In dieser Woche habt Ihr ja gelesen, was bei uns so los war: Jede Menge Artikel rund ums Thema Bier. Pete und ich sind vor einiger Zeit auf die Idee gekommen, eine Bier-Themenwoche zu veranstalten. Und zu diesem Anlass haben wir entschieden, unser eigenes Bier zu brauen. Wir hatten vom Bierbrauen bisher nicht die leiseste Ahnung, eher vom Bier trinken. Aber die Idee war geboren, das Vorhaben an den Rest der Crew kommuniziert und nun konnten wir keinen Rückzieher mehr machen.

Im Vorfeld mussten Megabytes an Literatur und Massen von Foren durchforstet werden, bis wir einigermaßen Ahnung von der Materie hatten. Wir wussten danach sogar, was wir ungefähr an Equipment brauchen würden. Ein Besuch im Baumarkt, auf dem Flohmarkt, ein altes Brau-Set von einem – schon hatten wir unsere Ausrüstung zusammen.

Zum Glück stand uns die Braumeister-Riege der Brau Union mit gutem Rat zur Seite, der wir fleißig Löcher in den Bauch fragen durften. Daraus entwickelte sich die Idee eines Wettkampfes: dem sogenannten Beer-Battle. Wir wollten wissen, ob wir im Heimbrau-Verfahren gegen die Profis anstinken könnten. Es sollte allerdings kein Retorten-Brau-Set mit fertigem Malzextrakt Anwendung finden. Stattdessen gab es bei uns nur natürliche Zutaten und den langen Weg über das Maischekochen. Das Internet sagt, dass man für seinen ersten Sud so 4-6 Stunden einkalkulieren sollte. Bei uns dauerte es im Endeffekt fast doppelt so lang.

Als Heimbrauer kommt man schon alleine bei der Beschaffung der Zutaten an seine Grenzen. Auf gängigen Hobby-Brauer-Webseiten kann man sich aber gutes Malz, Hefe und Hopfen besorgen. Das Malz kommt dann allerdings noch nicht geschrotet ins Haus. Wollten wir nicht 4 Kilo Malz mit der Knoblauchpresse schroten, mussten wir uns was einfallen lassen! Zum Glück durften wir im Bioladen „Kraut & Rüben“ in der Wulwestraße unser Malz durch die Mühle laufen lassen.

Die Zutaten waren im Haus, an einem Freitag sollte gebraut werden. Bei der Bierherstellung ist es wichtig, dass man sehr hygienisch arbeitet. Jedwede Infektion des Bieres während der Herstellung kann später bei der Gärung und Reifung zu ungewollten Geschmackserlebnissen führen. Deshalb habe ich vorher in der Apotheke 100%igen Alkohol besorgt und alles, was mit dem Bier in Berührung kommen würde, damit desinfiziert. Pete übrigens auch.

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Nun waren wir startbereit. Kurz nach dem Sandmännchen stellten wir den Kessel an, um unseren ersten Sud zu kochen. Diesen Prozess, bei dem der Malzzucker aus dem Getreide gebracht wird, nennt man auch Maischen.

Dabei ist es wichtig, dass man gewisse Rastzeiten bei den Temperaturstufen einhält. Die malzeigenen Enzyme können während dieser Rast wirken und den Malzzucker aus dem Schrot lösen. Für die Einhaltung der Temperaturen haben wir uns vorher ein Thermometer mit externem Fühler gekauft. Es gleicht ein wenig einem Drahtseilakt, über so lange Zeiträume eine konstante Temperatur zu halten.

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Generell gilt: Je länger die Zeit des Maischens, desto besser löst sich der Zucker, der später zu Alkohol umgewandelt wird. Während man auf die einzelnen Temperaturstufen erhitzt, ist es wichtig, dass man die Malzsuppe immer wieder umrührt. Wenn das Malz am Boden anbrennt schmeckt man dies nämlich später im Bier.

Nachdem wir mit Brauerjod einen Test gemacht hatten, um zu checken, ob noch Stärkereste im Sud zu lösen sind und der Test zum Glück unauffällig war, konnte das Maischen abgeschlossen werden.

