„Über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…“, klang es in meinen Ohren nach, als ich die Augen aufschlug. Ein lautes Rattern hatte mich geweckt.

Einige Besucher in meinem Umfeld musterten mich nüchtern – ich musste wohl leise geschnarcht haben. Andere waren bereits geschäftig unterwegs. Sie zerrten ihre Business-Trolleys hektisch in Richtung Flugsteig. Dieses Geräusch identifizierte ich als jenes, das mich geweckt hatte. „Verpasst euren Flug bloß nicht, Jungs!“, dachte ich trocken-süffisant bei mir. Trotz der Bequemlichkeit der Sitzbänke und angenehmer Temperatur in der Abflughalle bringt eine solche Nacht meist wenig Erholung.

Eine kurze Rekapitulation des vergangenen Tages: Ich hatte meinen Flug verpasst, befand mich noch immer am Airport Bremen und feilte an dem Masterplan, um zum Disney Land Ressort Paris zu gelangen.

„Durst!“, meldete sich meine trockene Kehle zu Wort. Ich holte mir eine kühle Cola im Relay Shop, der neben Kaugummis, Getränken, Reiseführern und weiteren Kurzwaren auch Bücher verkaufte.

lovebremen-blog-magazin-flughafen-feature-13

Im Relay Shop kann man so einiges an Literatur kaufen. © Philipp Nöhr

Ich kaufte mir ein Buch mit dem Titel „Die Kunst zu fliegen“. Irgendwie musste ich der Materie ja näher kommen. Mein Rücken zwickte von der Nacht noch ein wenig, deshalb nutzte ich die Möglichkeit und verbrachte die nächsten 1,5 Stunden mit bildender Lektüre in den sehr komfortablen Massagestühlen direkt gegenüber.

lovebremen-blog-magazin-flughafen-feature-14

Das Wellnessprogramm kam an diesem Tag nicht zu kurz. © Philipp Nöhr

Der Massagestuhl vollbrachte ein kleines Wunder: Bald waren die Rückenschmerzen vergessen und mein Kleingeldvorrat nahezu erschöpft. Ich entschied mich dafür, eine Lesepause zu machen.

Die Idee, die mir gekommen war, als ich das alte Junkers W33 in der Bremenhalle besichtigt hatte, beinhaltet den Plan, dass ich weder Ticket noch Pilot brauchte, um nach Paris zu gelangen. Der tollkühne Plan: Ich selbst wollte dorthin fliegen.

Eine Möglichkeit sich mit dem Thema Flugverkehr zu beschäftigen bietet hier die Ausstellung zum Schallschutzprogramm Calmar.

lovebremen-blog-magazin-flughafen-feature-12

In der Ausstellung Calmar kann man sich Flugansagen in verschiedenen Sprachen anhören. © Philipp Nöhr

Die kostenlose Ausstellung führt den Interessierten in sattem Grün audiologisch durch verschiedene Flüge im In- und Ausland, simuliert Schallschutzmaßnahmen und Vergleichsbeispiele aus dem alltäglichen Leben, die in ihrer Schallintensität mit der eines Flugzeugs im Vorbeiflug konkurrieren können.

Ich wollte meinen Plan verfolgen, also musste ich an ein Flugzeug gelangen. Ein Blick in den Flugplan verriet mir, dass der City Airport Bremen mit knapp 50 direkten Flugzielen kaum einen Wunsch offen lässt. Wo viel Verkehr ist braucht man auch Flugzeuge, also würde ich früher oder später etwas Brauchbares finden. Aber: Durch die Sicherheitschecks würde ich ohne gültiges Ticket nicht hindurch kommen. Es sah etwas aussichtslos aus.

lovebremen-blog-magazin-flughafen-feature-16

Die Suche nach einem brauchbaren Flugzeug gestaltete sich schwierig. © Philipp Nöhr

Ich holte mir von meinem letzten Geld gerade einen Espresso im Café Rosso, da gesellte sich eine Truppe Flugbegleiterinnen neben mich. Ihre Uniformen verrieten mir, dass sie für eine französische Airline unterwegs waren. Ich witterte meine Chance und dachte mir die Geschichte aus, dass just in dem Moment, in dem ich einem obdachlosen Teenager mit Babykatzen im Arm mein letztes Geld schenken wollte ein herzloser Dieb mein Portemonnaie gestohlen hatte. Und dass ich nun nicht nach Paris zu meiner kranken Großmutter, die ebenfalls eine Menge süßer Katzenbabys besaß, reisen konnte. Und ob sie nicht noch ein Plätzchen auf dem nächsten Flug für mich frei hätten, da meine Großmutter sonst vor Kummer umkommen würde.

Doch dann kam der Hahn im Korb. Ich hatte somit nun keine Chance mehr mit meiner Geschichte zu „landen“. Der Flugkapitän stolzierte herein und richtete seinen Kamm, äh, die Kapitänsmütze. Er hatte einen leicht arroganten Blick, einen ledernen Pilotenkoffer, die Sonnenbrille Modell „Aviator“ steckte am Revers, glänzend-weiße Zähne und noch glänzendere schwarze Lederschuhe. Er zwinkerte einer Stewardess zu und bestellte lässig einen Kaffee. Danach gockelte er siegessicher zu der Flugbegleitergruppe rüber. Scheinbar war er abgelenkt. Er hatte sein Jackett an der Bar hängen lassen. Und ich witterte meine Chance.

Pfeilschnell schnappte ich mein Zeug und fingerte die Schlüssel aus der Jacketttasche des Piloten. Jetzt war ich mir sicher, dass ich es schaffen würde. Die vorangegangene Lektüre über das Fliegen, die mentale Vorbereitung im Schlaf und meine Willenskraft würden es mir ermöglichen, ein Flugzeug zu steuern und nach Paris zu fliegen.

Nach einen 50-Meter-Flicflac durch die Sicherheitskontrollen, verriegelte ich die Flugzeugtüren von innen und hechtete ins Cockpit. Geschafft!

Fast. Nur noch schnell die Schlüssel umdrehen und dann die paar Kilometer fliegen und ich wäre da. Ich startete, die Turbinen heulten laut auf. Alle Instrumente waren beleuchtet und der Flieger startklar.

lovebremen-blog-magazin-flughafen-feature-22

Startbereit leuchteten mich die Instrumente an. © Philipp Nöhr

Ich schob den Schubregler nach vorne, das Dröhnen der Turbinen wurde mächtig. Die G-Kräfte drückten mich in den Sitz. Ich zog den Vogel nach oben. Wenige Stunden später erblickte ich durch mein Seitenfenster Paris. Ich landete in Charles des Gaulle, nahm die Metro und war am Ziel. Ich hatte es endlich geschafft: Disneyland! Mickey, Goofey, Donald, ich komme!

Euro_Disney

Endlich war ich da.

Und dann wachte ich auf!

 

Hier lest Ihr, wie es weiterging, nachdem ich erwachte und damit den letzten Teil meines Airport-Ausflugs. Wer den ersten Teil verpasst hat, kann ihn hier gerne nachlesen.