Die Sache mit der Weltherrschaft, ich glaube, die kann ich mir abschminken. Aber vielleicht reicht´s ja noch zur Weltenbummlerin? Ob ich dieses Ziel mit Mitte 30 wohl noch ansteuern kann? Dafür bräuchte ich auf jeden Fall professionelle Starthilfe. Was das Entdecken ferner Länder betrifft, bin ich nämlich sowohl Quereinsteigerin als auch Spätzünderin.

Während meine Mitschülerinnen und Mitschüler gleich nach dem Abi ihre Koffer packten, um quer um den Erdball zu reisen, empfand ich 1999 den Kauf eines „Vier-Fahrten-wohin-Du-willst-in-Deutschland“-Bahnticktes schon als verwegenen Beweis meiner neugewonnenen post-schulischen Freiheit. Als meine Kommilitonen später die Semesterferien dafür nutzen, in Kambodscha nach historischen Steinen zu buddeln oder allein mit dem Rucksack durch Neuseeland zu stapfen, waren französische Schokocroissants zum Frühstück oder ein italienisches Panini auf die Hand in der vorlesungsfreien Zeit die einzigen internationalen Fußabdrücke in meinem Leben – und die hinterließen keine exotischen Erinnerungen im Kopf, von denen man in geselliger Runde lebendig erzählen könnte, sondern Hüftgold am Körper. Urlaub machte ich zu dieser Zeit am liebsten an der Nordsee. Kurz gesagt: Mich packte niemals das Fernweh und Zuhause war es irgendwie immer am Schönsten.

Ich musste 33 werden, um erstmals außerhalb Europas unterwegs zu sein. Und da hab ich mir dann auch gleich mal eine (für mich) herausfordernde Variante ausgesucht: Allein nach Bali. Drei Wochen. Ohne zu wissen, wo ich wann schlafen würde.  Schön war das. Aber auch ein bisschen einsam.

Meine zweite Fernreise liegt erst wenige Wochen zurück: mit Mann und Baby im Wohnmobil durch British Columbia. Schön war das. Aber auch ziemlich anstrengend.

Für das kommende Jahr plane ich ein paar Tage in St. Peter-Ording – augenscheinlich hat mich das Reisefieber noch immer nicht infiziert. Aber ohne dieses Fieber wird das ja nichts mit dem Weltenbummlerstatus.

Vielleicht bin ich es falsch angegangen? Vielleicht brauche ich einfach etwas Nachhilfe? Versuch macht kluch, daher habe ich mir Rat bei einer Bremerin geholt, die genau weiß, wie das geht mit dem Bereisen der Welt, dem Packen der Koffer und dem Befreunden mit Fremdem: Bloggerin Aylin Krieger. Gemeinsam mit ihrem Mann Stefan berichtet sie im Netz über Reisen in nahe und ferne Länder. Nun ist sogar das erste Buch der beiden erschienen: „101 Dinge, die ein Weltenbummler wissen muss„. Bei ihr habe ich mal vorgeführt, ob das noch was werden kann –  mit mir und dem Weltenbummeln.

Reisetipps von Weltenbummlerin Aylin

lovebremen-blog-magazin-101dinge-weltenbummler02

Aylin, 101 Dinge müsste ich also wissen. Womit sollte ich denn anfangen? Ohne welchen Tipp bin ich schon vor meinem Start ins Weltenbummlertum verloren?

Die wichtigste Grundregel für Weltenbummler ist: Neugierig sein. Reisen beginnt im Kopf, weil man sich auf Neues einlassen muss. Direkt danach folgt: Relaxt sein- denn auf Reisen gehen immer Dinge schief und es kommt anders als man denkt. Das ist ja auch der Unterschied zwischen Reisen und Urlaub machen: Wer einen Urlaub im All-Inclusive Hotel bucht, möchte nicht überrascht werden. Darum checken wir ja vorher alle Bewertungsportale. Wer auf eine Reise geht, der möchte Neues entdecken und auch mal überrascht werden.

Und wenn ich dann in den Olymp der Weltreisenden eingezogen bin, welcher Tipp aus Eurem Buch verleiht meinem ratslosen Dasein dann den allerletzten Schliff?

Je mehr man reist, desto praxiserprobter ist man. Du hast sicher auch schon die ein oder andere Lektion von Deinen beiden Fernreisen mitgenommen: Wie man den Rucksack leicht packt, was unbedingt in die Reiseapotheke gehört, wie man die ideale Route findet, günstige Flüge bucht usw.
Mein finaler Tipp ist, dass vor allem langsames Reisen der Schlüssel zu tollen Erfahrungen ist. Wer langsam reist, also zum Beispiel mehr lokale Transportmittel nutzt, auch mal die Städte besucht, die nicht auf der Top-10-Liste stehen und etwas länger an einem Ort bleibt, erlebt ein Land viel intensiver. Die Atmosphäre, das Wesen einer Region, kann ich nur mit Zeit aufsaugen. Genau das reizt mich am Reisen.

