…eine Stimme säuselte mir auf Spanisch ins Ohr, dass wir just in Palma de Mallorca gelandet seien, uns draußen angenehmes Wetter erwarte und sie uns einen schönen Aufenthalt wünsche. Es vergingen ein paar Augenblicke, bis ich realisierte, wo ich war.

Eben befand ich mich noch vor den Toren Disneylands und alle meine Kindheitsfreunde erwarteten mich dort. Jetzt fand ich mich in einem der froschgrünen Akkustik-Sitze in der Calmar-Ausstellung am Bremer City Airport wieder und hatte Nackenschmerzen. Ich muss wohl eingeschlafen sein. Also hatte ich nur geträumt, dass ich das Flugzeug geflogen bin. Okay, bei dem 50-Meter-Flicflac durch den Sicherheitscheck war ich mir nun auch ziemlich sicher, dass ich das nur geträumt hatte.

Etwas benommen setzte ich mich auf. Meine Situation hatte sich leider nicht verändert. Und so musste ich mir eingestehen, dass ich wohl doch eine der nächsten Bahnen nehmen und mit hängendem Kopf nach Hause trotten würde.

Mein Blick fiel auf meine Füße. Dort wo man hinguckt, wenn man deprimiert ist und keine Lust hat woanders hinzugucken. Unter meinem rechten Fuß lag ein sehr interessanter Flyer.

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Zu meinen Füßen lag ein Flyer.

„Erfüllen Sie sich den Traum vom Fliegen!“, stand da in unaufdringlichen Lettern. Weiter, dass man sich diesen Traum im Airport Bremen erfüllen könne: Im Flugsimulator mit einem original Airbus 320-Cockpit. Ich öffnete den Flyer. Dabei fiel mir ein kleiner Zettel in den Schoß. Auf diesem Zettel stand ebenfalls mit unaufdringlicher Schrift, dass er die Funktion eines Freibillets innehatte und ich ihn gegen den Traum vom Fliegen eintauschen könnte. „Yesss, wenn schon nicht Disneyland, dann wenigstens fliegen!“, dachte ich bei mir und machte mich erfreut auf dem Weg zum Simulator. Wer kann denn schon von sich behaupten, jemals einen A 320 geflogen zu sein?

Vor dem Simulator angekommen, klopfte ich an die dicken Glastüren, die mir Einlass gewähren sollten. Von innen öffnete mir ein junger, sportiver Mann, der sich als Fluginstrukteur Matthias vorstellte.

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Fröhlich begrüßte mich Matthias im Eingangsbereich des Simulators. © Philipp Nöhr

Während sich die vorherigen Fluggäste mit einem breiten Grinsen im Gesicht von Matthias verabschiedeten, schaute ich mir den Vorraum etwas genauer an: Flugsitze, ein Tresen, ein kleiner abgetrennter Schulungsraum und eine Kaffeemaschine. Gegenüber ließ eine schmale, massive Einlasstür erahnen, dass sich dort das Cockpit befände.

Bevor aber der Flug anfangen konnte, musste Theorie gepaukt werden. Wir setzten uns also bei einem Fläschchen Wasser in den Schulungsraum und Matthias bereitete das Schulungsprogramm vor. An den Wänden waren auf Plakaten Cockpit und einzelne Bedienelemente des A 320 abgebildet. Es gab gefühlt einige hundert Knöpfe im Cockpit.

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Vor dem Flug war Unterricht angesagt. Hier erklärt mir Matthias die Theorie des Auftriebs. © Philipp Nöhr

Nach einer ca. 20-minütigen Einführung in die Physik des Flugzeuges, über Flugmanöver und Verhaltensweisen während des Fluges, war der theoretische Teil abgeschlossen. Wir gingen zusammen ins Cockpit und Matthias fragte mich, wohin ich denn fliegen wollte? Ich wusste natürlich wohin und antwortete wie aus der Pistole geschossen: „Paris, Charles des Gaulle!“.

Während der Eingabe der Flugparameter ins System war ich damit beschäftigt, mich auf dem Pilotensitz festzuschnallen und den Sitz in Position zu bringen. Nun konnte es losgehen, ich war bereit.

