„Und? Wie läuft das hier jetzt genau?“

Ich schmunzle in mich hinein. Es ist das nunmehr vierte Mal, dass ich an diesem Donnerstagmorgen die Orientierungslosigkeit bemerke, die auch ich bei meinem ersten Besuch im Baby-Hamam zusätzlich zur mit Reiswaffeln, Bademantel, Trinkflasche, Calendula-Lotion und Windeln prall gefüllten Saunatasche mit mir herumtrug. Dieses Mal – es ist mein dritter Termin – ziehe ich den Lütten im Ruheraum des Badehauses deutlich entpannter aus, während die anderen Mamas, die alle zum ersten Mal dabei sind, noch mutmaßen, ob die Windel des Kindes im Hamam anbleibt, wann wer duschen soll und was man mit dem Kind im Hamam eigentlich genau macht. Ein paar Antworten liefere ich über die Schulter hinweg, ein paar andere Perle (ja, das ist tatschlich ein Vorname!) vom Badehaus-Team, die  das Baby-Hamam betreut.

Dieses Mal komme ich mir fast schon wie ein alter Hase vor. Aber ich erinnere mich nur allzu gut, wie es mir drei Wochen zuvor ergangen ist: planlos. Rückblick gefällig?

Das erste Mal im Baby-Hamamlovebremen-blog-magazin-baby-hamam-badehaus-04

6:45 Uhr. Ich haste zum gefühlt siebzehnten Mal bei uns zuhause die Treppe zwischen Erdgeschoss und erstem Stock hinauf. Hab ich genügend Handtücher? Wie viele brauche ich überhaupt? Verflixt, wo sind meine Badelatschen? Ein Mütze für den Lütten nicht vergessen! Ob er zwischendurch wohl was essen will? Bei all diesen Fragen und dem Versuch, sie mit den richtigen Handlungen zu beantworten, habe ich noch meinen Schlafanzug an. Das werde ich jetzt aber schnell mal ändern, damit wenigstens ich schon fertig bin, wenn… Wuaaah, zu spät. Er ist wach.

9 Uhr. Eine Herausforderung!

Das Baby-Hamam im Badehaus Bremen findet in der Herbst-Winter-Saison dienstags und donnerstags ab 9 Uhr statt. In Worten: neun Uhr! Oder übersetzt in die Neu-Mama-Zeitrechnung: Mitten in der Nacht! Eine Uhrzeit, zu der ich sonst bereits eine Stunde im Büro saß, verlangt aktuell hocheffizientes Projektmanagement. Die kleinste Abweichung in der ausgeklügelten Mama-Kind-Morgen-Routine kann schnell zu 30+ Minuten Verspätung führen. Das Lebensmotto „Der Weg ist das Ziel“ hat bei frühen Terminen keine Berechtigung. Das Ziel ist das Ziel!

Ich habe meines fest im Blick: Heute geht´s endlich mal ins Baby-Hamam, basta! Keine Ausrede, schließlich freue ich mich schon monatelang darauf. Worauf genau ich mich freue? Keine Ahnung, denn ich habe keinen Schimmer, was mich dort konkret erwartet. Aber mich treibt die Hoffnung, irgendetwas von dem wohltuenden Gefühl abzubekommen, das ich in den vergangenen Jahren immer wieder im Badehaus genossen habe.

Angespornt von dieser Vision steige ich tatsächlich zwanzig vor neun mit einem satten, gutgelaunten und warm angezogenen Baby und meiner umfangreich ausgestatteten Saunatasche in den Bus. Selbst ich bin vollständig bekleidet und gewaschen. „Yeah!“ Ich richte mich stolz noch ein bißchen mehr im Bussitz auf. „Ich bin eine Heldin!“ Okay, eine bereits etwas abgekämpfte, wenn man genau hinschaut, aber wer tut das schon?

Erste Male im Elternzeit-Kursprogramm-Dickicht bestreitet man am besten mit frischgebackenen Müttern, die ebenso ahnungslos sind wie man selbst. Und so freue ich mich, dass ich beim Abstellen des Kinderwagens im Eingang des Badehauses direkt Nora treffe, mit der ich verabredet bin. Wow, sieht sie chic aus: Geschminkt und in bester Klamotte. Ich stehe hingegen ohne Rouge auf den Wangen oder Tusche auf den Wimpern im cozy Gämmellook da. Egal, beruhige ich mich, gleich sind wir eh alle nackig und geduscht, da ist das auch egal. Aber dennoch bin ich beeindruckt – wie hat sie das mit Lippenstift & Co. heute morgen auch noch geschafft?

