In der Bremer Neustadt wohnt man gerne. Gemessen an den Einwohnern zählt der Stadteil mit über 43.000 Menschen zu dem Größten im gesamten Stadtgebiet. Und wo man wohnt, da lebt man auch. Einkaufen im Supermarkt, das Gespräch mit dem Nachbarn auf der Straße, laufen oder durchatmen im Park. Und abends gemütlich ausgehen und sich kulturell berieseln lassen. Aber spätestens bei dem letzten Punkt würde das Gros der Bremer jetzt eben nicht an die Neustadt denken. Zum Ausgehen und für Konzerte sind die Bahnhofsvorstadt und das Steintor-Viertel meist die erste Wahl. Dabei braucht sich die Neustadt gar nicht zu verstecken.

Hier tut sich was: Wo vorher Imbissbuden waren, ziehen Konzept-Gastronomien ein, teilweise mit einem vielfältigen Kulturprogramm. Sei es das Kuss Rosa oder das Kukoon im Buntentorsteinweg, das Gastfeld in der Gastfeldstraße, das Café Lisboa in der Friedrich-Ebert-Straße und viele weitere. Allen ist anheim, dass sie zum klassischen Konzept eines Lokals, in dem man seinen Kaffee oder sein Feierabendbierchen trinkt, den Gästen mehr geben möchten: Einen Wohlfühlraum für den ganzen Tag mit Platz für Begegnungen und der Möglichkeit, sich auch kulturell zu bereichern. So werden neben der Gastronomie auch Bühnen für Lesungen, Vorträge, Workshops, Konzerte, (Impro-)Theater, Poetry Slams, Ausstellungen und mehr geboten.
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Ein Beispiel dafür, dass sich Mut und Vision erfolgreich durchsetzen können, ist der Karton. Vis-a-vis mit dem Teerhof bietet das an der kleinen Weser gelegene Café eben einen solchen Wohlfühlraum. Die beiden Inhaber Nicolas Hirschmann und Timo Schumacher konnten mit weiteren Gefährten vorab bereits mit dem Kultureinrichtungshaus Dete experimentieren und haben den Bedarf für ein solches Projekt erkannt. Und so öffnete der Karton im November 2014 in der Alten Schnapsfabrik zum ersten Mal seine Türen.

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Gute Laune ist ansteckend.

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Kaffee und Kuchen in Chrom-Kulisse.

Café, Bar und Bühne will der Karton bieten – und dies gelingt auch. So gibt es von Dienstag bis Samstag nicht nur exzellente Kaffeespezialitäten: Der Gruß aus der Küche verspricht ausgewählte, vegetarische bzw. vegane Bio-Küche. Es gibt einen Mittagstisch, der von den umliegenden Büros im Teerhof oder der Alten Schnapsfabrik dankbar angenommen wird. In Zusammenarbeit mit dem Lilienthaler Fair Trade-Händler Utamtsi entstand eine eigene Karton-Kaffeemischung, die vor Ort für die Zubereitung der Kaffeespezialitäten genutzt, aber auch zum freien Verkauf angeboten wird.

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Die Bühne des Kartons im Hintergrund.

Nicht nur für den Bauch bietet der Karton passende Lösungen an. Auch der Kopf kommt hier nicht zu kurz. So werden Spiele- und Quizabende angeboten, es gibt Lesungen und Konzerte, die vom Publikum dankbar angenommen werden. Wer einmal in einem der Sofas bei einem Tee und einem guten Gespräch versunken ist, mag so schnell nicht wieder aufstehen. Die Atmosphäre ist beruhigend quirlig, die Stimmen der anderen Gäste verlieren sich im Raum, die wohlige Stimmung lädt zum Verweilen ein – man entspannt und vergisst hier sehr schnell die Zeit. Mit viel Liebe zum Detail ist die Vision einer Begegnungs- und Wohlfühlstätte wahr geworden.

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Das Tonic Water steht bereit.

Fruchtbarer Boden für weitere kreative Gastronomie-Ideen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich neben dem Karton ein weiterer Sprössling entwickelt hat: Das Papp. Hier wird Kneipe, Musik und Bühne geboten. Neben Konzerten und DJ-Sets kann man zu seinem Toast-Hawaii einen leckeren Cocktail aus der experimentellen Bio-Bar schlürfen. Das robust anmutende Interieur aus bearbeiteten Bauplanken im Mix mit hellen Farben erinnert an eine karibische Bar. Wenn es dunkel wird, hüllen Kerzen auf den Tischen den Raum in ein heimeliges Licht. Ein Ort, an dem man bei einem guten Gespräch durchaus auch versacken kann.

Zwei gute Beispiele für den neuen Trend, der sich abzeichnet. Die Neustädter Gastroszene hat sein Publikum verstanden. Sie reagieren damit auf den Wunsch, nach mehr Programm, nach gutem Essen in angenehmer Atmosphäre. Für die Zukunft wäre es schön, wenn der Trend hin zu kreativen Konzept-Gastronomien bestehen bliebe. Und vielleicht hört man in Zukunft ja dann mehr Menschen sagen, wenn sie gefragt werden, wohin sie zum Feiern gehen: „Natürlich in die Neustadt!“.

Übrigens haben sich lovebremen.de und der Karton frisch verliebt. Was dabei herauskommt, erfahrt Ihr ab morgen auf unserer Facebook-Seite.

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