Seit Jahren verfolge ich verschiedene Projekte der „SOS-Kinderdörfer weltweit“. Ich spende regelmäßig für diese Organisation, weil ich hoffe, damit Kindern in Entwicklungsländern wenigstens ein wenig helfen zu können. Viele denken bei dem Namen „SOS-Kinderdörfer“ – wie ich – an Engagement für Kinder in der Dritten Welt. Aber auch in Bremen ist der Verein SOS-Kinderdorf aktiv und kümmert sich um Kinder, die nicht bei ihren Eltern leben können, um Jugendliche mit familiären Schwierigkeiten und Problemen in Schule und Ausbildung sowie um Familien, die Unterstützung im Alltag brauchen. Es gibt bei uns in Bremen verschiedene Angebote, beispielsweise eine therapeutische Wohngruppe, die Kinderwohngruppe Habenhausen, die Jugendwohngruppe Kattenesch, eine heilpädagogische Tagesgruppe, die Schulkooperationen in der Oder- und Kantstraße sowie die sozialpädagogische Familienhilfe und die Frühberatungsstelle in Kooperation mit dem Sozialzentrum Süd. Ein klassisches Kinderdorf befindet sich in Worpswede – das Einzige in ganz Bremen und Niedersachsen. SOS-Kinderdorf Bremen ist eine von derzeit 43 deutschen Einrichtungen des SOS-Kinderdorf e.V.

Vielfältige Unterstützung für Familien

Eine für Jedermann zugängliche Einrichtung des Vereins ist das SOS-Kinderdorf-Zentrum, mitten in der Bremer Neustadt. Mich interessiert, was sich in dem Gebäude an der Friedrich-Ebert-Straße 101 verbirgt und wie sich die Organisation in Bremen engagiert. Deshalb mache ich vor Ort einen Termin. Meine vier Monate alte Tochter darf mit, denn wie man mir sagt, handelt es sich schließlich um eine Einrichtung für Kinder. Stimmt, aber eine so herzliche Einladung ist nicht selbstverständlich.

lovebremen-blog-magazin-sos kinderdorf zentrum (1)

Quelle: SOS-Kinderdorf Bremen

Ich mache mich auf den Weg in die Neustadt und treffe auf Sylvia Schikker, die sich vor Ort um alles kümmert, was mit Öffentlichkeitsarbeit zu tun hat. Sie erklärt mir, dass sich das SOS-Kinderdorf als Stadtteil- und Familienzentrum versteht: eine Einrichtung, in der Kinder und Familien beraten und unterstützt werden. Ziel ist es, Familien einen Ort zu geben, an dem sie sich aufhalten können, unterstützt und gefördert werden. Das Angebot ist vielfältig: Vom Stillcafé und Hebammensprechstunde über Eltern-Kindgruppen und Gymnastik für Migrantinnen bis hin zu Deutschkursen für Flüchtlinge ist alles dabei. Wer Interesse an Veranstaltungen oder Beratung hat, wird im Programm fündig.

Offenes Café als Herzstück

Das Herzstück des SOS-Kinderdorf-Zentrums in Bremen bildet ein offenes Café. Es ist für jeden offen und das Publikum bunt gemischt – vom Neugeborenen bis zum Rentner. Da in dem Gebäude lange Jahre die Stadtteilbibliothek untergebracht war, erinnert eine gemütliche Leseecke mit einem Bücherbaum an diese Vergangenheit. Das Café hat jeden Werktag geöffnet und bietet den ganzen Tag verschiedene Kaffeespezialitäten an. Von 9 bis 11 Uhr kann dort jeder frühstücken, zwischen 12 und 13:30 Uhr gibt es Mittagessen und Montag bis Donnerstag wird von 14 bis 17 Uhr Kaffee und Kuchen angeboten. Gegessen und getrunken wird gemeinsam an großen Tischen. Ich bestelle mir einen Cappuccino und genieße ein wenig das bunte Treiben um mich herum. Hier ist Leben im Haus und es stört auch niemanden, wenn das ein oder andere Brötchenteil auf dem Fußboden landet. Das unterscheidet dieses Café von vielen anderen – hier sind Kinder willkommen, auch wenn sie den Boden in ihr Frühstück miteinbeziehen. Alles in allem entsteht eine Atmosphäre, in der ich mich mit meiner Kleinen richtig wohl fühle.