Wir befreien unsere Kinder aus ihren Wagen, kraxeln in den ersten Stock und bekommen am freundlichen Empfang ein paar einleitende Infos, Hamamtücher für Klein und Groß sowie die Schlüssel zu unseren Schränken. Der Lütte kriegt währenddessen von Noras Baby, das im Unterschied zu ihm schon sitzen kann, erst einmal einen Klaps zum Wachwerden auf den Kopf. Der Lütte verzieht daraufhin keine Mine. Schlauer Bursche – was soll man auch machen, wenn man auf dem Bauch liegend ohnehin den Kürzeren zöge?

Bikini oder nicht?

In den Umkleiden liegt er dann schon wieder rum, dieses Mal auf dem Rücken. Ich ziehe erst mich aus, hülle mich in den Bademantel, dann ist er dran. Großer Fehler, wie ich am Ende des Baby-Hamam merken soll…. Ein vermeintlich zweiter Fehler offenbart sich, als ich mit Baby auf dem Arm meine Sachen im Ruheraum abstelle: Wieso tragen hier alle Frauen einen Bikini? Ich krame in meiner Erinnerung. Nein, noch NIE habe ich jemanden im Hamam einen Bikini tragen sehen. Beim Baby-Hamam scheint das hingegen der Dresscode zu sein. Tja, ich hab keinen dabei. Und so verbringe ich später meine zwei Dampfbad-Gänge mit fest um dem Körper geschnürtem Hamamtuch, um nicht als einzige barbusige Frau alle Babys zu erschrecken. (Bei meinen weiteren Besuchen stelle ich dann fest, dass mein Ohne alles-Ansatz durchaus der richtige ist und es reiner Zufall war, dass bei meiner Baby-Hamam-Premiere alle anderen Mamas badebekleidet waren. Ist eigentlich nicht üblich.)lovebremen-blog-magazin-badehaus

Worüber allerdings Einigkeit besteht: Die Babys dürfen und sollen splitterfasernackt sein. Das hatte ich bereits  am Telefon als Info bekommen, Perle sagt es uns aber auch noch mal. „Am besten, ihr zieht die Babys ganz aus, geht dann selbst duschen und danach ins Hamam.“ Ich nehme die Aufforderung, dass nur ich duschen soll, wörtlich. Ich schlappe also mit dem Lütten in Richtung Dusche, um mich dort fragen, was ich mit dem Knirps denn jetzt machen soll? „Ich leg Dich hier ganz kurz hin, ja?“ Ich warte die zustimmende Antwort, die ohnehin nicht kommen kann, nicht weiter ab – zack, liegt mein nackiges Baby vor der Dusche auf einer Badematte. Auf dem Bauch. Und macht große Augen.

Ich dusche in rasender Geschwindigkeit, freue mich, dass ich mir um verlaufende Wimperntusche keine Sorgen machen muss, schnappe mir mein Hamamtuch sowie mein Kind und gehe richtung Dampfbad. Als ich die Tür öffne, weht mit der vertraute Schwall wohltuende nasse Wärme entgegen  – und in diesem Moment freue ich mich sehr, hier zu sein.

Wer sitzen kann, ist klar im Vorteil!

Im Hamam stehen drei Babybadewannen, gefüllt mit warmem Wasser und einigen bunten Spielbällen. Der Lütte schaut sich skeptisch um, während Noras Tochter bereits neugierig die Umgebung erforscht. Ich setze meinen Sohn vorsichtig in eine der Badewannen – ja, mag er. Von Minute zu Minute mehr. Super für ihn, etwas unbequem für mich. Wir erinnern uns: Little boy kann noch nicht so gut sitzen, dass er nicht über Kurz oder Lang umfällt wie ein betrunkener Flamingo. Sieht auf einer Decke meist putzig aus, wie er so zur Seite plumpst, im Wasser ist das allerdings nur semi-amüsant. Daher hat Mama immer schön eine Hand an der Schulter liegen . Und mit der anderen sichere ich das Hamam-Tuch, damit mein Bikini-Fauxpas nicht doch noch zu offensichlich wird.

Ich beneide die Mamas, die währenddessen entspannt auf den Hamam-Bänken sitzen und mit kreisenden Bewegungen Salz über ihre Haut rubbeln. Das will ich auch, denke ich so bei mir und hebe den Lütten aus der Wanne. Der kann doch auch prima sein kleines Bäuchlein auf die warme Hamam-Bank legen und dort entspannt das Geschehen beobachten…. Ähm, okay. Nein, kann er nicht, wie er mit protestierenden Lauten unmißverständlich deutlich macht. Also zurück in die Wanne. Gestützt von Mamas Hand. Entspannungsfaktor? Nun jaaa..

