Die 29. Folge vom Podcast VIER startet mit einem verhaltenen Freudentänzchen. Marcel und Andreas haben sie endlich gefunden, die Designrichtung, in der ihre Online-Anwendung künftig daher kommen soll. Es ist nur ein Entwurf, eine Idee. Aber eine Idee, bei der niemand der beiden „schreiend aus dem Raum“ gelaufen ist – und damit wieder ein kleiner Schritt ihres gemeinsames Startups „Impala“ auf dem Weg der Produktentwicklung. Und: Es ist ein StartUp-Moment, der in der Regel hinter verschlossener Tür vonstatten geht, denn wer will seine Außenwelt schon über Zwischenstände informieren, an den schwierigen Entscheidungsphasen teilhaben lassen und vielleicht auch mal Aussagen zurücknehmen müssen?

Marcel und Andreas wollen das. Sie haben sich dafür entschieden, die Gründung von Impala mit allen Herausforderungen, Erfolgen, Zweifeln und vielleicht sogar Rückschlägen offenzulegen. In ihrem Podcast berichten sie wöchentlich über das, was sich aktuell so tut und aus welchen Gründen. Mutig ist sie, diese Transparenz. Aber sie bringt ihnen auch einige Vorteile.

„Testnutzer sind nicht nötig. Wir entwicklen ja ein Produkt, das wir selber brauchen.“

Eine Form vom Customer Relationship Managment-Tool (kurz CRM) ist es, woran die beiden aktuell arbeiten. „Datenbank“ würde man das auf Behördenfluren vermutlich nennen, „Instrument zur Kundenpflege“ in einer traditionellen Marketing-Abteilung. In jedem Fall ist ein CRM eine Anwendung, die mir nicht nur erlaubt, meine Kontakte in einem digitalen Adressbuch zusammenzufassen, sondern Einträge auch mit allen Informationen der Kontaktpflege zu versehen: Wann haben ich diese Person wo das letzte Mal persönlich getroffen? Welche Newsletter hat sie von mir abonniert? Wann das letzte Mal angerufen? Je nach Branche gibt es sogar noch viele Informationen mehr, die aus einem potentiellen einen tatsächlichen Kunden machen. Notiert man sich zum Beispiel das Lieblingsrestaurant eines Kontaktes, nachdem er ihn beim letzten Messe-Klönschnack erwähnt hat, und schlägt man diesen Ort für das nächste Geschäftsessen vor, so sind einem zusätzliche Sympathiepunkte sicher. Oder vielleicht hilft es, wenn man weiß, mit welchen anderen Dienstleistern sich der Kontakt eine Bürogemeinschaft teilt – um sicherzustellen, dass man nicht aus Versehen ein Thema anspricht, dass diese Bürokumpanen auf keinen Fall wissen dürfen? Für mich wäre es beispielsweise spitze,  die Instagram-Reichweite eines Bloggers, mit dem ich zusammenarbeiten möchte, neben Mailadresse und Telefonnummer notieren zu können.

Allein diese drei konstruierten Beispiele zeigen: Die Ansprüche an solche Datenbanken sind mannigfaltig und sehr individuell. Die Zahl der bereits auf dem Markt verfügbaren Produkte dementsprechend hoch. Doch egal, welches bestehende Tool sich Marcel und Andreas anschauten, um es gegebenenfalls selbst zu nutzen, sie stießen immer wieder auf die gleichen Probleme: Entweder es war zu branchenspezifisch und zu starr in den vorgegebenen Funktionalitäten. Oder zu teuer für Gründer, Selbständige und Kleinunternehmer. Oder beides.  Die naheliegende Schlussfolgerung: „Dann programmieren wir das doch einfach selbst. Für uns – und für andere.“

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Seit Ende September investieren die beiden Freiberufler- neben ihren laufenden Kundenprojekten – mindestens einen Tag in der Woche in dieses gemeinsames Vorhaben. Noch stehen sie ganz am Anfang und wollen im ersten Schritt eine nützliche und erschwingliche Basis realisieren. Aber es gibt auch schon Visionen von Schnittstellen und  anderen Weiterentwicklungen.

Es ist nicht das erste Mal, dass sie zusammenarbeiten. Sowohl bezahlte Jobs haben sie schon gemeinsam abgewickelt als auch Gründungsideen verfolgt. Das erste Projekt, ein Online-Vermittlungsservice von Testnutzern für Usebility-Tests wurde hingegen tatsächlich realisiert. Das zweite haben sie allerdings abgebrochen, weil plötzlich jemand anderes genau das auf den Markt brachte, was sie vorhatten: Eine Anwendung für ein Fahrtenbuch. Der Konkurrent hatte es so gut umgesetzt, dass sie schnell entschieden, ihm das Feld zu überlassen. Dennoch: Sie kennen einander gut, wissen, worauf sie sich beim anderen verlassen können und dass gemeinsame Ideen nicht im Stadium eines Hirngespinstes  hängenbleiben.