„Meet Sheila“ oder Ehrenamt als Bereicherung für alle

Um den Service im Café kümmern sich übrigens ausschließlich ehrenamtliche Mitarbeiter. Und die sind wirklich mit Herzblut dabei. Eine der Ehrenamtlichen ist Sheila O’Brian. Sie engagiert sich seit zwei Jahren im Servicebereich des offenen Cafés und ist jeden Dienstag im Einsatz. So auch heute. Ich komme mit ihr ins Gespräch und frage sie, wie sie dazu kam, sich in dieser Einrichtung zu engagieren. Sie schmunzelt und erzählt: „Ich war immer schon sehr aktiv, hatte immer viele Hobbies und suchte im Ruhestand nach einem zu mir passenden Ehrenamt. Ich habe mich über die verschiedenen Optionen bei Organisationen in Bremen informiert und bin gedanklich immer wieder beim SOS-Kinderdorf hängen geblieben. Der ständige Kontakt zu Kindern und Familien reizte mich, deshalb habe ich mich für diese Einrichtung entschieden“.

lovebremen-blog-magazin-sos kinderdorf zentrum (2)

Jeder, der das Café betritt, wird von Sheila begrüßt. Denn sie kümmert sich nicht nur um den Thekenbereich und die Kasse, sondern ist auch so was wie der erste Ansprechpartner im Haus, denn das offene Café liegt so zentral, dass man auf jeden Fall dort vorbeikommt. Zusätzlich gibt es eine Gastgeberin, die dafür da ist, die Gäste willkommen zu heißen und wenn Interesse besteht, über die Angebote im Haus zu informieren. Meistens erfolgt dies Hand in Hand mit der jeweiligen Servicekraft. Es trifft sich gut, dass Sheila es liebt, mit Menschen im Gespräch zu sein. Gern auch auf Englisch, denn sie stammt aus Irland. Kürzlich hat sie das neue Veranstaltungsprogramm des SOS-Kinderdorf-Zentrums ins Englische übersetzt. Sie ist eine der ehrenamtlichen Übersetzer, die den alle drei Monate erscheinenden Programm-Flyer des SOS-Kinderdorf-Zentrums in ihre jeweilige Sprache übertragen, um Interessierten mit wenig oder keinen Deutschkenntnissen den Zugang zu erleichtern. Seit Kurzem veröffentlicht das Stadtteil- und Familienzentrum sein Programm auch in den Sprachen Englisch, Arabisch und Französisch.

Wie aus einem Jahr Bremen fünfundvierzig wurden

Sheila O’Brian lebt schon seit 45 Jahren in Bremen. „Eigentlich wollte ich nach Frankreich, Italien oder Spanien. Dann bin ich von Dublin zunächst nach London und habe dort meinen deutschen Mann kennen gelernt und bin mit ihm nach Deutschland. Ursprünglich wollte ich nur ein Jahr in Bremen bleiben. Mein Aufenthalt war als erste Etappe auf dem Weg ins Ausland gedacht. Das ist jetzt 45 Jahre her. Inzwischen ist Bremen zu meinem zweiten Zuhause geworden“, berichtet die Irin schmunzelnd. Ich frage Sheila, was sie an ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit besonders mag. Sie muss nicht lange überlegen: „Die Vielfalt und der Kontakt zu ganz unterschiedlichen Menschen tun mir gut. Das gibt mir immer wieder neuen Input“. Sie berichtet strahlend vom gemeinsamen internationalen Kochen. Ein offenes Angebot, das dienstags an verschiedenen Terminen stattfindet. Jeder, der Lust hat, kann kommen und Rezepte und Ideen aus der Küche verschiedener Kulturen beisteuern.

lovebremen-blog-magazin-sos kinderdorf zentrum (3)

Helfende Hände sind immer willkommen

Über 60 Ehrenamtliche engagieren sich inzwischen für das SOS-Kinderdorf-Zentrum – vom Schüler bis zum Senioren sind alle Alterklassen vertreten. Aktiv sind sie im „Klamöttchen“, dem Second-Hand-Laden für Baby- und Kinderkleidung des Familienzentrums, bei der Hausaufgabenbetreuung, im offenen Café oder als Kursleiter. Denn ein breites Angebot an Unterstützung von Familien erfordert viele helfende Hände. Ich erkundige mich, wofür momentan Ehrenamtliche benötigt werden: Gesucht werden dort insbesondere Menschen, die mehrere Sprachen sprechen. Grundsätzlich gibt es zwei Richtungen für das Engagement, entweder in ein bestehendes Angebot mit festem Rahmen – wie das Klamöttchen oder das Café – einzusteigen oder aber zusammen mit dem SOS-Kinderdorf neue Angebote zu entwickeln. Es gibt beispielsweise einen Kreativraum und einen Computerraum, die noch nicht an allen Tagen genutzt werden. Oder ihr nehmt einen Spielenachmittag als Betreuer in die Hand.

Quelle: SOS-Kinderdorf Bremen

Quelle: SOS-Kinderdorf Bremen

Quelle: SOS-Kinderdorf Bremen

Quelle: SOS-Kinderdorf Bremen

Ich bin begeistert, mit welchem Enthusiasmus Ehrenamt in diesem Haus gelebt wird. Mir wird sofort eine wunderbare Herzlichkeit und Offenheit entgegengebracht – es wirkt auf mich wie eine große, offene Familie. Wer Teil dieser Familie werden möchte, kann sich hier informieren.