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Zehn bis fünfzehn Minuten lautet die empfohlene Dauer eines Hamaganges mit Baby. Zwei, maximal drei pro Besuch. Ich entscheide nach dem zweiten Gang – mit Blick auf die Uhr und in das müde Gesicht des Kindes -, dass es genug ist.  Außerdem bin auch ich inzwischen etwas k.o. Vom Kind-im-aufrechten-Sitz-Halten, vom Kind-am-Runterfallen-von-der-Ruheliege-Hindern, vom Kind-von-anderem-Babyweinen-Ablenken, vom zugewandt-Zuhören-was-die-anderen-Mamas erzählen, vom Selbst-etwas-dazu-Sagen, von der Wärme und überhaupt. Also: Abmarsch!

Und in diesem Moment bemerke ich den großen Fehler, den ich am Anfang gemacht habe: Alle Klamotten vom Lütten sind bei meinen in der Umkleide. Und in der kann ich ihn weit weniger gut anziehen als im Ruheraum auf den Liegen. Was gerade dann zum Problem wird, wenn er sehr sehr müde ist – und das ist er nach seiner Hamam-Premiere. So stehe ich also kurze Zeit später halb angezogen in der Umkleide und versuche, das quengelnde auf dem Boden liegende Kind möglichst schnell und dabei noch sanft in seine Winterbekleidung zu bekommen. Kein Spaziergang! Ich schwitze inzwischen so sehr in meiner eigenen Klamotte, in der auch noch die Wärme aus dem Hamam hängt, dass ich eins einsehen muss: Den Hauch Entspannung, auf den ich gehofft habe, habe ich heute nicht bekommen. Aber…lovebremen-blog-magazin-baby-hamam-badehaus-05

… die Belohnung kommt mit etwas Verzögerung dann doch noch. Denn ein hamam-müdes Baby schläft anschließend recht schnell und fest. Und so schiebe ich mit dem Kinderwagen auf den Domshof, kaufe in Ruhe (!) Obst, Käse und Gemüse ein und genehmige mir etwas, was unglaublich gut tut: einen grünen Smoothie von Nora´s Deli, die aktuell immer mittwochs und donnerstags auf dem Markt zu finden ist.

So klappt´s mit dem Baby-Hamam

Ja, so war es, mein erstes Mal mit Baby im Badehaus. Klingt stressig? Ja, das war es tatsächlich ein bißchen. Aber schon beim zweiten Besuch ging alles leichter von der Hand und beim dritten Mal noch viel mehr. Von daher lasst Euch bloß nicht von meinen augenzwinkernden Schilderungen abhalten. Wie alle Babyaktivitäten, die man mit Zwerg absolviert, ist auch der Hamam-Besuch eine schöne Gelegenheit, die Sinne des Kindes anzuregen, das Nähebedürfnis (in diesem Fall sogar mit Haut-auf-Haut-Erlebnis) zu stillen, etwas Zerstreuung von Haushalt & Co. zu bekommen und sich mit anderen Mamas auszutauschen. Daher: klare Empfehlung für alle, die früher schon gern sauniert haben.

Zum Abschluss meine Tipps für einen gelungenen Ablauf beim Hamam-Besuch mit Baby:

  • Packt eure Tasche komplett am Abend vorher.
  • Zieht dem Baby auf jeden Fall einen Wickelbodie und auch sonst eher legere Kleidung an.
  • Entkleidet das Kind – abgesehen von Jacke und Mütze – erst im Ruheraum und zieht es auch dort am Ende langsam wieder an.
  • Ein paar Eurer Kleidungsstücke könnt Ihr ebenfalls mitnehmen und zum Abschluss bereits  im Ruheraum anziehen (Unterwäsche und Shirt) – das verkürzt die Zeit in der Umkleide, die manche Babys nicht mehr ganz so dolle finden.
  • Kommt im besten Falle mit einer anderen Mama, die mal auf Euer Kind achten kann, wenn ihr unter die Dusche wollt o.Ä.
  • Nehmt ansonsten das Baby einfach mit unter die Dusche.
  • Steckt für die Pausen zwischen den Gängen eine Schwimmwindel ein.
  • Stillt wo und wann immer ihr und das Baby es wollt.
  • Geht gar nicht erst los, wenn ihr am Morgen wisst, dass der Rhythmus des Kindes dafür sorgt, dass es zwischen 9 und 11 Uhr normalerweise schlafen würde.
  • Seid Euch im Klaren darüber, dass der Badehaus-Besuch vermutlich nicht rundum entspannend sein wird – jedenfalls nicht für Euch.
  • Schleppt daher auch keine Masken, Peelings oder anderen Wellness-Chichi mit. Salz und Sheabutter gibt´ vor Ort, für alles andere ist eh keine Zeit.
  • Vergesst nicht, Euch für einen Termin anzumelden, denn das ist Pflicht. Acht Plätze sind pro Termin zu haben.

Also, dann schnappt Euch bei diesem öddligen Wetter doch am besten gleich mal den Telefonhörer und meldet Euch im Badehaus an. Und wenn Ihr noch Fragen habt, stellt sie gern in den Kommentaren!