Dann haben wir das Malzgemisch durch ein Sieb und anschließend durch eine abgekochte Stoff-Babywindel laufen lassen. Das mit der Windel hört sich komisch an, aber es gab kaum ein feineres Sieb in dieser Größe für unser Vorhaben. Jetzt hatten wir den Malzextrakt, der auch Bierwürze genannt wird, vom Malz getrennt. Im ausgekochten Malz, auch Treber genannt, sind jede Menge Zuckerreste enthalten, die wir natürlich auch noch lösen wollten. Dafür erhitzen wir Wasser auf 78°C und gossen es schwallartig über den Treber. Bei diesem sogenannten Läutern wird erneut Zucker aus dem Treber gespült und es entsteht eine etwas hellere Würze.

Die Würze habe ich danach wieder in den Kessel gegeben und ungefähr eine Stunde gekocht. Währenddessen haben wir immer wieder Hopfen in die Würze gegeben.

Ich nahm eine Probe und kühlte sie auf 20°C herunter. Nun konnten wir mit einer Bierspindel, auch Hygrometer genannt, den Stammwürzegehalt berechnen. Das ist wichtig, um später den Alkoholgehalt des Bieres zu bestimmen. Dabei probierte ich auch einen ersten Schluck unseres Bieres. Es war ein süßlich-malziges, lauwarmes Schlückchen. Aber was ich da schmeckte, hatte irgendwie noch so gar nichts mit dem zu tun, was am Ende dabei raus kommen sollte.

Als nächstes stand die Zugabe der Hefe auf dem Plan. Um jene Hefe nicht zu zerstören, musste ich die Würze nach dem Kochen auf Zimmertemperatur herunter kühlen. Ich habe das einfach in der Badewanne in kaltem Wasser und mit viel Umrühren gelöst.

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Da wir mit getrockneter Bierhefe gearbeitet haben, mussten wir diese erst in handwarmen Wasser reaktivieren. Die Hefe ist für die Herstellung von Bier extrem wichtig. Sie wandelt den Malzzucker in Kohlensäure und Alkohol um. Ohne Hefe also keinen Bumms im Bier.

Nachdem ich die Hefe in die Würze im Gäreimer gerührt hatte, waren wir erstmal zum Nichtstun verdammt. Wir hatten gar nicht bemerkt, wie die Zeit verflogen war und waren erst fertig, als der Morgen schon wieder graute.

Der Gärprozess sollte nun ungefähr eine Woche dauern. Mit der Bierspindel prüfte ich kurz vor Ablauf der Zeit wiederholt, ob sich die Dichte des Bieres verändert hatte. Als sich daran nichts mehr änderte, konnte ich davon ausgehen, dass die Hefe ihren Job gänzlich getan und ich nun tatsächlich Bier vor mir hatte. Die Berechnungen ergaben einen Alkoholgehalt von 5,4% Vol. Das Bier hat es also in sich.

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Und tatsächlich roch und schmeckte es schon richtig nach Bier. Lediglich das Prickeln von der Kohlensäure fehlte noch. Diese bindet sich erst bei der Nachgärung in den Flaschen im Bier. Man kann auch mit vorher abgenommener Bierwürze arbeiten, aber der Einfachheit halber haben wir eine Zuckerlösung berechnet und diese vorher mit einer Spritze in die gründlich gesäuberten Flaschen vorgeschossen.

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Die Abfüllung aus dem Gäreimer war mit dem Abfüllschlauch relativ einfach und bald funkelte uns eine Schar von gefüllten Flaschen entgegen.

Jetzt bleibt uns nichts weiteres zu tun, als das Bier eine Woche lang bei Raumtemperatur in den Flaschen ruhen zu lassen, um diese anschließend drei Wochen im Kühlschrank zu lagern. Durch die niedrige Temperatur kann sich die Kohlensäure im Bier besser lösen.

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Hätten wir vorher gewusst, welcher Aufwand mit der Herstellung unserer LVBRMN Limited Edition verbunden gewesen ist, hätten wir es uns vielleicht noch einmal anders überlegt. Vor jedem (Heim-)Braumeister ziehen wir also schon jetzt unseren Hut – und sind auf unser Endergebnis ganz furchtbar stolz.

Die Frage, wer den Beer-Battle gewonnen hat, kann leider hier nicht beantwortet werden, da die Flaschen noch in der Reifung sind. Es ist aber durchaus möglich sein eigenes Bier im Heimbrau-Verfahren herzustellen was uns persönlich einen großen Spaß bereitet hat.

Wenn Ihr 500 Jahre Deutsches Reinheitsgebot mit uns zusammen feiert, dann könntet Ihr Teil der Jury für den Beer-Battle werden. Haltet dafür am Samstag, den 23. April, hier auf lovebremen die Augen offen.