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„Guten Tag, verehrte Passagiere, Flugkapitän Franke begrüßt Sie hiermit an Bord und wünscht Ihnen einen angenehmen Flug.“ © Philipp Nöhr

Wir mussten erst eine Checkliste abarbeiten, danach war auch das Flugzeug startbereit. Der künstliche Horizont und die Geschwindigkeitsanzeige signalisierten mir, dass wir uns noch nicht bewegten.

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Ich arbeitete die Checkliste sukzessive ab, damit der Bordrechner die Kontrolle auf die Instrumente freigab. © Philipp Nöhr

Wir standen in Startposition auf der Rollbahn des Bremer Flughafens. Nun war es an mir das Flugzeug in die Luft zu bringen. Schnell fand ich mich zwischen den 583 Knöpfen zurecht und konnte es von da an blind.

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Der Hebel für den Schub: Herrscher über zwei General Electric CFM 56-5A3 Kraft-Turbinen, die über den Daumen geschlagen mal eben 9600 PS leisten. © Philipp Nöhr

Ich drückte den Schubhebel nach vorne und der A 320 setzte sich gemächlich in Bewegung. Dabei achtete ich stets darauf, auf der Rollbahn zu bleiben. Lustigerweise steuert man ein Flugzeug am Boden mit zwei Pedalen im Fußraum. Als wir ungefähr 280 km/h erreicht hatten, zog ich meinem Pilotenjoystick nach hinten und die Nase des Flugzeugs damit nach oben. Danach beschrieb ich eine leichte Linkskurve, um in Richtung Paris zu gelangen.

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Der künstliche Horizont zeugt von meiner stets kontrollierten Flugmanier. © Philipp Nöhr

Als ich genug Höhe gewonnen hatte, legte ich mit dem Bordcomputer den Kurs und die Richtung fest. Der Autopilot übernahm und so flogen wir in die Abenddämmerung hinein nach Paris.

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Vorsichtig stellte ich die Gradzahl für den Autopiloten ein. © Philipp Nöhr

Kurz vor der Ankunft erschien Paris hell erleuchtet am Horizont. Da ich ja nun schon einmal in der Nähe war, entschied ich mich dafür einmal am Eiffelturm vorbeizufliegen, bevor wir in landeten. Schön sah er aus bei Nacht.

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Immer an der Seine entlang tauchte bald der Eiffelturm am Horizont auf. Beim Überflug wurde gerade Feuerwerk gezündet. © Philipp Nöhr

Auch die Landung in Charles des Gaulles verlief so ziemlich nach Plan. Artig und im 3°Grad-Winkel flog ich die Landebahn an und brachte den Vogel dort zum Stehen.

In der Nachbesprechung gingen wir noch einmal ein paar Situationen durch. Matthias lobte meine Flugattitüde und ich die seines Flugzeuges. Ohne die ganzen Assistenzprogramme hätte ich es bestimmt noch nicht mal nach Dreye geschafft. Dann verabschiedeten wir uns freundlich voneinander.

Alles in allem war es ein außergewöhnliches Erlebnis. Ich konnte nach diesem Flug erhobenen Hauptes nach Hause fahren und meiner Familie und Freunden sagen, dass ich soeben einen A 320 geflogen war. Wer kann das schon? Der Verlust meines Flugtickets und der Disney-Show war angesichts dessen schon fast wieder vergessen.

Wer sich selbst einmal den Traum vom Fliegen erfüllen möchte, kann sich gerne vorher auf der Website über den Ablauf, Standorte und Preise informieren.

Nach diesem Erlebnis war ich nun bereit, den Flughafen zu verlassen. Ich freute mich schon auf mein zu Hause und auf die Geschichten, die ich erzählen konnte.

Der nächste Besuch am Flughafen war schon in naher Zukunft geplant, aber bis dahin hieß es „Goodbye und auf Wiedersehen, City Airport Bremen!“.

Wer die ersten beiden Teile des Berichts verpasst hat, kann sie gerne hier und hier nachlesen.