Vor einigen Tagen war es soweit: Überstunden und harte Arbeitstage sorgten dafür, dass mein Körper sich schwer und gebrechlich anfühlte. Ich brauchte dringend Urlaub. Und siehe da: Freitag könnte einer der wenigen Tage werden, an dem ich ausschlafen und Körper und Geist die nötige Ruhe geben könnte. Ich habe frei. Für einen Tag. Endlich.

Der Freitag kam – und der Wecker klingelte viel zu früh. Wie immer. Warum eigentlich? Ich hatte doch frei. Sollte sich mal jemand drum kümmern. Wo war eigentlich meine Freundin? Was meine bessere Hälfte vergaß mir zu erzählen, war der 10 Uhr-Termin bei ihrer Sparkasse. „Wer legt denn bitte den Termin so früh? An meinem einzigen freien Tag!“, schoss es mir kurz und trotzig in den Kopf. „Egal!“, dachte ich dann aber weltmännisch – es lohnt sich manchmal einfach nicht, über Banalitäten zu diskutieren. So war es jetzt eben einfach.

Okay, nun ab zur Bank. Ausgerechnet nach Ritterhude. Nach Ritterhude? Aber wer fragt an so einem schönen, sonnigen Tag und einer in Aussicht gestellten Überlandfahrt nach dem Sinn? Die Autofahrt nutzte ich, um wach zu werden. Und als der nette Bankangestellte uns beiden zu Beginn des Gesprächs jeweils eine eiskalte Cola servierte, schloss ich ihn irgendwie in mein Herz.

Nach dem Termin knurrte mir der Magen. Ich hielt also Ausschau nach einem Bäcker oder Bratwurst-Bräter. Leider ohne Erfolg, und eh‘ ich mich versah, lag Ritterhude hinter uns. Und dann bog ich noch falsch ab und landete irgendwo im Nirgendwo.Nach einiger Zeit langsamer Schleichfahrt kam ich zu der Erkenntnis, dass es an diesem Ort keine Bäckereien gab. Dafür aber viel Fluss und schöne Landschaft. Der Fluss heißt Wümme und die „Straße“, auf der wir uns bewegten, war der Wümmedeich. Wir waren, ohne dies zu beabsichtigen, in einem der schönsten Landstriche Bremens gelandet: dem Blockland.

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Kuhkälber mit langen, (neu)gierigen Zungen am Wegesrand, Schwemmwiesen mit viel Platz, weitem Horizont und verstreute Bauernhöfe. All dies liefert genug Stoff, um sich kurzfristig aus dem Alltag zu träumen: Wie wäre es, wenn man all das Studierte und Gelernte über Bord wirft und ab morgen Milchbauer wäre? Oder Wümmefischer? Würde man über die Runden kommen? Wäre es wirklich so ein romantisch entschleunigtes Leben? Was braucht man eigentlich für ein Grundeinkommen? Und wie schmeckt Milch, wenn man den Kühen Himbeeren unters Futter mischt?

Genug geträumt, ein jähes Knurren in der Magengegend erinnerte mich an meine eigentliche Mission. So schlichen wir uns heimlich davon und schworen auf ein baldiges Wiedersehen. Danke Blockland für dein saftiges Grün und deine wonnigen Deichkurven, wir kommen wieder.

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Mittlerweile war es Mittagszeit. Auf dem Weg zurück in die Innenstadt suchten wir weiter nach einer Möglichkeit einzukehren. Wir mussten gar nicht weit fahren, als wir die Beschilderung zum Rhododendron-Park  entdeckten. Ich war noch nie dort und ließ mich an diesem sonnigen Frühlingstag auf ein weiteres Abenteuer ein.

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Direkt an der zentral gelegenen Botanika befindet sich das Restaurant „Bloom„. Neben deftigen Speisen, kann man dort auch leckeren Kuchen bestellen. Kuchen und Torten liefert übrigens die Schnoor Konditorei ins Haus. Und die sind bekanntlich sehr köstlich.

Wir ließen uns im Außenbereich des Restaurants nieder. Ein leichter Wind im Haar, die Sonne im Gesicht und nette Bedienungen in Eile. Ein Blick auf die Karte verriet uns, dass wir uns auf ein kulinarisches Erlebnis freuen durften. Wöchentlich wechselnde Tagesgerichte mit einem Hauch an mondänem Einfluss versprachen Gutes.

So bestellten wir den Karotten-Kohlrabi-Eintopf und die Spanischen Albondigas (Fleischbällchen) auf Paprika-Tomaten-Chutney an Kartoffelstampf. Die Albondigas waren gut gebraten und das Gericht insgesamt sehr lecker und ausreichend. Mit einem „Eis auf die Faust“ rundeten wir das Mahl ab und schlenderten gesättigt und schleckend in Richtung Parkanlagen.

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Nach dem Schmuckhof, wo uns leuchtende Magnoliensträucher empfingen, wanderten wir durch den Rhododendron-Wald. Die Farbenpracht, die uns diese im Winter so schmucklosen Gewächse an diesem Frühlingstag entgegenbrachten war atemberaubend. Prächtige Blütenbuketts beschrieben ein farbenprächtiges Feuerwerk. Die Luft auf unserer Odyssee durchs Blütenmeer war geschwängert von den unterschiedlichsten Gerüchen. Mal stand man wie gefesselt vor einem Busch, der fast hypnotisch nach würzigem Honig roch. Dann pikte eine weitere Art mit süßlich-frischem Duft von unten hervor und der nächste Baum erschlug einen fast mit einem wabernden Mix aus Aftershave und Verwesung.

Der Bremer Rhododendron-Park zählt mit seinen 600 Spezies in seiner Sammlung zu den größten der Welt. Neben den Pflanzen im Außenbereich, die das gemäßigte Klima unserer Breiten gut aushalten, gibt es in der Botanika auch tropische Arten. Dort blüht es übrigens das ganze Jahr über.

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Noch total benommen von den optisch-olfaktorischen Erlebnissen, begaben wir uns in Richtung Alpinum und dem schönen Steingarten. Dort befindet sich eine große Wiese, die – fast wie eine Insel – nur über einen schmalen Rasenstreifen zu erreichen ist. Dementsprechend friedlich und einsam glühte dieses Fleckchen Erde in der Frühlingssonne. Das saftige Gras lud zum Verweilen, Dösen und ein wenig Yoga ein.

Nach einem Powernapping im Grünen, barfüßigem Sonnenbaden im Gras und kräftigendem Kaltwassertreten im Gebirgsbach des Alpinums, fühlte ich mich sehr erholt. Wahrscheinlich wie Siddhartha unter der Pappelfeige: der Stress der letzten Wochen war wie abgefallen, mein Körper war schmerzfrei und ich fühlte mich leicht wie eine Feder. Drei Wochen Urlaub hätten ihr Werk nicht besser verrichten können. Danke für deine Farben und die Düfte, Rhododendron-Park, das werde ich dir nie vergessen.

Am frühen Abend kehrte ich beseelt und friedlich zurück in mein heimisches Domizil. Die frische Luft des Tages ließ mich angenehm müde und schwer in mein Bett fallen. Und sofort fiel ich in einen Traum von Blumenduft und glücklichen Kühen auf saftigen Wiesen.

Unverhofft kommt oft. Und so ist das, was so stressig begann, zu einem perfekten Urlaubstag geworden. Manchmal muss es eben nicht der Trip in die weite Ferne sein. Das Gute liegt manchmal doch so nah und meistens direkt vor der eigenen Haustür. Am besten man probiert es einfach mal aus. Ich wünsche viel Spaß und Erholung dabei.