Welche Reisevariante ist am Anfang die beste, um Gefallen am Entdecken anderer Kulturen zu finden? Sollte man lieber allein unterwegs sein, um das Tempo entsprechend seiner eigenenBedürfnisse zu wählen, oder würdest Du zu einer Begleitung raten?

Wenn man das erste Mal mit dem Rucksack unterwegs ist, fühlt man sich schon wohler, wenn man nicht alleine ist. Alleine zu reisen ist noch intensiver, weil man sich ja nicht rückversichern kann- Ist der Typ vertrauenswürdig? Ist das nun ein gutes Angebot? Traut man sich einen drei Tage Trek durch die Wildnis zu? Darum denke ich schon, dass es einfacher ist, mit jemandem zusammen zu reisen.

Das führt zum zweiten Punkt: die Wahl des Reisepartners. Unterwegs hockt man viel Zeit aufeinander, muss ständig Entscheidungen treffen, in Stresssituationen ist man ja auch angespannter. Da kann’s auch krachen. Darum sollte man vorher gemeinsam klären: Wieviel Komfort braucht man? Wie hoch ist das Tagesbudget? Welche Aktivitäten will man unbedingt machen? Und egal wie toll man aufeinander abgestimmt ist: Dem Anderen Raum geben, auch mal alleine was zu machen. Tolerant miteinander zu sein ist das A&O. Und offen kommunizieren. Man könnte auch sagen: Reisen ist der ultimative Freunschafts- bzw. Paartest. ☺

Bali und Kanada waren meine ersten Ferndestinationen. Eine gute Wahl für den Einstieg oder hättest Du mir eine andere Destination empfohlen?

Bali ist ein toller Einstieg für Asien. Klein, kompakt, dennoch vielseitig und kulturell anders. Kanada hat natürlich den Vorteil, dass man sprachlich keine Probleme hat (vorausgesetzt man spricht Englisch) und in einem sehr entwickelten Land auf eine gute Infrastruktur zurückgreifen kann. Du hast also einen guten Riecher gehabt!

Für eine erste Rucksackreise finde ich Thailand klasse: die Infrastruktur ist bereits sehr ausgebaut, was das Reisen total erleichtert. Trotzdem hat man schon das Gefühl, in eine fremde Kultur eintauchen zu können. Kulinarisch gehört die Thai-Küche zu meinen liebsten weltweit. Wer alleine auf die erste Reise geht, dem empfehle ich Länder, wo man auf andere Reisende trifft und die Infrastruktur gut ist. In Europa wären das zum Beispiel Portugal, Spanien oder auch Slowenien. Die Klassiker Australien und Neuseeland sind natürlich auch beliebte Ziele für erste Individualreisende.

Ein Wunsch-Ziel zu finden ist ja das eine, die konkrete Vorbereitung dann noch eine ganz andere. Wieviel Zeit steckt Ihr als erfahrene Weltenbummler vorher in die Reise? Und was würdest Du Einsteigern raten, im Vorfeld zu tun?

Die Auswahl eines Wunschziels ist bei uns gar nicht so schwer, wir finden eigentlich überall auf der Welt etwas Schönes oder Interessantes. Wir lesen natürlich über das ganze Jahr viel auf Reiseblogs, um uns inspirieren zu lassen. Wir stecken zu Beginn ein paar Dinge ab: Wann reisen wir (das ist relevant für Klimazonen, also wo es zu dem Zeitpunkt auf der Welt gerade gutes Wetter gibt) und wieviel Geld können wir ausgeben? Dadurch grenzen wir die Auswahl ja schon mal erheblich ein. Steht eine Region fest suchen wir uns ein paar Aktivitäten/ Sehenswürdigkeiten raus, die wir unbedingt erleben wollen. Meistens ist das ein Mix aus Kultur, Outdooraction und Entspannen.

In der Regel buchen wir nur den Flug und die Unterkunft für die erste Nacht. Den Rest entscheiden wir dann vor Ort. Mittlerweile bereiten wir eine Reise also nicht mehr so umfangreich vor.
Für Einsteiger empfehle ich, vorher Klima und Budget zu checken. Natürlich sollte man prüfen, welche Impfungen notwendig sind und eine Auslandskrankenversicherung ist auch wichtig. Für die erste Nacht nach der Ankunft sollte man sich eine Unterkunft buchen, das ist viel entspannter- nach vielen Stunden im Flieger noch Hostels abklappern? Kann stressig sein. Die Ausrüstung hängt wesentlich vom Klima und den Aktivitäten ab. Aber kein Stress- die meisten Produkte kann man wirklich überall kaufen. Was ich immer mitnehme: meine Fließjacke. Die ist leicht, trocknet schnell und hält warm.