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Etwas wirklich Besonderes ist ihre Entscheidung, den ungewissen Prozess von der Ideenfindung über die Ausarbeitung verschiedener Umsetzungsmöglichkeiten hin zum tatsächlichen Produkt öffentlich sichtbar zu machen. Interessierten zu ermöglichen, ihre Geschichte zu verfolgen – mit allen Höhen und Tiefen. Mit allen Zweifeln und Freudentänzen. In ihrem gemeinsamen Podcast, den sie einst mit ganz verschiedenen technischen Themen gefüllt haben, geht es nun nur noch um Fragestellungen rund um Impala. Gleich zu Beginn um die grundlegendste: Ist es eigentlich klug, so die Hosen runterzulassen? Birgt das nicht die Gefahr des Ideenklaus oder provoziert besserwisserische Kommentare von Menschen, die sich vor allem dann freuen, wenn man am Ende vielleicht doch scheitert?

„Die Transparenz im Podcast führt zum Wissensaustausch mit involvierten Hörern.“ Allen möglichen Gefahren zum Trotz entschieden sie sich für die Transparenz, sahen sie doch mindestens genauso viele Chance. Die Chance beispielweise, über die Veröffentlichung ihrer Geschichte bereits Bekanntheit  zu erreichen, die später beim Produkt-Start ein Sprungbrett sein kann. Oder aber die informative Interaktion mit ihren Hörern. Denn eins merken sie bereits zu Beginn: Der Wissensaustausch mit den Podcast-Konsumenten kommt auch ihrer Realisierung zugute. Nachdem sie sich in einer Folge über die Suche nach einem in Deutschland beheimateten cloudfähigkeiten Server austauschten, kamen  sogleich Hinweise und Empfehlungen der Hörer. Überhaupt, so erleben sie es, sind die Hörer durch die Zuspitzung des Podcast auf ein ganz bestimmtes Thema involvierte, es gibt mehr Feedback. Und genau dieses Feedback könnte an der ein oder anderen Stelle wichtig sein, die Web-Anwendung in die richtige Richtung weiterzuentwickeln. Nicht zuletzt bietet ihnen das öffentliche Gespräch Zeit zur Vergewisserung: Wissen wir, wo wir stehen und warum?

Eins sind die beiden in jedem Fall: konsequent in ihrer Entscheidung und ehrlich in der Umsetzung. So erfährt man in VIER beispielsweise etwas darüber, in welcher Form Andreas und Marcel ihren Entwickler in Stockholm bezahlen, warum sie sich nicht auf die Suche nach Investoren machen, wie schwierig die Namenswahl war, dass die beiden Hilfe von drei Mentoren in Anspruch nehmen und welche Fragestellungen sie aktuell durchkauen. Bei ihnen kann man nicht nur durch Schlüsselloch schlinsen, die Tür steht sperrangelweit auf und offenbart einen weiträumigen Blick auf das, was wohl nahezu jedes StartUp und jeder Gründer kennt: Unordnung in den Gedanken, optimistische Experimente, organisatorische Heruasforderungen, persönliche Grenzen, wichtige Erfolge zur richtigen Zeit.

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Ich kann sie mir vorstellen, die vielen Jungunternehmer, die beim Hören des – übrigens durch die Eigenheiten der beiden Protagonisten unglaublich unterhaltsamen – Podcasts, wissend nicken. Sich noch gut an die angesprochenen Arbeitsschritte und Gedankenspiele erinnern. Die froh sind, dass nicht immer nur scheinbar mühelos erreichte Erfolge den Weg nach draußen finden, sondern auch Geschichten vom Unfertigen. Sind wir nicht auch alle die fancy gestylten Instagram-Bilder leid, die die Vermutung nahelegen, dass jeder andere in phantastisch eingerichteten, stets aufgeräumten Wohnzimmern seinen Nachmittagskaffee schlürft, während bei einem selbst am unaufgeräumten Schreibtisch gerade die letzte Kaffeepfütze im hässlichen Comic-Becher kalt wird und schon leicht zu müffeln anfängt? Wie machen die anderen das bloß, fragt man sich in solchen Momenten. Marcel und Andreas zeigen, wie irreführend der Anblick eines einzelnen Ausschnitts ist. Sie bieten uns ein Puzzle aus Fort- und vielleicht auch Rückschritten. Und beantworten dabei, wie man es machen kann. Wenn man es wirklich will. Und sich die Zeit gibt, lieber einmal zu viel als einmal zu wenig über etwas nachzudenken.

Wenn Ihr mehr über Impala erfahren möchtet und Andreas Dantz und Marcel Böttcher persönlich erleben wollt, schaut morgen Abend beim Webmontag im Karton vorbei. Ab 19 Uhr erwarten Euch vier Vorträge – die beiden sind mit „Impala Origins: Wie unser Startup scheiterte oder ein Milliardenunternehmen wurde“ dabei.