Gastbeitrag vom Bremer Taxiblogger

Ein elegant gekleideter junger Mann winkt mich heran. Und auch sonst sieht er gut aus und scheint aufgeschlossen, nett und freundlich zu sein. Er nennt mir als Fahrtziel „Rablinghausen“.

Wir unterhalten uns über sein Leben, beruflich scheint es bei ihm bestens zu laufen, nur mit der „Frau fürs Leben“ scheint es nicht zu funktionieren. Deswegen ist er auch heute in den Bars & Pubs der Hansestadt unterwegs gewesen, um eine kennenzulernen. Es hat heute wieder nicht geklappt, etwas traurig sagt er: „Ich habe einfach kein Glück…“

Wir stehen gerade an einer roten Ampel in der Neustadt, als der Bus der Linie N3 nach Rablinghausen vor unseren Augen die Haltestelle „Westerstraße“ verlässt. Von der anderen Straßenseite ruft eine junge Frau verzweifelt „warte bitte!“ und versucht, den Bus noch zu erreichen. Doch der Busfahrer hat sie wohl nicht gesehen und fährt weg. Mein Fahrgast hat die Szene beobachtet und sagt zu mir: „Oje, das ist ärgerlich. Der nächste Bus fährt doch erst in 1 Stunde…sie will wohl auch in unsere Richtung, können wir sie mitnehmen?“

„Kein Problem,“ antworte ich und halte mit dem Taxi an der Haltestelle. Der junge Mann öffnet das Fenster und sagt zu ihr: „Hast du den Bus verpasst? Ich fahre gerade nach Rablinghausen, vielleicht können wir dich ja ein Stück mitnehmen?“

Sie sagt: „Ich muss zur Huder Straße! Das ist ja nett von dir, aber ich laufe das Stück!“

Er: „Auf keinen Fall, ich lasse dich hier nicht nachts in der Gegend laufen. Komm steig bitte ins Taxi, wir fahren dort vorbei…Bitte!“

Etwas zögerlich und skeptisch nimmt sie das Angebot an und steigt ein. Sie setzt sich neben ihn auf die Rückbank, dann dreht sie sich zu ihm, ihre blicke treffen sich zum ersten Mal. Ein klischeehafter Moment, den man sonst nur aus den Kinofilmen kennt. Es gab nur noch die beiden, alles andere um sie herum war vergessen: Liebe auf den ersten Blick. Der perfekte Augenblick, das perfekteKkennenlernen. Ich konnte es spüren.

Die Fahrt zur Huder Straße dauerte nicht lange, die beiden haben sehr schnell miteinander gesprochen, fast so, als hätten sie Angst, als würden sie keine Zeit für eine richtige Unterhaltung haben. Sie ist ein paar Jahre jünger als er und war heute Abend auch in der Stadt unterwegs, um den richtigen Mann zu finden. Dann lachen die beiden herzhaft, über ihre eigene Dummheit und über diesen gemeinsamen Zufall.

Dann muss ich leider die beiden unterbrechen, weil wir in ihrer Straße angekommen sind.
Sie sagt schüchtern: „Hm ok, naja…da wären wir. Ich danke dir vielmals, fürs mitnehmen…und vielleicht bis irgendwann mal…?“

Und er ist plötzlich auch ganz schüchtern und bringt keinen Ton heraus. Ich sehe ihn an, wie er verzweifelt gegen sich selbst ankämpft, doch er bringt nur ein langsames „ja…hat mich auch sehr gefreut…dann bis irgendwann mal…“ heraus. Das Mädchen ist verunsichert, bestimmt rattert es in ihren Kopf, bestimmt will sie ihn wiedersehen, nur sie weiß nicht, wie sie das formulieren soll.

Ich muss den beiden helfen und schalte mich ein: „Hey…wie wäre es denn einfach, wenn ihr mal eure Nummern austauscht?“

Der junge Mann ist erleichtert und auch dem Mädchen fällt sichtlich ein Stein vom Herzen.
Er lacht und sagt: „Ja klar…natürlich…darauf wäre ich jetzt irgendwie nicht gekommen!
Kannst du mir deine Nummer geben, hast du WhatsApp?“

– „Na, klar…meine Nummer ist die 0174/xxxxxxxx“

– „Okay, habe ich notiert…sag mal was machst du denn morgen Nachmittag?“

– „Eigentlich gar nichts…“

– „Hast du vielleicht Lust auf einen Spaziergang an der Schlachte oder so?“

– „Ja klar…du hast ja jetzt meine Nummer, schreibst du mir dann?“

− „Das werde ich. Versprochen. Gute Nacht.“