Du sagst, dass Reisen eine Geisteshaltung sei. Welche Haltung ist das genau?

Das Wichtigste was ich von unserer Weltreise mitgenommen habe ist der Blick für das Besondere. Ich glaube das ist etwas, das Kinder besonders gut können: Faszination im Kleinen, in Details sehen. Das habe ich, wenn man es so will, wieder neu gelernt. Links und rechts schauen, Schönheit auch im Alltag zu entdecken. Das macht man ja in fremden Ländern automatisch, weil das Neue so offensichtlich ist. Das meine ich mit Geisteshaltung: offen und neugierig durch die Welt gehen, sich selber reflektieren und das Besondere überall zu suchen. Ich versuche mir das auch daheim in Bremen zu bewahren.

Stefan und Du habt feste Jobs in Bremen-  so geht es ja vielen. Wie kriegt man es dennoch hin, viel in der Ferne unterwegs zu sein? Wie macht Ihr das konkret?

Puh, wenn ich jetzt mal ganz ehrlich bin: Dass ich nicht spontan in den nächsten Flieger springen kann, weil ich ja auch „nur“ 30 Tage Urlaub im Jahr habe, macht mir immer noch zu schaffen. Wir probieren darum pro Jahr eine dreiwöchige Fernreise zu machen. Und dann noch jeweils ein paar kleinere Reisen, schön verteilt über das Jahr. Für meinen Job bin ich glücklicherweise auch immer mal wieder auf Dienstreise ins Ausland. Außerdem haben wir uns für 2017 vorgenommen, jeden Monat mindestens einen Kurztrip über’s Wochenende zu machen. Und im stillen Kämmerlein hegen wir Pläne für Langzeitreisen- dass unsere Weltreise unser letztes großes Reiseprojekt war, glauben wir beide nicht.

Wenn es bei Euch dann doch mal nicht klappt, frei zu nehmen, Euch das Fernweh aber kräftig plagt, was macht ihr dann? Gibt es Orte in Bremen, an denen ihr es lindern könnt?

Mein persönlicher Lieblingsort ist der Molenturm in der Überseestadt. Der Blick auf die offene Weser, die Windräder in der Ferne, die Möwen- der Ort hat einfach was Magisches für mich. Generell liebe ich den alten Holzhafen: Riesige Container und die alten Lagerhallen, da weht für mich der Duft der weiten Welt.

Auf einer Skala von 1 bis 10, auf der 10 für „phänomenal gut“ steht: Wie stehen die Chance für eine nordseeverliebte Mittdreißigerin mit Familie, in diesem Leben noch eine Menge von der Welt zu sehen?

Ich glaube sehr gut! Wenn man mit Kind und Kegel die Welt bereisen möchte, geht das. Dann reist man eben etwas langsamer und/ oder komfortabler. Aber weißt Du, es ist ja auch nicht so, dass man nur glücklich wird, wenn man reist. Jeder Mensch ist individuell und ich freue mich einfach für jeden, der sein persönliches Glück gefunden hat- und das kann an der Nordsee genauso liegen wie auf einer karibischen Insel.

Das ist ein Schlusswort nach meinem Geschmack, Aylin. Danke für die Einblicke in Euer Weltenbummlertum! Und danke für die drei Exemplare Eures Buches, die wir verlosen dürfen. Großartig.

Gewinnt zu Weihnachten Weltenbummler-Wissen!

lovebremen-blog-magazin-101dinge-weltenbummler01

 

Ja, ganz recht, Ihr könnt ein Exemplar des Buches „101 Dinge, die ein Weltenbummler wissen muss“ von Aylin und Stefan gewinnen. Verratet uns bis zum 23. Dezember in einem Kommentar, welche Reise – ob nah oder fern – Eure bislang schönste war. Mit etwas Glück liegt das Buch dann schon bald auf Euren Lesestapel. Und pssst – für reisebegeisterte Menschen wäre das auch ein schönes Weihnachtsgeschenk made in Bremen.

 

 

Teilnahmebedingungen
Das Gewinnspiel endet am Freitag, 23.12.2016 um 23:59 Uhr. Eine Verlängerung, Verkürzung oder Absage des Gewinnspiels ohne Angabe von Gründen behalten wir uns vor. Teilnahmeberechtigt sind alle, die mindestens 18 Jahre alt sind und ihren Wohnsitz in Deutschland haben.
Zu gewinnen gibt es jeweils ein Exemplar des Buches „101 Dinge, die ein Weltenbummler wissen muss“. Die Gewinner werden zufällig durch das Los bestimmt und nach Auslosung per Mail benachrichtigt. Nach einem erfolgreichen Adressaustausch wird das Buch per Post an den Gewinner verschickt. Sollte sich der Gewinner nicht binnen einer Woche zurückmelden, wird der Gewinn erneut verlost. Der Gewinn kann nicht ausgezahlt werden!
Irrtümer vorbehalten, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.