll, wird das Bier danach bei hoher oder niedriger Temperatur gelagert.  Die speziellen Bierhefestämme sorgen nun ihrerseits für einen würzigen Geschmack und setzen den gelösten Malzzucker nach und nach zu Kohlensäure und Alkohol um.

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Braumeisterin Doreen Gaumann an der Abfüllanlage.

Neben der Sudhalle zeigte Carsten uns noch den Abfüllbetrieb. Dort werden Flaschen gereinigt, kontrolliert, befüllt, und mit Etiketten versehen.

Fröhliche Stimmung bei der Bierverkostung.

Fröhliche Stimmung bei der Bier-Verkostung.

Nach so viel trockener Theorie hatten wir uns eine Belohnung verdient. Carsten kredenzte uns hintereinander vier verschiedene Biersorten aus eigener Herstellung und beantwortet Fragen dazu. Er erzählte uns, dass Bierkenner ihre Biere nicht trinken würden. Zuerst würden Sie ausgiebig daran riechen, um die Tiefe und den Körper des Bieres zu ergründen. Erst danach setzen sie die Zunge als weitere Geschmackserkennung ein. Und tatsächlich war bei der Verkostung von Citrus-, über Malz-, bis hin zu Karamell-Aromen eine vielfältige Geschmackspalette zu erschnuppern, bzw. zu schmecken. Die Verkostung bildete den Abschluss einer überaus interessanten Brauereiführung.

Regionale Küche, saisonale Leckereien und ein großes Bierangebot

Ich kann nach dieser Führung einen Besuch des Braugasthauses oder des Braugartens empfehlen. Dort hat mich der Geruch nach frischem Spargel mit Rosmarinschinken angelockt. Die regionale Küche bietet viele saisonale Leckereien an, das große Bierangebot schmeckt ausgezeichnet und ist gleich von nebenan. Als eine großartige Idee habe ich den Braugarten empfunden: Das Dach lässt sich bei schlechtem Wetter schließen – macht manchmal durchaus Sinn in Bremen.

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Das Braugasthaus bietet Leckeres aus Region und Saison.

Wer jetzt Lust bekommen hat selbst einmal an einer Brauereiführung teilzunehmen, kann sich bei der Freien Brau Union dafür anmelden. Darüber hinaus gibt es neben der einstündigen Brauereiführung auch ein ausführlicheres Bierseminar oder gar einen gesamten Brautag im Angebot.

In diesem Sinne: Prost und wohl bekomms!

Wer Lust auf die Bremer Craftbeer-Szene bekommen hat, ist bei Philipps Artikel über das Bolters genau richtig!