Es regnet. Seit Tagen. Ich ziehe die Jacke noch näher an mich ran und bibbere ein bißchen, während ich die Cuxhavener Straße in Richtung des alten Kaffee Hag-Gebäudes entlanglaufe. Ich biege in die Rigaer Straße und da stehen sie klitschenass und grau, die vielen Container. Hochgetürmt lassen sie das Schietwetter über sich ergehen. Es ist ein trostloser Oktober-Nachmittag im Holz- und Getreidehafen, das kann man nicht anders sagen. Morgen beginnt der Freimarkt, denke ich so bei mir. Da täte  eine kurze Regenpause durchaus gut…

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Aber die Überseestadt wäre eben nicht die Überseestadt, wenn man dort nicht auch ein einem Schietwetter-Tag irgendetwas entdeckt, was dem Ausflug dann doch noch eine gute Wendung gibt. Dieses Mal ist die Überraschung knallpink! In dieser Farbe leuchtet mir der Eingang der neuen „Lebkuchen-Manufaktur“ entgegen. Beleuchtete Fenster und ein paar Treppenstufen zum Eingang laden dazu ein, sich ein bißchen aufzuwärmen. Und Lebkuchen im Oktober? Ja, kann man auch schon machen. Also, nichts wie rein da.

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Es ist eine kleine Verkaufsfläche mit Holzpaletten, die zu Regalen umfunktioniert wurden, die mich erwartet. Deutlich größer ist hingegen die Produktionsfläche, die ich sofort beim Eintreten rechts von mir durch große Glasflächen sehen kann. Wird da etwas gerade … Woahh, ja…

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Da wird gerade ein Stück Lebkuchen nach dem anderen in heiße Schokoladenglasur getunkt. Und der Kollege eine Station weiter verziert Elisenlebkuchen mit Mandeln. Ich muss unwillkürlich an meine Schallplatte aus Kindheitstagen denken: „In der Weihnachtsbäckerei“ von Rolf Zuckowski. Die, mit dem Ausmalbild auf der Rückseite der Hülle.  Aber das ist ein anderes Thema…

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Inmitten der Verkaufsfläche steht Britta Coldewey, spricht mit einem Kunden. Hat aber dennoch ein willkommenheißendes Strahlen im Gesicht, als ich hineinkomme. Moment mal, die kenne ich doch… Woher, soll sich rasch aufklären: Britta Coldewey und ihr Mann sind das „Eis wie Sahne“-Ehepaar. Ja, ganz genau, der Eisstand, auf den sich wahnsinnig viele Bremer Jahr für Jahr aufs Neue freuen. Sowohl auf der Osterwiese als auch beim Freimarkt gehört der Eiswagen zu den traditionellen Ausstellern, ohne die man sich den ganzen Rummel kaum vorstellen mag. Und dieser Rummel steht in diesem Moment, den ich umgeben von Lebkuchen in der Überseestadt verbringe, unmittelbar bevor: „Müssten Sie nicht gerade auf der Bürgerweide sein und den Endspurt zum morgigen Start des Freimarkts absolvieren?“ frage ich sie. Sie lacht, das tut sie ohnehin gern, und berichtet, dass es schon verrückt sei – es sei das erste Mal, dass sie bis kurz vor dem Start noch nicht einmal vor Ort gewesen sei. Ihr Mann und ein Teil des Teams würden ihr gerade den Rücken freihalten, um die Lebkuchen-Manufaktur in Ruhe starten zu können.

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Elisenlebkuchen gibt es hier, um genau zu sein. Das sind die ohne Mehl. Die Produktion ist nicht mehr ganz neu, schon 2013 begann der Verkauf übers Internet. Außerdem steht ein Verkaufswagen in pinker Optik seitdem auch auf dem Bremer Weihnachtsmarkt, vis à vis zu den Stadtmusikanten. Wie beim Eis auf dem Freimarkt gilt auch auf dem Weihnachtsmarkt das Motto: Vor Ort entsteht die Leckerei. Weder das Eis noch die Lebkuchen werden mitgebracht, sondern erst im Wagen während der Veranstaltung hergestellt. Und im Falle des Lebkuchens nun eben auch in der Bremer Überseestadt.

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Vier Monate lang, von Oktober bis Januar, können Interessierte vorbeischauen, den Entstehungsprozess beobachten, Punsch probieren und Elisen in großen oder kleinen Mengen kaufen. Es ist keine Ecke Bremens, in der in der kalten Jahreszeit viel los ist, auf Laufpublikum können Britta Coldewey nicht in erster Linie setzen. Stammkunden müssen kommen – und dabei ist ihnen die Bekanntheit durch „Eis wie Sahne“ eine große Hilfe. Schnell würde sich derzeit das neue Geschäft unter der treuen Kundschaft herumsprechen. Ein bißchen ärgert sich die Eis-Lebkuchen-Unternehmerin, dass sie bei der Gestaltung des neuen Logos und des Namens auf einen Hinweis ihres bisherigen Kerngeschäftes verzichtet hat. Eis wie Sahne ist stets ein Hinweis, der Vertrauen und Sympathie schafft, erzählt sie mir.

Trotz des Trubels um das neu eröffnete Geschäft –  Britta Coldewey freute sich am vergangenen Donnerstag auf den Freimarkt. Inzwischen ist die erste Woche geschafft und viele Eistüten dürften über den Tresen gewandert sein. Vorwiegend die Kombi „Schokolade und Sahne mit Streuseln“. Die sei typisch für Bremen, hat mir Britta Coldewey verraten. Andererorts wäre der Geschmack ein ganz anderer. In Düsseldorf sei eine ganz andere Variante Favorit: Yoghurt und Kirmeseis mit Glasur.

Photos: Philipp Nöhr