Mit Humor ist das ja so eine Sache: Selbst wenn er beim einen zündet, lässt er den nächsten manchmal nur müde lächeln. Und dann gibt´s da ja noch die regionalen Pointen-Vorlieben. Ich erinnere mich beispielsweise noch gut, wie ich als Norddeutsche zum Studium nach Heidelberg kam und viele Kommilitonen aus Baden-Württemberg meine ironischen Kommentare schlichtweg nicht verstanden.

Umso mutiger und ambitionierter ist es, sich als Nachwuchs-Comedian vor mehr als 100 Menschen auf eine Bühne zu stellen. Begeisterter Applaus oder höflich-aufgesetztes Schmunzeln? Die Reaktion des Publikums ist nicht vorhersehbar. Gerade dann nicht, wenn man noch ganz am Anfang seines Komiker-Hobbies steht. Aber wer es nicht ausprobiert, wird niemals herausbekommen, ob er mehr als nur seine Freunde zum Lachen bringen kann.

Davon ist auch Christin Jugsch fest überzeugt. Sie hat vor knapp einem halben Jahr damit begonnen, ihren Humor bei öffentlichen Auftritten zum Besten zu geben. Aber nicht nur das: Mit „Lachen ist Bremer Recht“ hat sie Bremens erste Open Mic-Reihe für StandUp-Comedy ins Leben gerufen. Premiere feierte das Ganze Anfang Januar im TOWER und ich wollte unbedingt wissen, ob´s funktioniert.

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„Es geht um authentische Geschichten.“

Christin und ich treffen uns eine Stunde vor Einlass im Club am Herdentorsteinweg. Gerade werden die zu Sitzbänken umfunktionierten Getränkekisten auf der Tanzfläche in Reih und Glied aufgestellt, die Comedians Bastian Block und Hannes Wendt sitzen in einer Nische und notieren noch ein paar Gedanken zu ihrem heutigen Programm. Insgesamt zehn Männer und Frauen – alle zwischen Anfang 20 und 40 – werden an diesem Abend für jeweils rund zehn Minuten ihre humorvolle Seite präsentieren. Christin ist aufgeregt, vor allem, weil sie keine Ahnung hat, ob der Tower überhaupt mit interessierten Gästen gefüllt sein wird. „Wir haben zwar über hundert Zusagen allein bei Facebook gesammelt, aber ob die alle tatsächlich kommen?“ Es ist Viertel nach sechs, die Türen sind noch zu. Wir werden sehen.

Christin ist eigentlich Schauspielerin, hat aber vor einer Weile den Sprung in die Comedy gewagt. „Ich probiere mich noch aus, lerne ständig dazu, stecke auf jeden Fall noch in den Kinderschuhen.“ Die ersten Schritte in diesen Schühchen hat sie in der Szene der Stadt gemacht, in der sie noch bis vor Kurzem gelebt hat: in Hamburg. Dort habe sich die Szene für StandUp-Comedy auch erst 2015 so richtig etabliert – jedenfalls in der Form, wie sie heutzutage vom Publikum als auch vom Comedian geschätzt wird: „Man möchte eigentlich niemanden auf der Bühne stehen haben, der einfach einen Witz an den nächsten reiht“, so Christin. „Es geht heute um authentische Geschichten. Um Comedy aus dem Herzen, in der echte Alltagserfahrungen verarbeitet sind, in denen man sich als Zuhörer wiedererkennt.“

„Wie ein kalter Big Mac.“

Dem stimmt auch Bastian Block zu. Zwar würden die großen Comedians wie Cindy aus Marzahn aufgrund ihres Namens ein großes Publikum zu Auftritten ziehen, aber der Zuschauer merke dann doch recht schnell, dass er nichts Überraschendes oder Inspirierendes am Ende mit nach Hause nimmt. „Diese Shows sind wie ein kalter Big Mac. Machen satt, aber das ist auch alles.“

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Seit Februar letzten Jahres lebt Christin in Bremen – noch vor ihren Umzugskartons hat sie also „Lachen ist Bremer Recht“ in die kleine Hansestadt gebracht. Der Idee einen Raum für die Premiere zu beschaffen war dabei das Schwierigste: Von allen potentiellen Locations, die Christin angeschrieben hatte, sei der Tower der einzige gewesen, der sich interessiert und verbindlich zurückgemeldet hat. Nachdem beide Seiten sich auf einen Termin geeinigt hatten, war es dann das leichtere Unterfangen, Nachwuchs-Comedians für einen Auftritt zu  gewinnen. Christins Kontakte in der Szene machten es mühelos möglich.

Es ist 19:15 Uhr, der Tower füllt sich mehr und mehr mit Gästen. Vor allem Studenten sind gekommen. „Ich bin echt happy! Von denen, die hier sind, kenne ich bislang nur drei Leute“, raunt mir Christin zu. Gegen 20 Uhr schallen dann ausnahmsweise keine Indie-Klänge durch den Tower, sondern „In Bremen, in Bremen, da lässt sich´s gut leben“. Ich muss das erste Mal lächeln. Und der Tower? Ist proppenvoll.

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Ungefähr zwei Stunden lang dauert die Abendunterhaltung. Wie erwartet haben mich die einen Comedians mehr umgehauen als anderen. Die Erfahrungs- und Qualitätsunterschiede waren durchaus erkennbar. Aber peinliche Stille? Nein, die gab es an diesem Abend nicht. Manchmal das typische „Oh, das hat er nicht wirklich gesagt“-Glucksen, wenn die Pointen in Fäkalhumor abzustürzen drohten oder mal wieder ein Mann-Frau-Klischee bemüht wurde. Doch das war deutlich seltener der Fall als echtes lautes Lachen. Und wie Bastian Block so schön im Vorgespräch sagte: „Lachen kannst Du nicht faken. Applaus ist trainiert, aber Lachen ist echt!“LOVEBREMEN-Blog-Magazin-Comedy-Tower01

Ja, es war ein lustiger Abend! Und nicht zu vergessen: Es war ein Abend, den keine professionelle Eventagentur auf die Beine gestellt hat, sondern eine Nachwuchs-Comedian, die auf eigenes Risiko einfach mal etwas ausprobiert hat. Und zurecht stolz auf sich sein kann, dass die Premiere so erfolgreich war.

Wenn Ihr selbst einmal bei „Lachen ist Bremer Recht“ euer komödiantisches Können zum Besten geben wollt – kein Problem. Meldet Euch einfach bei Christin (via Facebook-Nachricht beispielsweise). Und natürlich sind auch neue Zuschauer herzlich willkommen. Die nächsten Termine für´s Open Mic stehen schon fest: 22. Februar und 21. März, erneut im TOWER.

P.S. Leider hatte ich viel zu spät die Idee, die Kamera zu zücken und die Auftritte zu filmen. Erst bei den letzten beiden schoß mir die Idee durch den Kopf – daher nur ein ganz kleiner Appetizer für Euch: